Der Wasserfall bzw. der Weg dorthin gehört auch zu den unendlichen Geschichten, die uns La Gomera schrieb.
Also, in den ersten Jahren wollten wir da gar nicht hin, weil alle dahin pilgerten. Dann haben wir einige Anläufe über El Guro unternommen, sind da aber vor lauter Begeisterung und Fotografierei nicht über den „Guanchen“ hinausgekommen. Aber irgendwann konnte man gar nicht riskieren, bei Nachfragen nach dem besten Weg zuzugeben, dort noch gar nicht gewesen zu sein.
Also den Barranco hoch bis zur Treppe El Guro/Los Reyes. Ein Mensch mit einem großen Plastiksack Hausmüll kommt von Los Reyes, klettert vor uns die Treppe zur Straße hoch und entleert sich in den aufgestellten Containern. Wer so viel Müll durch die Gegend trägt, muss sich auskennen, und so wurde er nach dem „besten“ Weg befragt. Ein Bayer!
Wie zu erwarten, verwarf er alle bekannten Wege, wies auf den Lavagrußhaufen an der Palme mit dem traurigen Schild „Wasserfall“, über die Brücke und dann direkt danach rechts runter und durch das Bachbett hoch. Es floß, vor allem unten, recht wenig Wasser, und so kam man trockenen Fußes bis zum großen Felsen, rechts an der Wand die sechs Meter Wasserrohr (bei Steuer beschrieben, die schon so viele zur Verzweiflung gebracht haben). Auf dem großen Felsen hatte jemand eine Steinpyramide errichtet, was heißt Pyramide, es war ein einzelner Stein auf einem einzelnen Stein auf einem einzelnen Stein……
Foto (Gottlob)!
Weiter durch das Bachbett, mal mitten drin von Stein zu Stein, mal am linken, mal am rechten Ufer, durch Dornenbüsche und den bambusartigen Schilf.
War ganz schön was los auf der Strecke, reger Besucherverkehr, etwas stutzig wurden wir, als uns ein entgegenkommendes Paar fragte, ob es noch weit zum Wasserfall wäre. Wo die wohl herkamen? Über weite Entfernung Holländisch, Latschengeklapper.
ER: Zal ik je helpen?
SIE: Ik kan het alleene.
Er: Vater in Turnschuhen.
SIE. Vielleicht 9 Jahre, Kleidchen und Plastikbadelatschen, hüpft von Stein zu Stein.
Endlich am Wasserfall, sehr wenig Wasser, das fallen konnte, ein paar rastende Pärchen und die Wasserfallkatze, die dort zu wohnen scheint und prächtig ernährt wird.
Rückweg. Am großen Felsen war kein Stein mehr auf dem anderen, man fragt sich, mit welcher Energie Idioten da herumkrauchen um so ein Werk zu zerstören.
Am Wasserrohrstück dann links hoch, der Weg schwingt sich durch blockiges Gestein, und plötzlich steht man auf einer breiten Terrasse, aufgelassene Felder, Ziegen in provisorischen Stallresten. Hier oben ist gut Weile haben. Am jenseitigen Barrancoufer ist die Stelle, wo es über die großen Blöcke, deren jeder eine gelbgrüne Markierung und den Hinweis auf El Guro trägt, nach El Guro geht. Herrlich zu sehen, wie sie dort runterkommen und wieder raufgehen.
(Es ist einer unserer Lieblingsplätze auf La Gomera geworden: Schatten von den hohen Bäumen ( Mango?), Lesen (ich), Yoga-Übungen (meine Frau) Sonne, wenn man will, die Aussicht direkt unten in den Bachlauf, den die Wanderer hochkommen, und vor allem der Auf-/Abstieg von und nach El Guro. Da beginnt das Leben: Kinder aus dem Haus, der Hund tot…..
Irgendwann mussten wir uns losreißen, sind wieder heruntergegangen und den Bachlauf wieder bis zur Brücke unten in El Guro.
Schönes Arbeiten!
Im nächsten Urlaub wieder zum Wasserfall, diesmal oben durch El-Guro, nicht durchs Fotografieren aufhalten lassen. Rückweg wieder über den schönen Rastplatz und dann links am durch einen Steinschlag zerstörten ehemaligen Wasserkanal entlang. Es geht nach links um die Rippe, unten liegen die Häuser unter dem roten Rücken. Der Wasserkanal wird immer zugemüllter, welcher Idiot schafft seine alten Betten hier nach oben in das Wassergerinne?
An einer Stelle liegen ehemalige Bienenstöcke, die Bienen haben noch nicht ganz begriffen, dass es mit dieser Wohnung wohl nichts mehr ist und schwirren in Scharen, egal, wir tun denen nichts, sollen die uns auch nichts tun (eine aber hat doch).
Die Wasserrinne wird immer erdiger, hört auf, nur noch eine kleine eiserne Wasserleitung, dann hört auch der Weg auf und man schlängelt sich zwischen Opuntien und Büschen weiter. Unten liegt die Straße, keine 40 Höhenmeter, aber da kann man sich nicht runter trauen, loses Gestein, hohe Stützmauer. Also Höhe halten, die Straße steigt ja, irgendwann sind wir ja bestimmt in Los Granados….. Hoch zu einem Wasserreservoir gearbeitet, da geht ein Weg – denkste.
An der Straßenmauer anfangs Los Granados haben wir endlich die Straße erreicht – Berg Heil! Aber eigentlich sind wir bescheuert. An den Bienen zurück wollte aber auch keiner vorbei.
Im nächsten Valle-Boten gibt es eine hämische Beschreibung von Klaus Heinrichs, wie auch die „Schabeltässler“, ohne über Kühns Terrasse trampeln zu müssen, bequem zum Wasserfall kommen.
Einen Winter lang geärgert, im nächsten Urlaub diesen Weg genommen. Kaum hat man den Wasserkanal erreicht, steht da auf einem großen Felsblock in Riesenlettern: „Abstieg“. Es war niemand da, aber wir hatten trotzdem rote Ohren! Aber diese Terrasse wurde zum Lieblingsplatz.
Der Weg zum Wasserfall wird gern als Einstiegstour bezeichnet. Da gibt es leichtere und ungefährlichere! Bei gutem Wasserstand ist das an etlichen Stellen eine nasse, rutschige und saugefährliche Sache. Im letzen Jahr trafen wir einen Apartmentnachbarn bei Doktor Weber wieder: in einer „Bambus“-Passage hatte er den Untergrund nicht richtig gesehen, war auf das Geäst getreten, der Bambus lag hohl, brach und das Zeug federte und haute ihm einen schönen Winkel in den Oberschenkel. Der Wanderurlaub war gegessen.
Tamara: Durch den Bach gehen, nicht oben rum, gut knöchelhohes Schuhwerk ( ich schwöre da auf meine Meindl, auch wenn sie schwer sind), auf Geäst und Steine erst treten, wenn Du Dich von ihrer Festigkeit und sichern Lage überzeugt hast – dann kannst Du der Katze am Wasserfall auch ein Stück Thunfischbrot geben.
Es sind noch 27 Tage.