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Benchijigua
Es war alles so, wie nachstehnd beschrieben:
Geplante Tour, Agando –Benchijigua-Imada. Oder andersrum. Leihwagen. Bei Leihwagen eigentlich egal, ob links oder rechts rum, man muss die Strecke, die es runter geht, auch wieder hochlaufen.
Also bleibt der Wagen am Parkplatz an der Kreuzung Parajito. Noch zwei Paare machen sich fertig, halten dann aber auf den Garajonay zu. Wir vom Parkplatz runter, links um und losgegangen. Herrlich hoher Kiefernwald, einige Riesenzapfen am Boden. Mir kommt die Straße nur so nah vor, und der Weg geht für meine Begriffe zu weit nach Süden.Zurück.
Kurz vor Wiederauftreffen auf den Oarkplatz sehen wir dann auch das kleine Schild für den richtigen Weg Richtung Casa Olsen. Im Auf und Ab, bis wir wieder auf der Straße sind. Hätten wir auch gleich bleiben können, oder? Dann die TF 713 Richtung Osten, ausführlicher Fotohalt am Mirador de Tajaque, weiter zu den Roques. Wetter ist einmalig, keine Wolke am Himmel, nach Fotopausen kurze Besichtigung des Waldbranddenkmales, an der Mauer nach rechts bis zum Treppenabsteig. Zunächst ganz schön steile Stufen, und dunkel ist es hier, dann geht es einen Pfad am Fuße des Roque de Agando lang durch dichtes Unterholz. Igendwann kommt der mit Betonplatten abgedeckte Wasserkanal. Rast, Fotos; die nächste Strecke ist übersäht mit abgestorbenen Agaven. Neuen Film in die Kamera. Weiter durch den ausgetrockneten Bachlauf, es wird übersichtlicher, auf dem Rücken immer weiter nach unten. Beste Fotomotive in der Rückschau. Am Wasserkanal treu die Anweisungen des Wanderführers beachtet, nicht nach links absteigen, schön die Bögen am Verteiler ausgehen und dann auf dem Fahrweg an die Plaza von Benchijigua. Tatsächlich, überall Sonnenkollektoren. Die „Bar“ ist auch da: Cerrado. Und wir haben uns verpflegungsmäßig voll darauf verlassen. 1 Dose Thunfisch, noch 1 Liter Wasser.
Mittlerweile ist es sengend heiß geworden. Am Platz vor der Bar riesige Bäume, ein Einheimischer gesellt sich zu uns. Imada? Den Weg gibt es nicht mehr. Bergrutsch (haben wir verstanden). Besser nach Santiago laufen. Ob wir nicht ein Foto von ihm machen können. Klar. Und eins mit meiner Frau drauf? Na gut. Mal eben den Arm um sie legen? Beim Kussversuch ihm ein wenig die Richtung gezeigt, er trollt sich. Plötzlich steht ein junges Paar von uns. Sehr leicht gekleidet, vor allem an den Füßen. Bar zu? Um Gottes Willen. Sie sind vom Hotel Tecina her hochgestiegen, ohne Karte, ohne Ahnung. Über meiner Karte wird beratschlagt, dann gehen sie eben rauf nach Las Toscas und dann mit dem Bus.
Müsste man noch so jung sein? Lieber nicht, die Bedarftheit ist auch noch recht jung.
Kann man dem Kusswütigen trauen? Die Wanderwegbeschreibung haben wir nur „andersrum“, von Imada her, und da klangen einige Passagen auch nicht gerade ermutigend. Also auf den Weg gemacht, rauf nach Las Toscas (von daher die Kenntnis über die Pistenbeschaffenheit). Schüttere Kiefern am Pistenrand spendieren etwas Schatten. Es ist verdammt heiß, der Blick nach oben, wo sich Kehre um Kehre ausmachen lässt, nicht gerade motivierend. Irgend wann sind wir in Las Toscas, die Dose Thunfisch muss dran glauben. Wasser ist keines mehr.
Unser Auto steht Luftlinie nur 5 km entfernt. Wann ein Bus von Santiago nach San Sebastian fährt, ist an der Haltestelle nicht angeschlagen. Taxis fahren – immer in Richtung Santiago. Es nützt nichts, auf die Landstraße, durch die Tunnels. In Vegapaila überlegen wir, ob meine Frau an der Bushaltestelle wartet, ich rauf zur Degollada de Peraza „renne“, dort den Valle-Bus bis Pajarito erwische und sie mit dem Auto abhole. Ist Mist, wird auch zeitlich zu knapp. Weiter. Endlich, die Gaststätte an der Dedollada ist schon in Sicht, ein Taxi in unsere Richtung. Der junge Mann will nicht glauben, wo wir herkommen, erst als er unser Auto sieht. 2100 Peseten, das geht ja noch.
20,3 km. Die Fotos von dieser Tour sehen wir heute noch mit feuchten Augen. Es war eine grandiose Welt vom Agando bis Las Toscas.
3 Jahre später, Sonntag Nachmittag in Tecina. Am Vortag gerade vom Valle aus nach hier umgezogen. Meine Frau will einen „Sonntag“. Ich will fotografieren. Losgezogen, runter ins Dorf, mal ein wenig Richtung Tunnel geschlendert, da drüben auf der anderen Straßenseite geht es nach Pastrana. Ein paar Meter kann man ja mal, nicht so weit, ich habe Sandalen an. Es ist heiß, die Straße elend. Kein Mensch unterwegs. Ist das da hoch oben in der Ferne nicht die Ermita de San Juan an Benchijigua?.(War sie nicht. Ich hatte keine Karte mit, war ja nur „im Ort“ forografieren.) Bischen näher ran. An Taco vorbei, auf einem riesigen Schild fordert mich jemand mit einem Doppelkopf auf „Vota! La Gomera Tu Isla.“, gegenüber El Cabezzo, da jauult ein Betonmischer (am Sonntag!), noch etwas weiter, Pastrana, Ende der Straße. Da sollte doch ein Weg langgehen?
Den Weg gefunden, auf Saumpfad über dem Tal immer weiter. Eine Rippe wird umrundet. Ist das da hinten nicht der Agando? Noch bis zur nächsten Biegung: Es ist der Agando. Und jetzt Charakter bewiesen: NICHT weitergegangen, in den Schuhen und ohne Bescheid zu geben? Also den Weg zurück, hübsch bis Taco/Rumbazo, elendigliche Straße bis Santiago. Trotz Fotobeweis will meine Frau mir nicht glauben.
10 Tage später, der Lieblingstaxifahrer Juan M.V. bringt uns nach Las Toscas. Riesenenttäuschung: Am Meer eitel Sonne, hier oben: der Agando in Wolken, vom Tal kauf was zu sehen. „Wird besser“, versichert uns Juan und wir gehen los auf der Holperpiste. Es regnet leicht, oder war das nur Horizontalregen? An der Abzweigung des Wanderweges unten kurz vor Benchijigua hat sich das Wetter etwas gebessert, der Agando ist auszumachen. Also los, der Weg ist mit riesigen blauen Ziffern und allerlei anderem Gemale versehen, in mäßiger Steigung geht es bergab. Gegenüber eine spitzzackige Formation vor Benchijigua, helle Spuren ziehen sich nach unten, es sieht aus, wie ein Wasserfall, war aber nie einer, soll aus Sinterungen kommen.
Langsam schiebt sich auf der anderen Seite Lo del Gato heran, über den Barranco werden alle Geräusche vom anderen „Ufer“ herübergetragen, eine Familie hat gerade Zoff, weil Hühner ausgebüchst sind.
Weiter unten im Tal „arbeiten“ einige Monteure an einer riesigen neuen Wasserleitung. Da muss wohl viel beobachtet und gemessen werden. Wie kriegen die die Rohre hier hin? Vielleicht kommt ja ein Hubschrappschrapp. Nach einer kleinen ausgesetzten Stelle geht es herunter in das grobblockige Barrancobett. Stimmen kommen uns entgegen, dann drei Damen, die wir aus Tecina kennen bzw, sie im Hotel gesehen haben. Haben außer der lauten Stimme wenig an für einen Bergausflug, stört sie aber nicht, uns auch nicht. Sie wollen über Lo del Gato auf die Kammscheide zum Barranco de Guarimiar und wieder zurück ins Tal. Ich muss ein etwas ungläubiges Gesicht gemacht haben, denn sie hielten mir ihren nagelneuen Wanderführer hin. Ob sie beim Lesen schon bis zu der Stelle gekommen waren, wo die sehr schwierige Wegfindung ab Lo del Gato beschrieben war? Abends im Hotel: Sie haben das in Lo del Gato auch gemerkt und sind umgekehrt, so schlau waren sie wenigstens.
Die angeblichen Gofiomühlen sind nur noch Ruinen. Sollte es hier aber mal schütten, dürfte was los sein, da ist der Barranco im Valle aber nix dagegen. Links nach dem Bachbett wieder hoch – welcher Idiot bringt Markierungen an bzw. bringt sie an entscheidenden Stellen nicht an? Den Saumweg bis zur Straße, unter der Schranke durch und nach der ersten Brücke am Treppenweg zu einem Haus ausgiebiger Halt. Ziegen zugehört, Echsen beobachtet, überlegt, wie man am besten an die Papayas herankommt (wir machen so was nicht) und den Genussweg runter bis Pastrana, danach leider die elende Strecke vorbei an Nichts und einem Steinbruch bis nach Tecina.
So sind wir denn, wenn auch über die Jahre verteilt, von Pajarito über den Roque de Agando und Benchijigua nach Playa de Santiago gekommen. Man kann es natürlich auch an einem Tag machen: Mit dem 8.oo Uhr Bus bis zu Roques, Foto machen, dann am Waldbranddenkmal runter und immer der Nase lang. In Benchijigua die Abkürzung durch das Dorf nicht verpassen, und dann auf der linken Barrancoseite nach Pastrana, Taco und Santiago. Dort im La Chalana etwas essen und trinken, in der richtigen Jahreszeit kleine Katzen streicheln, zum Hafen schlendern und mit dem Garajonay-Express ins Valle. Custeau wiegt einen in den Schlaf.
Sorry, Orlando, es sind jetzt nur noch 68 Tage und langsam kann ich nicht mehr warten.
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