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lycia
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Betreff des Beitrags: Unsere erste Gomera-Reise, ein Bericht in vielen Teilen Verfasst: 06.04.2008, 19:54 |
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Liebe Foren-Leser, heute soll Euch wie versprochen unser Reisebericht erreichen. Aus unsren eignen Augen sehend schildern wir die Welt, ehrlich, direkt, unverblümt. Wir hoffen, dem einen oder anderen damit das Warten zu versüßen oder Erinnerungen an Schönes zu wecken. Jedenfalls bringt uns selbst das Erinnern große Freude. Und die möchten wir mit Euch teilen. lycia und lycia-Mann grüßen herzlich 
Zuletzt geändert von lycia am 06.04.2008, 20:49, insgesamt 1-mal geändert.
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lycia
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Betreff des Beitrags: Re: Unsere erste Gomera-Reise, ein Bericht in vielen Teilen Verfasst: 06.04.2008, 19:55 |
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Registriert: 09.02.2008, 14:22 Beiträge: 39 Wohnort: Dresden
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Vorbereitungen.
Da machen wir uns nun wiedermal auf in die Lüfte. Für's Packen meines Koffers habe ich am Vorabend der Reise nur 45 Minuten Zeit und bin dankbar, mir wenigstens Stichpunkte auf einen Zettel gekritzelt zu haben. Wie soll man nur im deutschen Winter einschätzen, was man im kanarischen Frühling gern tragen möchte? Wie fühlen sich 22 Grad bloß an? Fast bin ich geneigt, mir Urlaubsfotos anzuschauen... Nun aber fix die Sachen in den Koffer. Mein Mann musste das einen Tag früher im ähnlichen Schnelldurchlauf erledigen. Er wird gleich heim kommen, wir schnappen uns die Katzen für die Pension, und darunter leiden nicht nur die Vierbeiner. Schon befinden sich die Koffer im Kofferraum, wiedermal recht voll. Nachdem wir die Katzen (wer jammert jetzt mehr?) abgegeben haben, fahren wir Richtung Flughafen zum Vorabend-Checkin. Irgendwer muss das extra für uns erfunden haben, damit wir in der Vorurlaubsnacht noch etwas Schlaf abbekommen. :) Wann immer möglich, genießen wir die Ruhe beim vorabendlichen Einchecken, so auch heute. Noch schnell den Gepäckstreifen abpiepsen lassen, ja, alles okay soweit. Na und wenn nicht, dann öffnen sie den Koffer halt - völlig egal. Dabei muss ich wieder an zwei Erlebnisse mit den Kraxen denken. Immer wenn wir mit Rucksäcken fliegen, "dürfen" wir Zweifelhaftes selbst auspacken. Furchtbar. Einmal war's der Campingkocher, der mitten in der Kraxe zwischen Shirts steckte, ein andres Mal Akkus, genau so tief drin. Gern kommt mir ein bissiger Scherz über die Lippen, doch seit ich dafür durch die netten Beamten ordentlich gerügt wurde, bekämpft mein Verstand den Humor meist erfolgreich. Die Koffer sind durch, wir versichern uns nochmal, wann wir da sein müssen - und das ist wohl für uns das Schönste am Vorabend-Checkin: 30-40 Minuten vorher reicht. Das Auto bringen wir heim, den Schlüssel zu Freunden, noch tausend letzte Kleinigkeiten à la "Jetzt muss ich nur noch...", schließlich etwas Schlaf. Los geht es an einem Samstagmorgen, viiiel zu früh klingelt uns der Wecker aus dem Bett. Die Abfahrtszeit der Bahn, die uns in Richtung Flughafen befördern soll, beginnt mit einer 4. Grausig, sind wir doch kaum richtig eingeschlafen! Doch frühes Beginnen verspricht noch viel vom Tag, und bei langer Anreise - um so besser. Also quälen wir uns raus, genießen nach Duschen und Handgepäck-Packen noch einen gemütlichen Espresso, der ab jetzt endlich wieder "Cortado" heißen wird. Diesmal, und das nehme ich mir fest vor, bestelle ich einen leche-y-leche (Milch-und-Milch). Mir kommt die Erinnerung, wie ich das erste Mal den kanarischen Cortado bekam, mit einer dicken Schicht süßer Kondensmilch unten im Gläschen. Diesmal soll auch die geschäumte Milch oben drauf nicht fehlen.
Zuletzt geändert von lycia am 06.04.2008, 20:51, insgesamt 1-mal geändert.
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lycia
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Betreff des Beitrags: Re: Unsere erste Gomera-Reise, ein Bericht in vielen Teilen Verfasst: 06.04.2008, 19:56 |
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Registriert: 09.02.2008, 14:22 Beiträge: 39 Wohnort: Dresden
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Los geht's.
Die Bahn erreichen wir ohne Hektik, aber es schüttet in Strömen. Meine Hose klebt nach den wenigen Metern zur Haltestelle klitschnass an den Beinen, denn Tief Emma beutelt uns unterwegs mächtig durch. Wer?? Davon hatten wir noch gar nicht viel mitbekommen, da dank Internet in den letzten Tagen nur noch ausländische Radiostationen dudelten und der Rest an Vorbereitungen und Aufmerksamkeit von Arbeit erstickt wurde. Plötzlich rief am Vorabend mit einem Anflug von Panik in der Stimme die Familie an, da sie am gleichen Tag wie wir einen Flug auf dem Plan hatten. So wurde uns bewusst, dass es draußen doch recht stark regnete und fast schon, ja, man kann sagen, es stürmte... Erster Gedanke: Um Himmels willen, dass sich bloß der Abflug nicht verzögert! Dann erreichen wir am Ende die Fähre nicht und müssen von der kurzen Gomera-Woche noch eine Nacht auf Teneriffa verbringen... Na was soll's, dagegen können wir nichts tun. Auch wenn wir sonst keine großen Freunde von Pauschalreisen sind, kam an dieser Stelle Erleichterung auf, da wir uns um das Wann-und-Wie diesmal nicht kümmern müssten. Flug, Unterkunft und Mietwagen sind gebucht. Irgendwer würde uns schon irgendwann irgendwie nach Gomera bringen. Genau. Irgendwie. Etwa 45 Minuten vor dem planmäßigen Abflug erreichen wir patschnass und müde, aber zufrieden, den Flughafen. Wahnsinnig viele Menschen tummeln sich da, und wir sehen, dass gleich 3 Maschinen um 6 Uhr morgens starten wollen. Wir reihen uns ein und ich rechne schon damit, wie jedesmal auch heute die Wanderschuhe ausziehen zu dürfen. Nicht dass mein Mann sie schon _ein_mal ausgezogen hätte - er trägt exakt das gleiche Modell. Ich kremple also die Hosen hoch, werfe allen Kleinkram rauf auf's Band. Wie immer müssen wir die "Techniktasche" auspacken und alle Geräte zeigen. Zugegeben, es sind einige. Die Personenkontrolle passieren wir mit Piepsen an den üblichen Stellen, ich schaue erwartungsvoll auf meine Schuhe und... Nix! Die Beamten wollen diesmal meine Füße nicht entblößt haben!?! Das gefällt mir. So begeben wir uns also Richtung planmäßiges Gate, und wir können auch sofort einsteigen. Eins wundert uns, warum ruft die Fluggesellschaft "Die Gäste vom Vorabend-Checkin bitte zum Gate"? Dazu gehören wir. Liegt es vielleicht an unseren hinteren Plätzen? Wie auch immer, wir steigen ein und basteln uns in die engen Sitze. Der Pilot begrüßt uns und beginnt zu erzählen. Sowas mögen wir sehr, Infos aus dem Cockpit zu Flug und Wetter. Doch was hören wir da? Der Flug wird heute dank Tief Emma "ruppig" werden. Genau so drückt er sich aus. Die virtuellen Alarmglöckchen im Hirn schellen vorsichtig und wir schnallen uns fest an, gleich zwei Bonbons im Mund. :-) Wie wir auf die Startposition rollen, meldet sich noch einmal aus dem Cockpit unser Pilot und meint, wir sollen uns heute gut festhalten und wirklich gut anschnallen, denn es geht gleich mit voller Kraft und Heftigkeit los. Spüre ich da ein flaues Gefühl in der Magengegend? Noch während wir stehen, rattern die Maschinen los. Es dröhnt so laut und kräftig wie selten (geben sie nicht sonst erst beim Rollen volle Kraft?), dann rollen wir los und... Heben zügig ab. Aber wie!!! Am Fenster sitzend, schaue ich sonst immer gerne raus. Da wir so ca. 3x pro Jahr abheben, empfinden wir dabei eine gewisse Routine. Diesmal jedoch sehe ich die Stadt neben mir auf und ab und hin und her kippen, ja wackeln, ich beschließe in Sekundenschnelle, dass mein Hirn das nicht gebacken bekommt und starre bedauernd auf den Sitz vor mir. Mein Mann sieht gebannt an mir vorbei aus dem Fenster und meint, ich solle rausschauen, wie wir herumwackeln. Diesmal nicht, entgegne ich, mir würde sonst übel. Wir Fluggäste krampfen uns an Lehnen oder Vordersitzen fest, man nimmt lautes Seufzen oder Stöhnen wahr. Dann haben wir die untere Wolkenschicht endlich erreicht und es rüttelt nur noch, wie man das von Wolkenschichten gewöhnt ist. Mein Dank und ein großes Lob für diese vielleicht nicht ganz selbstverständliche Leistung wandert telepathisch ins Cockpit. Beim Abheben hatte ich noch niemals vorher Bedenken - wenn man mal von der Aufregung beim allerersten Flug absieht, aber das hier war... irgendwie ungewöhnlich. ;-) Am kommenden Abend werden wir am TV einer spektakulären Landung in Hamburg zusehen, die uns sehr an unser Abheben erinnert. Während des Fluges werden wir ständig wieder durchgeschüttelt, es gibt einige Luftlöcher, Sitzenbleib-Aufforderung, und die Flugbegleiterinnen können hin und wieder nicht mit ihren Wagen durch den Gang fahren, da wir uns auf einem recht turbulenten Flug befinden. Glücklicherweise bekommen wir hinten sitzend doch das eine oder andere Getränk ab. Das Frühstück tut gut und kommt uns recht, denn es ist irgendwas nach 8, und inzwischen sind wir schon 5 Stunden wach. Auf diesem Flug bekommen wir die Becherchen mal nur halb gefüllt. Aha.
Zuletzt geändert von lycia am 06.04.2008, 20:52, insgesamt 1-mal geändert.
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lycia
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Betreff des Beitrags: Re: Unsere erste Gomera-Reise, ein Bericht in vielen Teilen Verfasst: 06.04.2008, 19:56 |
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Registriert: 09.02.2008, 14:22 Beiträge: 39 Wohnort: Dresden
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Ankunft auf Teneriffa.
Auf dem gesamten Flug haben wir nur Ausblick auf Wolkenformationen, erst in Portugal kann man etwas Land erspähen. Dort beginnt sich dann auch endlich das herrlich warme Licht der Sonne des Südens einzustellen. Wir genießen den Blick auf die Küsten und das blaue Meer. Atlántico - querido mío. Nahe Marokko rütteln uns nochmal ordentliche Turbulenzen durch, die letzte halbe Stunde verbringen wir sehnsüchtig nach unten starrend. Das Meer. Die Inselchen. Wo, wo, wo... Leider können wir nicht viel ausmachen, es ist diesig. Der Anflug auf Teneriffa findet für uns heute bedauerlicherweise vom Teide abgewandt statt, wir landen gut und sicher. In der Ankunftshalle laufen wir käsehäutigen an einer Scheibe vorbei, hinter der lauter schokolierte Abreisende stehen. Wir bedauern sie, doch das fröhliche Grinsen weicht nicht aus unseren Gesichtern. Am Band nehmen wir unser Gepäck vollzählig und wohl behalten in Empfang und genießen die sonore spanische Flughafenansage. "último aviso a los pasajeros del vuelo siete uno... con destino ..." Da sind wir also. Mitreisende verbreiten noch deutsche Hektik, wir scheinen dagegen immun. So trotten wir zum Mann mit den Infos für uns, schlendern zum Zubringerbus, und hier *tataaaaa* startet der Urlaub nun wirklich für uns. Busfahrer: "(H)otel?" Mein spärliches Spanisch sprudelt aus mir raus, dass wir nach Gomera möchten, ich nenne unser Ziel und frage gleich, ob wir noch ein paar Minuten haben. Jaja, da kämen noch welche, die Antwort. Wir gönnen uns eine erste Pause im Busschatten - nicht gleich übertreiben - und schicken Nachrichten über gute Landung heim. Da werden die nach uns Fliegenden erleichtert sein. Ich verschweige nicht, dass es ein turbulenter Flug war, um keine Illusionen zu fördern. Sechs Stunden später sollte ich erleichtert die Nachricht lesen, dass auch der turbulente Flug aus NRW (ebenfalls nach TFS) gut gelandet sei. Scheinbar bringt unser Bus nicht nur glückliche Gomera-Urlauber zu ihrem Hafen, sondern auch so einige Teneriffa-Süd-Urlauber in ihre Hotels. So fahren wir zuerst ein paar merkwürdige Runden durch mäßig attraktive Hochbauten, bis wir endlich den Hafen erreichen. Mit uns stolpern Wenige aus dem Bus, wir schnappen unser Gepäck, und da wartet schon der nächste Ansprechpartner auf uns. Das ist ja prima, wir können das Gepäck in kleine Wägelchen der Fähre schließen und müssen uns erst nach Ankunft wieder um sie kümmern! Der erste Versuch schlägt fehl, doch dann finden wir freie Schließfächer, wo das Schließen auch funktioniert. Uns geht es sogar besser als den Mitreisenden, unser Euro kommt beim kaputten Schloss nämlich wieder. Auf der riesigen Hafenmauer laufen wir am Atlantischen Ozean entlang und zwinkern uns trotz Sonnenbrille die Augen feucht, an die strahlende Helligkeit müssen wir uns erst gewöhnen. Geräte wie Kamera und Mobiltelefon stellen wir nun auf die neue Uhrzeit um, sonst tragen wir keine Uhren. Nach einer kleinen Pause am Strand mit Meer-Anstarren beschließen wir, den im Internet ausgemachten CD-Laden "Discos Noda" suchen zu gehen. Schnell gefunden, stöbern wir ein wenig herum, finden etwas und fragen dann nach der erhofften CD. Leider ist die aus... Auf meine vorsichtige Nachfrage, wann sie denn wieder zu erwarten sei und ob überhaupt, verstehe ich von der Antwort, dass die CD, sobald das Paket offen ist, auch gleich wieder ausverkauft ist. Das kann ich gut nachvollziehen, und so verlassen wir resigniert den Laden. Irgendwie schrumpft gerade meine Hoffnung auf diese CD. Nun ja.
Zuletzt geändert von lycia am 06.04.2008, 20:52, insgesamt 2-mal geändert.
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lycia
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Betreff des Beitrags: Re: Unsere erste Gomera-Reise, ein Bericht in vielen Teilen Verfasst: 06.04.2008, 19:57 |
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Registriert: 09.02.2008, 14:22 Beiträge: 39 Wohnort: Dresden
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Auf nach Gomera.
Unsere Fähre wartet, also begeben wir uns hinein und staunen über die unheimlich bequemen Sitze. Da wir derart müde sind, schlafen wir kurz nach der Abfahrt schon ein. Die zweite Hälfte der Fahrt bekommen wir halbwach am Fenster stehend mit. Es herrscht ordentlicher Wellengang, beim Laufen poltert man durch die Reihen. Wir sitzen zum Glück ganz vorn, so dass es für uns keinen nennenswerten Weg gibt. Ziemlich plötzlich und erst kurz vor Ankunft hebt sich Gomera (avalon-esk) aus dem Nebel ab. Berge, grünlich, eine Siedlung, Dunst. Nach dem Anlegen und Aussteigen empfängt uns wieder eine Dame mit Instruktionen - doch wir müssen ihr widersprechen, da wir nicht den vorgesehen Bus nehmen werden, sondern unseren Mietwagen ab hier. Der Schlüssel ist schnell empfangen, mit dem Fahrzeug-Auffinden taten wir uns schon etwas schwerer. Wie wir mit allem Gepäck drin sitzen, resultiert aus meinen Versuchen, das Radio anzuschalten, kein einziger Ton. Mein Mann versucht es auch, Stille. Das ist für mich kein erfreulicher Zustand, liebe ich doch gerade die Unterhaltung unterwegs, gehört doch für mich das spanische Geplapper aus dem Radio unbedingt zum Urlaub! So beschließe ich, dass es mir nicht peinlich ist, nochmal nachzufragen, wie man dieses Teil bedient. Die freundliche kanarische Angestellte erklärt mir nach einigen Versuchen, dass sie es auch nicht in Gang bekommt, dass ihre Mechaniker gerade essen sind und wann sie zurückkommen und und und... Schließlich bietet sie uns einen alternativen Wagen an. Super, das gefällt uns, wir sind noch nie einen Urlaubs-Seat gefahren. Unser Gomera-Ibiza hält ein super Radio bereit, sogar eine Antenne (nicht abschraubbar, nur umzulegen, seeehr schlau), hat genau die richtige Größe und sogar noch 15.000 km weniger auf den Rädern. Prima, wir nehmen ihn, packen um, stellen alles ein, lassen den Vertrag überkritzeln und machen uns auf zu einer Stadtrunde. Als wir Menschen mit großen Beuteln sehen, gehen wir noch schnell in den ansässigen Supermarkt, um uns das Wichtigste für die ersten Tage zu kaufen - es ist Samstagabend, und wir sind Selbstversorger. Jetzt beginnt das interessante Neue, die erste Fahrt über die uns unbekannte Insel. Von den Nachbarinseln sieht man unterwegs gar nichts, nur die schöne Natur der eigenen Insel gewinnt Raum. Langsam schlängeln wir uns Hänge Kurve um Kurve empor, vorbei an strauchartigen Gewächsen, bis wir schließlich nach den Roques in einen dichten Urwald tauchen. Der Loorbeerwald, Laurisilva. Nationalpark Garajonay zum ersten Mal. Wie üppig dicht bewachsen, urig, grün. Gemächlich kurven wir später hinunter ins Königstal, mein Mann und der Wagen sind bereits jetzt ein Team. Abwärts schwingen wir uns, dem Meer entgegen. Unzählige Palmen begleiten unseren Weg. So viele auf einmal, haben wir das schon irgendwo sehen dürfen? Wir glauben nicht. Es ist wunderschön grün unter einer dichten Wolkendecke. Noch vor Rezeptionsschluss kommen wir weit hinten im Tal an und beziehen unser Appartement mit einem traumhaften Meerblick vom Balkon. Nach dem Auspacken und Telefonaten mit neugierigen Anrufern aus Deutschland setzen wir uns auf den Balkon und genießen einfach den Ausblick zum Atlantik. Ein paar Tapas (Häppchen) sollen uns für heute genügen, Käsesorten der mezcla curado und semicurado, etwas Schinken Jamón ibérico, Chorizo, Oliven, Brot... Und natürlich Alioli (Knoblauch-Mayonaise). Es ist so entspannend hier, dass wir einfach nur sitzen bleiben.
Zuletzt geändert von lycia am 06.04.2008, 20:54, insgesamt 1-mal geändert.
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lycia
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Betreff des Beitrags: Re: Unsere erste Gomera-Reise, ein Bericht in vielen Teilen Verfasst: 06.04.2008, 19:57 |
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Registriert: 09.02.2008, 14:22 Beiträge: 39 Wohnort: Dresden
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Erster Urlaubstag.
Nach erholsamer Nacht schieben wir den hölzernen Fensterladen auf und schauen aus dem Schlafzimmerfenster Richtung Hochebene La Merica. Herrlich, diese Farben. Die obere Kante liegt in Wolken. Neugierig schlurfen wir in die Wohnküche und öffnen schiebend das Balkonfenster zum Ozean. Da liegt er in seiner ganzen Pracht, rauschend, blau. Atlantik, wie wunderschön. Wir genießen es, am Meer zu sein und atmen tief ein. Nun inspizieren wir die Küche und sind glücklich, als wir eine Bialetti finden. Oder zumindest einen Mokkakocher - wie das spanische Modell heißt, wissen wir gar nicht. Den Kaffee dazu wollen wir noch kaufen, inzwischen kochen wir sie schon mal aus. Auf dem Balkon machen wir es uns beim Frühstück gemütlich, betrachten eine Inselkarte und besprechen mögliche Unternehmungen. Eigentlich könnte man gleich mit dem Boot zu den Órganos fahren, jenem verwitterten Basalt-Felsgebilde, was nur vom Meer aus zu betrachten ist. Dazu haben wir heute jedoch beide keine Lust, Neugier auf's Inselinnere treibt uns an. Somit beschließen wir, uns erst einmal auf vier Rädern über die Insel zu bewegen, zur Einstimmung und Orientierung. Zudem zieht sich der Himmel immer mehr zu, eine dichte Wolkendecke liegt tief über unserem Tal. Als erstes fahren wir also eine kleine Runde durch die verschiedenen Ortsteile. An einem Supermarkt halten wir kurz an, da er geöffnet ist und eine Frischetheke bietet. Wie wir die Einheimischen so miteinander quatschen hören, wird mir deutlich, dass wir wohl bei Antonio in Vueltas gelandet sein müssen. Was wir noch brauchen, holen wir uns hier, darunter ein Stangenbrot, was sich später als unheimlich lecker herausstellen wird. Nach Vokabeln im Hirn grabend, lasse ich mir von dem Antonio Genannten die Käse-Auslage erläutern und stürze mich auf Ziegenkäsesorten frisch und geräuchert, noch etwas Jamón... Alles wird sorgfältig in Alufolie gewickelt herübergereicht. Die Situation erinnert mich überraschend an meine Großtante Irene hinter der Ladentheke des Bergdorfes, in dem ich aufwuchs. Mit dem recht vollen roten Körbchen gehn wir zur Kasse, zahlen. Die Beute bringen wir nun also noch heim, bevor wir uns endgültig aus dem Tal entfernen. Heute munter verfolgen wir aufmerksam den Weg nach oben, vorbei an vielen, vielen Palmen und Gärten, kleinen Siedlungen, Kirchen, Aussichtspunkten. Es ist so schön für's Auge, dass wir lange schweigend genießen. Am Radio bemühe ich mich das Tal entlang vergeblich, einen spanischsprachigen Radiosender mit nichtenglischer Musik zu finden. Da sind wir wohl ihm Tal der Deutschen, bemerken wir amüsiert und schalten zu spanischen Nachrichten auf RNE 1. Es geht um Politik, ach ja, bald sind Wahlen. Natürlich verstehen wir nicht jedes Wort, doch das ist jetzt nicht wichtig. Wir sind im Urlaub. Hier genießen wir es, der inneren Stimme, der Natur und dem Gastland zuzuhören. Oben am Berg bekomme ich einen Sender eingefangen, der leise typische kanarisch-südamerikanische Musik dudelt. Speichern funktioniert beim Gomera-Ibiza wie bei allen andren mir bekannten Autoradios, sehr gut. Irgendwann kämpfen wir uns durch die ersten Nebelbänke und befinden uns später wieder mitten im Zauber-Loorbeerwald. Zwischen den Wolkendecken ist es diesig und keine gute Fernsicht, also setzen wir unsere Insel-Rundfahrt fort. Wir betrachten die Roques und von dort aus Täler mit dem Fernglas, lange verweilen unsere Blicke an Berghängen mit unglaublich vielen Palmen. Es ist faszinierend grün überall. Mein Mann weiß, welches Tal jeweils vor uns liegt und zeigt mir potentielle Wanderziele, denn er hat das alles schon im Internet in 3D betrachtet. Auch ich tat das, doch mein Hirn antwortet auf derartige Ortungsfragen weniger präzise als seines, da bin ich typisch Frau. Drum überlasse ich es ihm und genieße die Aussichten auf Kommendes. Dazu steuere ich organisatorische Kommentare wie "dort in der Bar soll es wohl gut schmecken" bei. Am Aussichtspunkt (Mirador) Bailadero verlassen wir endlich den Wagen und gehen ein Stück. Besonders weite Sicht haben wir nicht, doch das Tal füllt sich mit dicken Wolken, wie wir dort so stehen und die blühenden Aeonien sowie Moos und Flechten an den Bäumen bewundern. Faszinierender Anblick. Zwischendurch huscht immer mal eine Echse neben uns in Deckung. Nach den normalen grauen sehen wir erstmals die rotbraun gefärbten, glänzenden Lagartos. Zurück im Auto führt uns der weitere Weg ins verschlafene Hermigua. Dort legen wir eine Pause ein und schlendern durch den schicken Park. Irgendwie gefällt uns der kleine Ort auf Anhieb, er hat spanisches Flair, wie wir finden und strahlt auf uns Ruhe aus. Beim Weiterfahren fällt uns kurz vor einem Tunnel auf, dass wir wohl an Agulo vorbeigerauscht sein müssen. Aus der Ferne betrachtet reizt uns die Siedlung weniger als erwartet, also setzen wir den Weg fort. Bald schon sind wir in Vallehermoso und blicken genau zum Zeitpunkt des örtlichen Fußballspiel-Anstoßes von einem Mirador aus auf den Platz. Mit Tröten und Hupen machen sich die wenigen Zuschauer laut bemerkbar, wir schauen amüsiert zu. Bei einem Abstecher hinunter zur Playa, dem Ortsstrand, sehen wir von weitem das dunkle Schloss über dem Meer thronen. Durch die dicken Wolkenschichten wirkt hier gerade alles düster und dunkel. Die Meerwasserschwimmbecken sind leider abgelassen und liegen nicht besonders ansprechend neben uns. Wir machen kehrt und sind etwas verwundert über die nun beginnende schlechte Fahrbahn auf unsrem quasi letzten Inselstück. Gerade ermüdet der Fahrende, unsere Hirne müssen all die Eindrücke erst einmal verarbeiten. Währenddessen meldet sich Hunger. Vorsichtig bringe ich den Vorschlag, nach Playa de Alojera auf frischen Fisch zu fahren. Nicht das Wo zieht uns hin, es sind viele weitere Kehren, sondern eindeutig die Aussicht auf Fisch und Meeresgetier. So kurven wir dann noch bedächtig ins Alojera-Tal, bis plötzlich auf der Straße Steine bis zur Größe von Felsbrocken liegen und wir deshalb den Wagen verlassen. Sieh an, da ist auch der Asphalt plötzlich zu ende, wir lachen und steigen hinab ins Dorf. Leckerer Geruch von gebratenem Fisch lockt uns, so schauen wir auch nur kurz auf's Meer, dann schnell auf die Tafel am Eingang, treffen zwei Entscheidungen und kommunizieren sie der netten jungen Dame an der Bar. Die korrigiert die Fischsorte, da Lenguado (Seezunge) aus ist, bekomme ich Cherne (Wrack-/Zackenbarsch?), mein Mann die Chocos (mittelgroße Tintenfische). Nach kurzem Warten kommt zu meinem vorzüglichen roten Hauswein der Fisch, wunderbar frisch und unbeschreiblich lecker. Es schmeckt uns ganz köstlich, die hier groß ausfallenden Papas arrugadas (Runzelkartoffeln) werden von einem delikaten Kräuter-Alioli und den üblichen Mojos (Knoblauchsaucen) begleitet. Satt und zufrieden verlassen später wir die Bar Richtung Meer, hocken eine ganze Weile am Strand und bekommen auf dem Rückweg zum Auto noch ein Appartement angeboten. Da wir schon eins haben, ziehen wir weiter. Oben am Berg bietet sich uns während des unsichtbar hinter Wolken geschehenden Sonnenuntergangs ein schönes Schauspiel, die Wolken ziehen über die Bergkuppe und lösen sich beim Abfall ins andre Tal auf. Das kennen wir schon von La Palma, wo es häufig einen spektakulären Wolkenwasserfall zu bestaunen gibt. Hier verweilen wir etwas, um das Naturereignis zu genießen. In der Ferne erahnt man die Silhouette von La Palma. Langsam dunkelt es, glücklich und zufrieden fahren wir heim. Nach dieser langen Inselrundfahrt wächst nun der Wunsch nach Bewegung in uns. In mein Reisetagebuch schreibe ich abends "ich will endlich wandern". Überfüllt an Eindrücken lassen wir den Tag wieder auf unserem Balkon ausklingen und genießen das sanfte Rauschen des Meeres.
Zuletzt geändert von lycia am 06.04.2008, 20:55, insgesamt 1-mal geändert.
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Betreff des Beitrags: Re: Unsere erste Gomera-Reise, ein Bericht in vielen Teilen Verfasst: 06.04.2008, 19:57 |
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Zweiter Urlaubstag.
Nach dem üblichen morgendlichen Faulenzen auf dem Balkon, treibt es uns heute nun wieder über die Wolken auf Aussichtspunkte. Davon versprechen wir uns eine erleichterte Entscheidung über ein Ziel. Als am wenigsten dick erweist sich die mehrschichtige Wolkensuppe im Südosten der Insel, weshalb wir uns vornehmen, in der Encherada-Gegend zu wandern. Auf der Fahrt dahin vernehmen wir ein deutliches "Piep!" vom Auto und stellen erstaunt fest, dass angeblich der Tank leer ist. War nicht gerade eben die Tankanzeige noch bei viertel voll? Ein Blick auf die Karte lässt uns mit den Augen rollen - wir haben nun die Wahl, nach San Sebastián oder nach Hermigua zu fahren. Hier in der Inselmitte sind ziemlich genau gar keine Tankstellen eingezeichnet. Amüsiert nehmen wir zur Kenntnis, dass sich unsere Wanderung wohl noch um eine Stunde verzögern wird. Mindestens. Weit hinunter schlängeln wir uns ins Tal von Hermigua, finden schließlich die Tanke auf der andren Straßenseite, wenden und bitten erleichtert "lleno, por favor" um's Volltanken. 42 l werden mühelos geschluckt, wir schätzen auf 50-55 l Tankvolumen. Auch heute wieder mögen wir das Örtchen, zeigt es sich doch am Wochentag lebendig und wuselnd, sogar mit Bushorden von Touristen gespickt voll. Aus dem Barranco schlängeln wir uns wieder hinauf und fahren weiter Richtung Hauptstadt. Neben anderen parken wir das Auto an der Straße, schlüpfen erstmals in die Wanderstiefel und begeben uns an einem Bergrücken entlang im Zickzack auf den Weg nach oben. Zwischendurch machen wir zahlreiche Trinkpausen und genießen den Ausblick, in die hinteren Ecken des Barrancos kommt kein Lüftchen geweht. Es ist heiß, und nun brennt sogar die Sonne auf uns herab. Wir laufen neben kleinen grünen Sukkulenten, einige blühen. Hübsch. Auf dem Lomo de Uteza bewundern wir die von der anderen Bergseite hochwachsenden Kiefern, genießen den Geruch und erhaschen einen zarten Blick auf den Teide. Das Grün der Pflanzen vor unseren Augen mischt sich mit dem Rot der Erde, welche Schönheit. Wir müssen uns anstrengen, um in der Folge des Weges weiterhin Teneriffas Umrisse zu erkennen. Es ziehen Wolken heran, ein kalter Wind fegt über den Bergrücken, doch die Sonne kommt wieder heraus, und so tragen wir unsere Allwetterbekleidung im Rucksack gemächlich irgendwann wieder zum Auto zurück. Eine schöne kleine Runde haben wir zum Auftakt gemacht. Nun geht es Richtung Hauptstadt weiter, den Leuchtturm anschauen. Er steht in keiner augenschmeichelnden Gegend, auch sieht man nicht weit. Unsere Hoffnung auf frischen Fisch befriedigt die Fischtheke im uns bekannten Supermarkt anschließend nicht, dort herrscht die gleiche gähnende Leere wie am Ankunftstag. Nachdem wir die Getränkevorräte aufgefüllt haben - ein 5l-Wasser-Kanister ist hier weg wie nichts - machen wir uns auf den Heimweg. Wie auch am Vorabend schon, verschwindet die Sonne irgendwo hinter den Wolken. Heute gibt es zum Abendessen auf unserem Balkon selbstgegartes Meeresgetier aus der TK-Abteilung. Lange bleiben wir sitzen, um in Erinnerungen an die Barranco-Vegetation zu verweilen und das Meeresrauschen dabei zu genießen. Aus irgendeinem Grund umgibt uns beim Reingehen eine wahre Mückenplage. Drin beginnt die Jagd aufeinander - wir die Mücken und umgekehrt. Mich lassen die Biester merkwürdigerweise in Ruhe?! Sollte es am gebratenen Knoblauch liegen, den hauptsächlich ich vertilgt habe? Interessant. Nebenbei verfolgen wir gespannt am TV ein Duell zwischen Zapatero und Rajoy, der spanische Noch-Regierungschef kommt uns etwas überlegen vor. Später erfahren wir, dass sein Volk das ähnlich sieht. Irgendwann nervt uns dank Jagderfolg kein "sssssssss"-Geräusch mehr, und wir schlafen zufrieden ein.
Zuletzt geändert von lycia am 06.04.2008, 20:56, insgesamt 1-mal geändert.
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Dritter Urlaubstag.
Den Tag beginnen wir erneut gemütlich auf dem Balkon und befriedigen anschließend endlich unsere Neugier auf den "wilden" Strand um die Ecke. Heute rauscht der Atlantik extrem laut und bietet dem Betrachter riesig hohe und lange Wellen. Wir schlendern zur Playa del Inglés und lesen bei Ankunft ein warnendes Schild "Lebensgefahr [Datum] Mann fast tot". Als wir die Wellen sehen und die Unterströmung erahnen, stellen wir fest, dass wir sowieso nicht gewagt hätten, hier zu baden. Da muss man ja wirklich... Der Gedanke wird von "Was macht der denn da?!" verdrängt, als wir einen Mann in die riesigen Wellen steigen sehen. In solchen Momenten überkommt uns eine gewisse Hilflosigkeit, und wir bedauern, rigoros und fast schon wütend denken zu müssen: Ich würde hier nicht helfen, ich könnte gar nichts ausrichten! Zu dumm. Nicht dass wir uns schlauer fühlen, aber eine gesunde Beobachtung, meinetwegen Hören auf eine innere Stimme oder schlicht etwas weniger Imponiergehabe wäre kein Fehler, nicht? Besserwisserisch-resignierend wenden wir uns wieder den Wellen zu und beobachten einfach nur noch sie. Das entspannt uns mächtig, diesen weißen Schaum auf den schwarzen Sand rauschen zu sehen, die schwarzen Lavasteine abwaschend. Wundervoll. Ein Weilchen genießen wir den Eindruck, die Geräusche, den Geruch und machen uns dann wieder auf den Weg. (Der Badende gibt nach den Umwerf-Versuchen des Meeres entnervt auf und geht wieder an Land.) Diesmal fahren wir über kleine und größere Straßen Richtung Barranco de Guarimiar nach Imada. Dort finden wir noch eine letzte Parklücke für das Auto, spielen kurz mit dem Gedanken, in der winzigen Bar einen Wein zu trinken, verwerfen ihn jedoch und starten unsere Tour. Diesmal laufen wir an unzähligen Palmen und Agaven, Kaktusfeigen und sogar einem voll behangenen Mandarinenbaum vorbei. Es ist eine wunderschöne Route in diesem grandiosen Tal. Hier herrscht Ruhe, man hört nur den Wind, die Vögel, kann einen tollen Ausblick nach dem andren genießen. In der Ferne liegt Imada bildhaft schön, die kleinen verlassenen Häuschen von Azadoe am Wegesrand schmücken das Bild. Auch an diesem Tag fließen unterwegs einige Liter Wasser unsere Kehlen hinunter. Wenngleich es bewölkt ist, erhöht das kanarische Klima unseren Wasserbedarf enorm. Beim Rasten unterwegs ertönt plötzlich ohrenbetäubender Lärm im Tal, wir suchen den gegenüberliegenden Berghang mit den Augen ab. Und tatsächlich, dort fährt ein Auto. Winzig klein ist es, zwei Lautsprecher hat es auf dem Dach, die in dröhnender Lautstärke politische Botschaften verkünden - es ist das Wahlwerbefahrzeug der kanarischen Partei Coalición Canaria, das vernehmen wir bis hier herüber. Zu unserer Wanderung passt diese Geräuschkulisse nicht, obwohl sie uns erheblich amüsiert. Deshalb sind wir dankbar, als das lärmende Vehikel nach dem Überwinden endlos scheinender Kurven hinter dem nächsten Bergvorsprung verschwindet und so schnell nicht wieder auftaucht. (Interessant wären für uns an dieser Stelle Forschungsergebnisse, ob dadurch mehr Wähler gewonnen als verprellt werden.) Genauer gesagt, taucht zumindest der Lärmpegel gar nicht mehr auf, und so kommen wir nach einigen Stunden in der bisher für uns zauberhaftesten Inselecke zufrieden wieder an unsrem Heimbringer an. Unterwegs entschließen wir uns, Tapas essen zu gehen, doch da haben wir uns dummerweise den Ruhetag der Ziel-Bar ausgesucht und fahren weiter. Wieder geht die Sonne vor unseren Blicken verborgen hinter dicken Wolken unter. Letztlich besteht unser Abendessen dann aus Tapas auf dem Balkon, da gefällt es uns eben, und heute dank der riesigen rauschenden Wellen ganz besonders.
Zuletzt geändert von lycia am 06.04.2008, 20:57, insgesamt 1-mal geändert.
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lycia
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Betreff des Beitrags: Re: Unsere erste Gomera-Reise, ein Bericht in vielen Teilen Verfasst: 06.04.2008, 19:59 |
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Vierter Urlaubstag.
Noch immer peitscht der Atlantik große breite Wellen ans Land. Das Frühstück auf dem Balkon schmeckt gleich doppelt gut, die Luft riecht nach dem Meer. Unser kleiner Mokkamacher steuert zu unserer Freude jeden Morgen blubbernd ein leckeres schwarzbraunes Liquid bei. Da haben wir bei Antonio (Supermarkt in Vueltas) einen guten Kaffee erwischt. Vom gestrigen Wandertag und den aktuellen Eindrücken sind wir so erfüllt, dass wir recht spät aufbrechen. Heute sind wir in der Stimmung für kleinere Touren, und das Wetter? Wir können es schwer einschätzen und zielen deshalb einen der Miradores hoch oben an. Am Mirador de Alojera bedauern wir, kein bisschen La Palma ausmachen zu können, es ist zu diesig. Heute also keine Fernsichttouren. Zuerst laufen wir die süße Runde unweit durch den Loorbeerwald Los Barranquillos. Dicht und wuselig das Grün um uns, bemooste Bäume, Schatten. Wir sehen Nummern auf Stämmen, sie sind nicht erläutert. Am Eingangsschild zum Rundgang lesen wir, dass es im Besucherzentrum eine Broschüre dazu gibt. Also auf zu Juego de Bolas! Hinter Bushorden quälen wir uns die kleine Straße entlang, doch das hat Vorteile. Nämlich nicht wir müssen mehrmals rückwärts fahren und eine verbreiterte Stelle suchen, sondern der Gegenverkehr. Zu unzähligen anderen Ausflugsgästen gesellen wir uns im Besucherzentrum hinzu, bekommen die gewünschte Broschüre, setzen uns in den schattigen Innenhof und lesen. Angenehmerweise verkrümeln sich die Mitbesucher relativ schnell wieder, während wir uns gemütliche Rundgänge durch die Anlagen gönnen, Pflanzen und verschiedene Ausstellungsstücke betrachtend. Von den angebotenen, frisch gebackenen, duftenden Keksen naschen wir ein wenig. Lecker. Bei der Weiterfahrt schauen wir noch von einem Mirador Richtung Vallehermoso und ich bekomme eine potentielle Wanderung erläutert. Da es heute nur Kurztouren sein sollen, begeben wir uns wieder Richtung Süden und wollen den einzigen großen Drachenbaum der Insel besuchen. Mit halboffenen Schuhen und ihren flexiblen Sohlen, Trekkingsandalen eben, machen wir uns auf den Weg nach unten, was uns zunehmend beschwerlicher erscheint. Die noch vor uns liegende Strecke kennen wir nicht und ärgern uns über die Schuhwahl. Zudem haben wir für die hier krachende Sonne zu wenig Wasser und Sonnenschutz mit. Unten beim schönen Drago bemerken wir dank Höhenmesser, dass es immerhin 200 m Höhenunterschied waren und wir das wieder hoch müssen. Heute fühlen wir uns wirklich nicht in Form. Wir basteln uns aus meinem Schultertuch ein Schattendach und genießen im herrlichen wuselnd grünen Tal eine kanarische Banane. Die schmecken uns hier köstlich. Und das von mir, die ich daheim in Deutschland überhaupt keine Bananen mag! Nur irgendwo im Essen, am liebsten mit Curry, aber sonst... Die Kanarischen jedenfalls haben wir als Wanderproviant auserkoren, denn da funktionieren sie bei uns am besten. Spenden Energie und machen satt. Später zurück am Auto beschließen wir, künftig auch auf den so genannten "Abstechern" auf Schuhwerk und Wasservorrat zu achten. Man weiß eben nie. Heute treibt uns die Neugier auch noch in den Süden am kleinen Flugplatz vorbei zur Feriensiedlung Playa Santiago. Hafen und Örtchen machen einen gemütlichen Eindruck. Die Fahrt aus dem Tal an der Lomada de Tecina hoch gefällt uns sehr, wunderschöne Natur. Da wir heute Hoffnung auf einen Sonnenuntergang am Meer hegen, widerstehen wir der großen Versuchung, der Piste Richtung Benchijigua zu folgen und schlängeln uns weiter bergauf und heimzu bergab. Daheim angekommen, sieht es heute vielversprechend aus am Horizont. Es gibt ein Wolkenband, jedoch ist es nicht kilometerdick. Also begeben wir uns an die Playa del Inglés und suchen uns ein einsames Plätzchen. Die Wellen peitschen laut und tosend gegen die Lavasteine, brechen sich, kommen als Gischt weit nach hinten zu uns. Anblick, Geruch, Geräusche - wir sind glücklich. Die Sonne verschwindet in dem Wolkenband, toll eingefärbt, romantisch schön. Als sich Hunger meldet, schauen wir uns die Einkehrmöglichkeiten im Ort an und finden in einem Bar-Restaurant einen freien Platz. Es schmeckt uns anschließend hervorragend. Nach dem Essen werden wir "Quiere postre? Tengo..." nach dem Nachtisch gefragt und bestellen uns etwas Süßes (sorbete de limón, Zitronensorbet) und endlich - !! - zum ersten Mal cortado leche y leche, woraufhin wir oberleckeren Kaffee serviert bekommen. Das genießen wir nun wirklich, bevor wir schließlich mit Handschlag verabschiedet werden. Ein Bummel durch die Straßen tut jetzt gut, später landen wir auf der Strandmauer am Meer sitzend. Dort umweht uns ständig Marihuana-Geruch, Trommelgeräusche und Gesang von zweifelhafter Qualität. Die um uns Versammelten scheinen in Partystimmung und verschwinden aufgekratzt zu später Stunde in einer Disko. Später lesen wir im Reiseführer, dass an diesem Abend wohl Techno gespielt wird. Das ist so wenig unser Ding wie das uns gerade umgebende Publikum; da verpassen wir nach unsrem Dafürhalten nichts, als wir den restlichen Abend daheim verbringen. Natürlich sitzen wir auch heute noch etwas auf dem Balkon und lassen uns vom tosenden Meer in den Halbschlaf tragen.
Zuletzt geändert von lycia am 06.04.2008, 21:02, insgesamt 2-mal geändert.
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lycia
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Betreff des Beitrags: Re: Unsere erste Gomera-Reise, ein Bericht in vielen Teilen Verfasst: 06.04.2008, 19:59 |
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Fünfter Urlaubstag.
Mit gleich bleibender Intensität begrüßt uns der Atlantik morgens. Diesmal verweilen wir lange auf dem Balkon, entspannen so richtig und frühstücken spät. Als wir los kommen, haben wir noch kein Ziel, sondern wollen uns wieder vom Ausblick über dem Tal und vielleicht in die andren Täler leiten lassen. Also landen wir später in der Hauptstadt. Wiedermal ist es diesig, keine umliegende Insel zu erkennen, die Sonne kracht trotzdem unter dem Wolkenschleier auf uns herab. In San Sebastián sitzen wir eine Weile am Meer und schnallen dann die Wanderstiefel an. Wir gehen ein Stück am großen Inselwanderweg GR entlang Richtung Westen. Der Beginn gestaltet sich holperig und ohne festen Halt zu geben, ab einem Holzkreuz mit schönem Ausblick auf die Stadt und den Hafen bessert sich das. Hier gehen wir durch karge Landschaft, sonnenverdorrt, nur kleine Sukkulenten können in dieser Gegend gut leben. Ein absolut schattenloser Weg, wir brauchen viel von unserem Wasservorrat. Auf und ab geht es recht nahe am Meer. Links von uns sehen wir die große milchig-blaue Fläche, ab und an legt eine Fähre ab, wir sehen sie davon fahren. Da man Teneriffa bei diesen Sichtverhältnissen nur erahnen kann, sehen wir nichts von ihrem Ziel. Rechts gibt der Blick die Statue zum Heiligen Herz Jesu "Sagrado Corazón de Jesús" frei. Plötzlich und unerwartet hören wir einen markerschütternden Schrei und sind froh, nicht vor Schreck ausgerutscht zu sein. Suchend blicken wir uns um und sehen eigentlich nur Möwen. Seit wann machen Möwen solche Geräusche? Wir gluckern auf den Schreck noch etwas Wasser und laufen weiter, am Hügel ab- und wieder aufwärts. Bald sehen wir erneut die Hauptstadt, den Hafen... Leider nicht Teneriffa, was wohl riesig neben uns liegt. Pause machen wir auf einer Felsansammlung, wo neugierige Echsen uns scheinbar um Futter und Wasser beneiden. Süß, die kleinen Dinger, und sie sind nicht mal besonders scheu hier oben. Viel später auf dem Rückweg schreien uns die Möwen an der gleichen Stelle wie vorher an, nur diesmal nicht ganz so unerwartet. Nun vermuten wir, dass sie uns abzulenken versuchen, vielleicht von einem Nest. Um sie nicht weiter zu stören, traben wir zügig davon. Der Rückweg in die Stadt geht schnell, wir drehen noch ein paar Runden, und schließlich gehen wir nochmal auf "Beutefang" in den uns bekannten Markt. Überraschend finden wir die Fischtheke prallvoll vor und suchen uns etwas Leckeres aus. Das begeistert uns nun wirklich, wir machen uns auf den Heimweg. Unterwegs geht die Sonne unter, heute haben wir keine Chance auf den Anblick, stattdessen fasziniert uns an einem Mirador der leuchtende Abendhimmel bei Neumond. Leider wird der romantische Moment von jungen Deutschen unterbrochen, die unbedingt genau neben uns lautstark ihre Blasen entleeren müssen, nur weil es eben halbwegs dunkel ist. Irgendwie finden wir das merkwürdig bis unpassend - sollten wir etwa spießig geworden sein? Nun, wie dem auch sei. Wir widmen uns weiter dem Sternenhimmel und lassen uns dann vom Gomera-Ibiza die Kurven wieder hinunter ins Tal tragen. Daheim bereiten wir uns einen oberleckeren Fisch zu und schlemmen auf unsrem schönen Balkon. Sogar im Dunklen kann man das Meer sehen durch die sanftgelben Lichter der Siedlung. Heute ist die Luft von Gischt erfüllt, vermutlich herrschen 97% Luftfeuchte. (gefühlt mehr) Wiedermal sieht alles ganz anders aus als an den Vortagen, fühlt sich anders an, riecht anders. Faszinierend.
Zuletzt geändert von lycia am 06.04.2008, 21:03, insgesamt 1-mal geändert.
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lycia
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Betreff des Beitrags: Re: Unsere erste Gomera-Reise, ein Bericht in vielen Teilen Verfasst: 06.04.2008, 20:00 |
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Sechster Urlaubstag.
Der Urlaub neigt sich dem Ende entgegen - wie werden wir es bloß ohne Balkonfrühstück mit Meerblick aushalten? Auch dieser Tag beginnt entspannt, obwohl wir heute einiges vorhaben. Aus diesem Grund und weil wir noch vom Abendessen satt sind, frühstücken wir heute nicht wirklich, sondern nehmen uns Baguettes und etwas Käse und Chorizo als Belag mit für unterwegs. Über uns zeigt sich heute halbwegs sonniger Himmel, wir schlängeln uns wie üblich das Tal hoch und sehen später, dass heute zum ersten Mal ein wirklicher Passat auf der Insel herrscht. Von Nordosten ziehen Wolken heran und über Kuppen. Es sind viele. Wir zielen Vallehermoso an, stehen unterwegs an Straßenbaustellen an der "menschlichen Ampel" (Frau mit Stoppschild in der Hand), kämpfen uns durch die dicken Wolkenschichten und finden schließlich unten sogar einen guten Parkplatz vor einem Inselrats-Gebäude ganz in der Nähe unseres Einstieges zur Wanderung. Am Auftakt kommen wir heute gut in Tritt, es geht gemächlich los. Zu den verlassenen Häusern von El Tión hinauf wird es etwas steiler, auch hier kommen wir gut zurecht. Oben bietet sich ein schattiges Plätzchen zur Frühstückspause an. Die machen wir genüsslich und steigen dann langsam weiter an. Es wird noch einmal ordentlich steil, doch die Natur, die Ruhe und die augenschmeichelnden Ausblicke lohnen den Weg. Wir kommen an wuseligen Gartenterassen vorbei, gehen unter Palmen entlang, treffen ein Schaf und eine Ziege, ein Katerchen und lassen uns von einem aufmerksamen Hund erschrecken. Unser Blick ruht auf reich tragenden Papayas, Avocados und Bananen sowie auf den uns umgebenden Berghängen. Irgendwann haben wir den Aufstieg geschafft und treffen im Restaurant mit schickem Talblick ein. Hier wollen wir auf Anfrage nur etwas trinken, und ich erkläre der interessierten Kellnerin den ihr unbekannten "Tinto de verano" (südspanisches Erfrischungsgetränk) und bekomme daraufhin ein Glas roten Hauswein und eine 7Up, das passt und erfrischt. Mein Mann genießt den ersten klaren Teneriffa-Blick des Urlaubs, und zwar auf das Dorada-Logo seines Bierglases. Hinter uns sitzt ein älteres deutsches Pärchen und spricht uns auf unser Wissen zur Digitalfotografie an. Sie haben ein Problem mit ihrer Kamera, was wir schnell gemeinsam lösen können. Uns lehrt das, dass es kompakte Digitalkameras mit internem Speicher (geringer Größe) gibt... Soso. Die beiden bedanken sich und ziehen ab, der Urlaub sei gerettet, da sie nun statt nur 9, doch noch ganze 548 Fotos in den restlichen 12 Tagen machen könnten! :-) Wir amüsieren uns über den herrlichen norddeutschen Humor und freuen uns mit ihnen. Zwei, drei Urlaubstage hätten wir ihnen schon gern abgenommen... Nun ja! Vorbei am Roque Cano gehen wir in der Folge abwärts durch Bäumchen, Baumheide und Gesträuch verschiedener Art, es ist eine wahnsinnig schöne und interessante Runde mit beeindruckenden Talblicken. Irgendwann erkennen wir winzig klein sogar unser Autolein am Straßenrand, dort müssen wir also noch hin. Über Stock und Stein geht es abwärts, manchmal muss man genau vor sich schauen, um nicht zu stolpern. Herrlich, dieser Weg, er macht enormen Spaß. Bald sind wir wieder unten, nach insgesamt fünfeinhalb Stunden Tour inklusive zahlreicher Pausen. Nun sind wir aber wirklich geschafft, fahren Kurve um Kurve wieder hoch und runter, zurück ins Valle Gran Rey und sind gerade zur rechten Zeit da, um auch heute zweisam am Meer dem Sonnenuntergang hinter Wolken zuzusehen. Sehr diffuses Licht bietet der Himmel, und die Sonne ist schon weit über dem Meer nicht mehr genau auszumachen. Wir bleiben lange sitzen und schauen einem tuckernden Fischerboot auf seinem Weg hinterher. Von Möwen wird es umkreist, was ein klares Indiz für seine leckere Ladung zu sein scheint. An diesem Abend suchen wir vergeblich nach einer Alternative zum uns bereits bekannten Restaurant. Entweder die Tische sind voll, es spricht uns nicht an oder es hat leider geschlossen. So landen wir wieder bei uns um die Ecke und essen wirklich lecker. Heute ist allerdings viel los, der Kellner sehr gestresst und daher einen Funken weniger spritzig und aufmerksam als beim letzten Mal. Abschließend bestellen wir den sättigendsten Nachtisch, den wir uns vorstellen können: leche asada con miel de palma. (gebackene Milch mit Palmhonig) Die Kombination schmeckt uns vorzüglich, vor allem zum erneut georderten Käffchen. Hinterher könnten wir heim rollen - war das lecker!! Da die Läden schon geschlossen sind, beschließen wir, am nächsten Morgen noch Palmhonig zu kaufen. Den kannten wir bis hierher nämlich nicht und wollen ihn nun doch gern haben. Nach einem Spaziergang gehen wir wieder heim, packen schon ein paar Sachen ein und beenden den Abend wie üblich auf dem Balkon.
Zuletzt geändert von lycia am 06.04.2008, 21:04, insgesamt 1-mal geändert.
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lycia
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Betreff des Beitrags: Re: Unsere erste Gomera-Reise, ein Bericht in vielen Teilen Verfasst: 06.04.2008, 20:00 |
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Abfahrt.
Gesagt, getan, holen wir morgens die gewünschten Souvenirs aus dem Supermarkt, frühstücken noch den spärlichen Rest und stopfen alle unsere Sachen irgendwie in die Koffer. Das gelingt soweit ganz gut, die Dinger sind nur ungewöhnlich schwer. Na, wenn man auch keine Flüssigkeiten mehr im Handgepäck transportieren darf? Auf die guten spanischen Olivenöle, die eine oder andre Mojo-Sauce und die Palmhonig-Gläschen verzichten wir trotzdem nicht. Nur haben wir diesmal echte Bedenken, ob all das auch wirklich heil ankommt?!? Daher verpacken wir alles in Beutel, versuchen gut zu polstern und hieven es schließlich ins Auto. Die kleine Wohnung genießen wir bis zum letzten Augenblick, vor allem den Balkon. Pünktlich geben wir den Schlüssel ab, ich lege noch ein Buch auf den Stapel an der Rezeption, und wir fahren davon. Zum Abschied drehen wir einige Runden im Ort, am Hafen, halten an den diversen Aussichtspunkten an. Die Abfahrt liegt in weiter Ferne, und die individuelle Abreise genießen wir sehr. Dadurch läuft alles ruhig und nach unserem Wohlempfinden ab. Wie wir an unsrem Lieblingsaussichtspunkt im Loorbeerwald Mirador de Alojera ankommen, tun sich plötzlich gigantisch schöne Aussichten auf La Palma in der einen Richtung und El Hierro in der andren auf! Zu unserem Abreisetag bekommen wir nun also doch noch eine wahnsinnig tolle Fernsicht geschenkt. Wir nehmen dankbar an und genießen lange. Das Blau des Meeres scheint uns heute besonders intensiv. Das ist der erste und einzige Moment, wo ich unsere Schnorchelsachen nun doch vermisse, denn heute wäre das da unten, genau unter uns in dieser Bucht, wahrscheinlich ein Traum. Beim nächsten Mal! Die weiteren Miradores zeigen heute alles, was sie können, es ist wirklich zu schön. Bei den Roques in der Inselmitte bekommen wir nun endlich auch den Eindruck, über den wir oft gelesen hatten - Teneriffa liegt mit seinem schneebedeckten Teide zum Greifen nah und deutlich sichtbar neben uns. Wir verweilen hier eine lange Zeit und lassen den Blick im Hirn einbrennen. Nebenbei kommen von Nordosten wieder Passatwölkchen herangezogen und lösen sich über dem Bergrücken auf. Unbeschreiblich, wie schön das heute ist. Allmählich machen wir uns auf in die Inselhauptstadt und steuern den Hafen an. Auch dort sitzen wir lange genießend am Meer, bis wir die Fähre einfahren sehen. Den Mietwagen geben wir frisch betankt ab, während die Fähre anlegt und die Passagiere von Bord gehen. Nun noch unsre Koffer zu den Schließfächern rollen, an denen bereits unsre Abfahrtszeit ausgeschrieben steht. Diesmal finden wir sofort zwei funktionierende Schlösser an Fächern nebeneinander, und weg ist der ganze Kram. Erleichtert brechen wir zu einer letzten Stadtrunde auf, nun haben wir genügend Zeit. Wir bummeln lange durch die Straßen, den Park, um den Turm, betrachten Pflanzen, Bauwerke, kleine Läden, trinken was an einer Bar... Auf der Hafenmauer werfen wir noch einen Blick nach Teneriffa, und dann ist die Abfahrtszeit auch schon erreicht. Die bequemen Sitze nehmen uns in Empfang, wir sinken hinein.
Zuletzt geändert von lycia am 06.04.2008, 21:05, insgesamt 1-mal geändert.
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lycia
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Betreff des Beitrags: Re: Unsere erste Gomera-Reise, ein Bericht in vielen Teilen Verfasst: 06.04.2008, 20:01 |
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Heimreise.
Wie wir in Teneriffa von Bord gehen, wollen wir eigentlich noch gar nicht zum Flughafen, aber für einen erneuten CD-Laden-Besuch ist keine Zeit. So nehmen wir zum ersten Mal wieder leichte Anflüge von Hektik wahr und empfinden das als gänzlich unpassend. Als wir mit dem Bus an einer roten Ampel stehen, fragt mich mein Mann, ob wir in der letzten Woche mal an einer Ampel standen. Gibt es auf Gomera welche? Ich kann mich nicht recht erinnern und behaupte, höchstens in der Hauptstadt am Hafen, keine Ahnung. Wir lachen. Am Flughafen werden wir aus dem Bus entlassen und rollen gemächlich mit dem Gepäck hinein. Wie dankbar wir sind, dass diese schweren Monster Rollen haben! Ein Lob dem Erfinder. Der Checkin bringt uns zurück in die Realität: Um uns lauter hektisches Treiben. Leute suchen ihre Flugtickets, andre schieben sich an uns vorbei, um den viel besseren Platz zu ergattern, Paare streiten um irgendwelche Nichtigkeiten, viele trinken schnell noch ihre Vorräte leer. Letzteres tun auch wir, den Rest betrachten wir wie durch ein Milchglasfenster. Als wir Sitzplatzwünsche äußern, bedauert die Angestellte, uns nur noch Gangplätze anbieten zu können. Schade, erstmals nicht nebeneinander sitzen. Sichtmäßig ist es unwichtig, da wir im Dunklen fliegen, denn eben geht draußen die Sonne unter. So hocke ich dann mit viel Platz, weil am Gang, neben einer sympathischen älteren Sächsin, die wie viele andre im Flieger auf Teneriffa zwei Wochen Urlaub gemacht hat. Wir erzählen ein bisschen, bis ich mich ausklinke, weil mein Hirn in Frieden Eindrücke verdauen will. Diesmal ist der Flug nur wenig turbulent, ich kann die Dame neben mir sogar etwas beruhigen. Wieder einmal wundert mich, dass so viele Flugangst haben, während sie sich bereitwillig bei jedem ins Auto setzen. Auf der heimischen A4 mit den vielen polnischen Lkw fühlt es sich für mich häufig gefährlicher an als hier in der Luft. Mit meinem zeitweisen Arbeitsweg von 100 km pro Strecke sehe zumindest ich das so und bin zufrieden, diesen Flug genießen zu können. Daheim setzen wir nach mehreren durchwackelten Wolkenschichten holprig auf. Oh Wunder, es regnet gar nicht. Auch kein Schnee. :-) Unsere Koffer kommen erst sonstwann vom Band - dabei dachte ich mal, wer zuletzt kommt, hat zuerst den Koffer. So ist es nicht, und als sie endlich da sind, kann ich per Telefon den Nachtbus bestellen. Das funktioniert zu gewissen Uhrzeiten auf Anruf, so auch jetzt. Nach einer langen Reise durch die Stadt in ganz dicke Wintersachen gehüllt, kommen wir mitten in der Nacht daheim an. Endlich schauen wir nach, wie es unserer Fracht geht. Wir können es kaum glauben, aber alles, auch wirklich jedes gläserne Mitbringsel, ist noch ganz!!! Am nächsten Tag holen wir unsere felinen Mitbewohner aus der Pension und ziehen uns mit unsren Fotos und Erinnerungen zurück, die stattfindende spanische Parlamentswahl am Internet verfolgend. Uns tut es allen gut, wieder vereint daheim zu sein, und es war eine schöne Zeit.
Zuletzt geändert von lycia am 06.04.2008, 21:06, insgesamt 1-mal geändert.
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lycia
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Betreff des Beitrags: Re: Unsere erste Gomera-Reise, ein Bericht in vielen Teilen Verfasst: 06.04.2008, 20:01 |
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Registriert: 09.02.2008, 14:22 Beiträge: 39 Wohnort: Dresden
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Fazit.
Was nehmen wir also mit von Gomera? Verschiedenes. Vom einheimischen täglichen Leben bekamen wir gar nicht mal so viel mit, da wir in einem Ferienort waren. Also es ist schon ein richtiger Ort, aber eher eine gewachsene Feriensiedlung als eine Fischersiedlung. Das Publikum war ausnahmslos deutsch, auf Wanderungen auch mal holländisch. Häufig traf man Leute in kurzen Hosen (tragen hier eigentlich auch alle strikt ab 19 Grad kurze Hosen??), manchmal auch Ungepflegte, Drogalitos, Althippies, Esotheriker, insgesamt buntes Volk. Eher selten das typische (Imponier?)Promenier-Publikum. Nach unserer Vorstellung hat es der Gomerer im allgemeinen in seinem Leben nicht eben leicht - es gibt viele, viele Berge und Täler und unwegsames Gelände. Aber eben ständig wunderbar frühlingshaftes Wetter und rund herum das Meer. Die ganze Insel verbreitete eine sehr ruhige Stimmung, ganz ohne Hektik, sehr angenehm und entspannend. Zum Wandern ist sie einfach genial. Besser könnten Wanderwege kaum angelegt und gepflegt sein, die Ausschilderung ist super, es gibt Routen in allen Längen und Schwierigkeitsgraden, gutes Kartenmaterial und im Internet eine schicke räumliche Darstellung. Zum Beginn einer Wanderung zu gelangen, stelle ich mir ohne Mietwagen größtenteils schwierig vor. Das muss man dann vermutlich genauer planen oder auf Mitfahrgelegenheit hoffen. Überfüllt war die Insel nie, höchstens von Tagesausflüglern anderer Inseln, jedenfalls schien uns das so, doch abends waren diese wieder weg. Wenn man von A nach B möchte, muss man Geduld und Zeit mitbringen. Einen genauen Plan zu haben, bringt einen nur in Stress. Fast überall ist es sehr grün, dafür häufig auch diesig, wolkig oder leicht tröpfelnd, man sollte ständig Allwetter-Ausrüstung bei sich haben. An Schuhmaterial ist fest und schwer vom Wanderer vorzuziehen, dann hat man auch auf dem sandigen, steinigen Grund guten Halt. Stöcke finde ich gesünder und sehr hilfreich, aber das muss jeder selbst einschätzen. Beim Lebensmittelkauf darf man nicht zu anspruchsvoll sein - es gibt nicht überall alles, und wer auf bestimmte Ernährung angewiesen ist, muss sich genau erkundigen oder selbst einiges mitbringen. Kleine Tante-Emma-Läden sind die Regel. Mit Mitbringseln wie CDs sieht es ähnlich aus. Außer Folklore haben wir keine "normalen" Musikverkäufe gesehen, auch mit Durchfragen keine gefunden, schlichtweg nicht mal in der Hauptstadt einen einzigen spanischen Musikladen. Manches erhoffte Mitbringsel sahen wir erst am Flughafen auf Teneriffa zum horrenden Preis. Auch wer sich mit Produkten wie Palmhonig eindecken will, sollte das besser auf der Insel tun. Am Flughafen zahlt man (un)gern den dreifachen Preis. Kriminalität haben wir keine erlebt und auch keine vermutet. Alles war irgendwie ruhig und friedlich. Uns hat das alles sehr gut getan. Es war schön für's Auge und die Seelen, ein kleines Aufatmen. Doch dann genieße ich auch wieder das Gewusel und Kulturangebot unserer Heimatstadt und ebene Radwege sowie Wanderungen durch die Sächsische Schweiz, das muss ich zugeben. Die Mischung macht's eben im Leben! :-)
Zuletzt geändert von lycia am 06.04.2008, 22:01, insgesamt 4-mal geändert.
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lycia
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Betreff des Beitrags: Re: Unsere erste Gomera-Reise, ein Bericht in vielen Teilen Verfasst: 06.04.2008, 20:03 |
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Registriert: 09.02.2008, 14:22 Beiträge: 39 Wohnort: Dresden
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So, wer sich bis hierhin durchgeackert hat, bekommt von mir ein Bienchen und ein dickes Lob, und wir hoffen sehr, dass es Euch gefreut hat, mit uns zu reisen! Vielen Dank für Eure Reiseberichte und auf ein Neues, bald. Grüße schicken lycia und lycia-Mann
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