Der nebulöse, staubige, unglaubliche und sehr dunkle Weg durch die Innereien der Insel.
Es begab sich im Jahre 2005, da brach ich, Höchstselbst, am frühen Morgen, zu einer kleinen Erkundungstour über die Insel auf.
Es war gegen 05:30 Uhr Ortszeit, als ich mein Hotel verließ und mich in Richtung Hafen im Valle Grand Rey aufmachte.
Zuerst führte mich mein Weg zur Ansiedlung Argaga, in der Nähe der Schweinebucht.
Dort angekommen, wählte ich den Aufstieg in Richtung Baranco Schweine und stieg immer weiter empor, bis ich in der Nähe von Hacia de El Cercado war.
Kurz bevor ich den letzten Berg nach El Cercado erklimmen wollte, machte ich noch im Tal eine spannende Entdeckung. Ein Teil des Felsens zur linken Hand sah so aus wie eine von Menschenhand geformte Grotte.
Neugierig geworden, unterbrach ich kurz mein zielstrebiges Wandern und näherte mich dieser seltsamen Konstruktion.
Es war inzwischen schon 08:15 Uhr geworden, die Temperaturen auf der Insel nahmen langsam zu, schließlich war es Mitte Juli und ich wusste genau, wie es in ein paar weiteren Stunden aussehen würde. Warm, wärmer am Wärmsten, Gomera! Der sogenannte Vorbackofen zum Höllischen Flammenhof.
Nun, nichts desto Trotz nahm ich meinen Rucksack von den Schultern, trank einen kleinen Schluck Rotwein und biss in mein mitgebrachtes Brötchen.
Nach dieser kleinen Zwischenmahlzeit machte ich mich daran, diese seltsame Konstruktion zu erkunden.
Ich tastete die Wände ab und stellte ziemlich schnell fest, dass es sich tatsächlich um ein von Menschen in die Natur eingepasstes Werk handeln musste.
Ich glaubte fest daran, dass ich eine gewaltige Entdeckung gemacht hätte und war deshalb auch gar nicht weiter erschrocken, als sich plötzlich der Boden zu meinen Füssen auftat und ich in ein metertiefes , enges Loch blicken konnte.
Sofort dachte ich an meine Ex-Frau. Auch sie konnte früher unbemerkt in ein tiefes Loch springen und war dann für ein paar Stunden verschwunden!
Nun, wenn man solche Begebenheiten schon von zu Hause aus kennt, scheut man(n) sich auch nicht, das Neue zu erkunden.
So also traf ich den verhängnisvollen Entschluss, hinabzusteigen in die Tiefen der Insel, um eventuell einer der Ersten zu sein, die La Gomera von Innen zu sehen bekommen.
Zum Glück für mich, hatte ich mit einem guten Freund am Vortage eine ebenfalls durch dunkle Stollen führende Exkursion unternommen und abends waren wir vor lauter Erschöpfung nicht mehr dazu gekommen, die Sachen zu sortieren.
So fand sich, ganz unten in meinem Rucksack, noch seine starke MagLite Taschenlampe!
Dermaßen perfekt ausgerüstet, drang ich weiter und weiter in den Berg hinein und schon nach kurzer Zeit war nichts mehr vom Tageslicht zu sehen.
Von der Abenteuerlust vorangepeitscht und mit einem kleinen bisschen Schiss in der Magengegend drang ich tiefer und tiefer in den Berg ein.
„Hier ist schon seit Jahrhunderten niemand mehr vor dir gewesen“, redete ich mir immer wieder ein und marschierte stundenlang durch den engen Stollen weiter.
Ich kann kaum mit eigenen Worten beschreiben, was ich zu sehen bekam.
Achate, Quarzadern, Schwefeleinlagerungen, ja sogar einen güldenen Schein glaubte ich ausmachen zu können.
Leider erwies sich gerade dieser als das ach so ersehnte Sonnenlicht, welches am anderen Ende des Tunnels in denselben schien.
Was glaubt ihr wohl, an welcher Stelle ich wieder ans Tageslicht kam?
Richtig, es war gut 280 m oberhalb von Borbalan! Der kleine Ausschnitt eines Tunnels, den ihr von unten, hoch oben am Berg erkennen könnt!
Der Abstieg erwies sich als sehr schmerzhaft und ich habe auch heute nur noch nebulöse Erinnerungen daran.
Der erste Schritt in Richtung Tal des Valle Grand Rey war schon einer zu viel. Ein Ausrutscher und es ging holterdipolter den Abhang hinunter.
Nachdem ich wieder zu mir gekommen war, klopfte ich mir den Staub aus den Klamotten, schlich und humpelte quer durch Borbalan in Richtung Casa Simon und habe mir dort bei Sven und Sylvia erst einmal ein Dutzend Bierchen gezischt, bevor ich mich dann für den Rest des Tages auf mein Hotelzimmer verkrochen habe um mich von den erlittenen Strapazen auszuruhen.
Leider ist bei diesem schnellen Abstieg meine Kamera in Mitleidenschaft gezogen worden, so dass ich euch leider keine Bilder dieser Exkursion einstellen kann.
Ihr solltet diesen Weg aber unbedingt einmal nachwandern! Es lohnt sich!
PoP
