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 Betreff des Beitrags: Ö PE EN VAU oder Busfahren auf La Gomera
BeitragVerfasst: 02.02.2008, 21:52 
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Mit Ausnahme zweier Jahre, in denen wir uns einen Leihwagen mieteten (der die meiste Zeit vor dem Hotel stand), haben wir als Verkehrsmittel auf der Insel Busse, wenige Male ein Taxi und später auch die Garajonay-Fähre genutzt. Ein Leihwagen ist nämlich für eine Erlebniswelt, in denen du anderen die Schuld an diesem und jenem und allem geben möchtest, ausgesprochen blöd.

Nun gibt es Leute, die setzen sich in einen Zug oder Bus oder Flugzeug oder als Beifahrer auch in ein Auto (zu letzteren Nutzergruppe gehört auch meine Frau), lehnen sich leicht zurück und – schlafen. Sollte der geneigte Leser auch zu dieser Spezies gehören, kann er hier nachholen, was ihm denn so alles entgangen ist. Ich für meinen Teil bin immer voll wach, bis ich müde werde. Das wiederum gelingt nur bei voller Entspannung. Die wiederum ist bei Busfahrten auf La Gomera nicht immer gegeben. Daher die folgenden Erfahrungen:

Um es gleich vorweg zu sagen, Taxifahrer fahren vernünftig, wenn sie es nicht tun sollten, kann man höflich darum bitten. Mit einer leichten Andeutung, was bei Übelkeit passieren könne – mein Frau winkt dann immer mit einer K…tüte, bei Olsen geklaut, funktioniert das allemal. Sie fragen, wie es dir auf Gomera gefällt und ob du das erste Mal da bist. Sagst du "ja" oder "yes" oder glotzest ihn nur verständnislos an, ist Ruhe, höchstens, dass er mal einen vorbeihuschenden Hügel benamt. Antwortest du wahrheitsgemäß und dann auch noch auf Spanisch, wirst du mit Erläuterungen und Berichten so zugedröhnt, dass du alle Aufmerksamkeit darauf richten musst, den Taxista zu verstehen – und dann hast du für seinen (eventuellen) Fahrstil oder gar Furcht keine Zeit.

Die nächste Kategorie sind einige Fahrer der Gefährte, mit denen die Pauschalreiseunternehmen ihre Kunden von der Fähre zum Feriendomizil (oder dessen Nähe) und zurück bringen. Hier gab es solche und solche; ruhige und bedächtige, die nicht volle Kanne auf eine Kurve zufuhren und dann mächtig in die Eisen gingen, sondern die z.B. wussten, wie man eine Motorbremse bedient. Da kam man mit einigermaßen Lebendigenfarbe im Gesicht auch unten im Valle an. Es hatte aber auch schon solche, die, Fahrerfenster heruntergekurbelt, Ellenbogen auf das offene Fenster gelegt oder Arm ganz herausgehängt – Frischluft. Dazu Radiogeplärre, pausenlos ein Funkgerät, das auch bedient wurde und ein Mobiltelefon, das sich großer Anteilnahme erfreute. Autofahren – das ist doch ein Kinderspiel.

Dazu klingelten auf der Fahrt bei 20 Fahrgästen auch 20 Handys, auf denen dann jeweils die Mitteilung stand, man habe jetzt in dem und dem Netz eingebucht, es koste so und so viel und man wünsche einen schönen Urlaub. Man konnte sofort merken, wer den besten Provider hatte – vodafone – der meldete sich als erster. Dann kamen die t-Mobil-Leute, danach nur noch Randgruppen. Oftmals klingelte, wenn urplötzlich ein anderer Anbieter drin war, ein Handy auch mehrfach. Dazu die Anrufe der daheim ungeduldig Wartenden "Aber Mama, woher weiß du denn, dass ich gerade auf Gomera bin…..?"

Auch das Gegenteil haben wir erlebt: Stehen in aller Herrgottsfrühe vor dem Hotel Gran Rey und warten auf den Abholbus. 10 Minuten vergehen, 20 Minuten vergehen, nach 35 Minuten kommt er. So langsam sind wir noch nie ach oben gekommen, und spätestens ab Apartacaminos hätte ich jede Wette gehalten, dass wir die Fähre und den Flieger nicht mehr kriegen.

Direkt an der Abzweigung nach Las Hayas hält er dann an, und es erfolgt ein Fahrerwechsel; mitten in der Wildnis stand ein anderes Fahrzeug mit einem neuen Fahrer. Ein recht junger Mann, und der hatte noch Pfeffer im Hintern. Obwohl er zweimal wegen einer sich speiübel fühlenden und dann auch speienden Mitfahrerin anhalten musste, haben wir die Fähre geschafft. Ich sehe diese Frau noch immer vor mir, kreidebleich mit ihrem Tütchen in der Hand; nach Münster wollten sie und waren sicherlich froh, wenn sie dort ankamen. Wenn Du mitliest: ¡Hola!

In den ersten Jahren sind wir fast immer schon im Dunklen in San Sebastian angekommen und hatten gar keine Möglichkeit, uns der ungewohnten Umgebung wegen über lauernde Gefahren oder irgend etwas Sorgen zu machen. Ich weiß noch, dass ich einmal sehr angetan war, mit welchem halsbrecherischen Tempo der Junge am Steuer nächstens durch Arure preschte. Dann sah man irgendwo unten tief im Tal Lichter, hin und wieder näher kommend, und dann ging die Ausladerei los: Der Fahrer drehte kurz den Kopf, rief etwas in die Menge, was keiner verstand. Alle glotzten ihn an. Dann wiederholte er, etwas lauter, und es klang wie "…pina". Dann schauten sich alle Leute an, zwei fühlten sich angesprochen und standen auf, der Fahrer schwang sich heraus, wuchtete möglicherweise alle Koffer raus, suchte die richtigen und los ging es wieder. (Ich habe dann später von den Betroffenen gehört, sie hatten "Villa Alpina" gebucht und eine dreiviertel Stunde hilflos an der Straße gestanden, mitten in der Nacht. Und dann mit Gepäck den Trampelpfad hoch!)

Diese Koffersucherei hatte folgenden Grund: Schon am Flughafen wurden die Gomerareisenden an einen Bus geführt, hinter dem ein kleiner LKW mit Plane und Spiegel parkte. An diesem LKW prangte ein Schild "Gomera"und sicherheitshalber fragte jemand "Gomärra?", und bejahendenfalls gab man seine Koffer ab. Der Wagen zockelte dann mit dem Bus zur Fähre, auf die Fähre und wieder herunter. Dann begann nächstens in San Sebastian die Ausladerei und das Aufteilen auf die beiden damals noch alleinigen Ziele: Playa de Santiago und Valle Gran Rey. Die Koffer kamen dann in wahlloser Reihenfolge in die entsprechenden Busse, und bei jeder Entladung mussten Herr und Gescherr wieder zusammengefügt werden. In späteren Jahren muss dann irgend jemand aufgegangen sein, dass es vielleicht gar nicht so undumm wäre, würde man zuerst die Koffer der Gäste einladen, die als letzte ausstiegen, und so fort. Das Prinzip muss sich bewährt haben, denn es wurde beibehalten.

Na, lassen wir es dabei. Halt, da fällt mir ein, dass mir einmal, wirklich nur ein einziges Mal so grottenschlecht war, dass ich mich Leutchen, die am Platanal ausgefrachtet wurden, anschloss und zu Fuß zum Hotel Gran Rey schwankte. Ich hatte natürlich meine Frau informiert, die unter dem Hotelbaldachin auf den Koffern saß und auf mich wartete…..

Gleich geht das weiter.....


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BeitragVerfasst: 02.02.2008, 22:06 
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Schon geht es weiter:
Nun aber zu den richtigen Busfahrern, denen der öffentlichen Linienbusse. Im Gegensatz zu heute waren die Busse nicht immer pünktlich….. Alle versuchten jedoch immer, schnell von der angekommenen Fähre wegzukommen, und ich denke, dass es wohl einige Fährpassagiere geben wird, die immer noch versuchten, bei den Olsen-Gepäckanhängerchen ihr mir Peseten oder Euro abgesperrtes Schloss wieder auf – und an ihr Gepäck heran zu kommen, während der Linienbus schon die Estacion erreicht hatte…….

Die Jungs, die mit der Linie 1 ins Valle und mit der Linie 3 nach Alajero unterwegs waren, fuhren brav dicht hintereinander her, es sei denn, es gab Zwischenhalte.

Jeder Bus hat meist vorn rechts an der Windschutzscheibe ein winziges Schildchen, auf dem die Nummer der Linie steht. Das ist soweit in Ordnung, wie man Adleraugen hat und der Bus auch diese Linie bedient. Aber manchmal wird es auch vergessen wegzunehmen oder auszutauschen.

So standen wir einmal mutterseelenallein im düsteren Teil der Bushalle im neuen Busbahnhof in Vallehermoso, direkt vor unserem großen Bus mit der Nummer 2, und es kam kein Busfahrer. Schon immer mal die Straße lang geguckt. Da, da kommt ein Opa, Tasche umgehängt und das bekannte Fahrkartenbrett in der Hand schwenkend. Aber der steuerte auf einen klitzekleinen Bus zu, der gerade auf das Vorfeld fuhr. Da stiegen ein Fahrer und eine Familie aus und der Opa feierte mit denen Wiedersehen.

Die Abfahrzeit unseres Busses war schon einige Minuten rum, immer noch kein Fahrer. Der Opa kletterte nun in den kleinen Bus, die Familie hinterher, und er fuhr los, links auf die Straße, bremste plötzlich, setzte mit jaulendem Motor zurück. Scheibe runter, und ob wir vielleicht nach San Sebastian wollten. Wollten wir, und heute war ER der richtige Bus. Sein kleines Schild lautete allerdings auf Alojera. Die "Familie" hatte ihn wohl auf uns aufmerksam gemacht. Von dem Opa kommt noch mehr. Später.

Ein andermal ging es weniger gemütlich ab: Wir standen an der Haltestelle Degollada de Peraza, einmal die große La-Laja-Runde mit Las Nieves in den Beinen, 3,5 cm von der Bordsteinkante, Blickrichtung immer nach links, da musste der Bus ja auftauchen. Tauchte er auch, sogar dicht hintereinander zwei Busse, zwei große Busse. Der Alajero-Bus war immer ein kleiner oder ein mittlerer. Der erste Bus fährt an die Haltestelle heran, er hat vorn eine kleine 1 im Fenster. Den wollen wir nicht, und ich signalisiere dies dem Fahrer. Der zog wieder an und der zweite Bus fährt, Blinker links, überholend vorbei, und biegt schwupp links ab Richtung Playa de Santiago, der wollte wohl uns nicht. Da oben fahren die Taxen am laufenden Band – an dem Tag nicht. Endlich kam eines aus Richtung Agando in Richtung San Sebastian, der Fahrer erspähte uns, wendete und wir waren gerettet.

Aber zurück zu unserer Lieblingsstrecke, Vallehermoso – San Sebastian. Wir mögen Vallehermoso nicht so ganz doll, immer ist da irgend etwas geschlossen, aber die tollen Wege, die dorthin führen. Meist sind es in soweit anstrengende Touren, als wir mit dem Bus bis Apartacaminos fahren und ab dort auf der Straße nach Chorros de Epina laufen – da muss man, besonders bei Nebel, wenn man nichts hört, flink sein. Äußerste linke Straßenseite, die fahren wie die Henker!

Von da führen viele Wege nach Vallehermoso, oft über die Ermita Santa Clara. Wenn wir dann in Vallehermoso sind, sind wir meistens gar. Der Garzustand wird noch besser, wenn man den 14.00-Uhr Bus nicht mehr erwischt.

Als es den schönen neuen Busbahnhof in Vallehermoso noch nicht gab, fuhren die Busse am Kreisverkehr ab. Da war eine kleine Einbuchtung, etwas weiter das Centro de Salud. Der Fahrer fuhr aber nicht an der Stelle, an der –stundenlang – sein Fahrzeug geparkt war, los, sondern 10 Meter weiter. Also Fahrer steigt ein, richtet seine Sachen, macht die Tür zu, fährt dann die 10 Meter, macht die Tür auf und dann geht’s das los.

Schräg gegenüber ist (auch heute noch) ein gemauertes Buswartehäuschen, in das zumindest um die Mittagszeit die Sonne voll rein scheint. Die Erstgekommenen können sich an eine kleine Schattenseite drücken, die anderen nicht. Die Wartenden stehen auch nicht eher auf, als der Bus die 10 Meter zurückgelegt hatte – so erkennt man den Wissenden, und als wir es erst mal geschnallt hatten, haben wir auch Wissende gespielt. Schön zu sehen, wie die Nicht"wissenden" immer nervös werden.

Auf La Gomera wurde (wird immer noch?) viele Jahre straßengebaut. Der Norddeutsche würde sagen, dat tat auch noot. Als man erst mal die schöne neue Straße ins Valle gebaut hatte, fing man zaghaft auch an der Nordstrecke an. Zu dieser Zeit war ein Busfahrt wirklich erlebenswert, oft haben wir uns über den Abgründen gewähnt. Aber der Schwerpunkt der Busse muss immer noch auf Straßenniveau gelegen haben. Als dann gebaut wurde, konnten wir in jedem Jahr den Fortschritt bewundern, und immer wenn wir meinten, nun müsse aber alles fertig sein: denkste, war immer noch was los. Oftmals an mehreren Stellen gleichzeitig.

Das hieß dann zunächst, man lernte gomerisch Verkehrsregelung kennen. Ein Mensch in voller Montur, auch bei Hitze und mit einem roten (oder war's ein gelbes) Westchen um, stand auf Straße und hatte zwei Kellen in der Hand: eine grüne und eine rote. Und er hatte in den früheren Jahren Sichtkontakt zu einem weiteren Streckenposten mehr baustellenseitig, in den späteren Jahren ein Funkgerät. Je nach Verkehrslage und Gegenverkehr hielt er (oft war es auch eine SIE), nun die rote oder die grüne Kelle heraus, gefühlt viel öfter und länger die rote. Das Signal bedeutete: HALT, und manche hielten es alle 15 Sekunden dem wartenden Autofahrer vor die Nase. Dann passierte lange Zeit nichts, endlich kamen von vorn Fahrzeuge, wenn die vorbei waren, ging es weiter.

Ich hatte bis einem gewissen Zeitpunkt immer die Meinung, Straßenbauer und Straßennutzer, insbesondere Busfahrer, müssten doch ein gutes Verhältnis zueinander haben. Das muss nicht stets so gewesen sein, denn wir haben es auch schon erlebt, dass wir mit dem Bus, in einer langen Reihe an die Kontrollstelle heranfahrend, plötzlich gestoppt wurden. Ich hätte gedacht, wenigstens den Bus hätte man noch fahren lassen, und so ähnlich müssen auch die Busfahrer jeweils gedacht haben. Schade, es wurde auf gomerisch kommuniziert, da bekam man nicht alles mit.

Wurde man weit vor dem eigentlichen Baustellengeschehen gestoppt, war das außer sehr heiß im Bus auch stinklangweilig. Aber manchmal hielt man direkt vor der Baustelle an. Ich erinnere mich an eine Kurve irgendwo zwischen Las Rosas und Agulo, da wurde eine Straßenkehre abgeschnitten und gerade der neue Durchbruch geschaffen. Das war interessant, zumal man insgeheim Wetten eingehen konnte, ob der Bagger / die Raupe wohl den Felsen schaffte oder eher umgekehrt. Wir haben immer nur die Bagger / Raupen gewinnen sehen.

Straßen werden auf La Gomera, wie soll es auch anders sein, verbreitert, indem man manchmal auf der Bergseite was wegnimmt und manchmal auf der Talseite was zufügt, akkurat mit Felssteinen schräg hochgemauert und später hinterfüllt. Manchmal macht man an einer Stelle auch beides gleichzeitig, anfügen und wegnehmen. Eng wird’s dann da, und ich sehe immer noch Einweiser vor mir, die den Bus zentimeterweise an den jeweiligen Abgrund herandirigierten. Auf der rechten Seite gab es öfter mal Begegnungen der dritten Art des rechten Außenspiegels mit den ländlichen Gegebenheiten, auch manchen Kratzer am Bus. Einmal, weniger als die halbe Straßenbreite war passierbar, kam uns in dem großen Abschwung vor Las Rosas (von Vallehermoso kommend) genau nach Passieren der Kurve im Schotter ein beladener Radlader entgegen, volles Rohr. Wie die beiden Fahrer es geschafft haben, dass nicht alles 200 Meter tiefer in den Abgründen landete, weiß ich nicht, aber sie haben es geschafft.

Und jetzt ist die Straße ja endlich fertig – oder bei Lepe doch noch nicht?

Ich muss noch mal von dem Opa erzählen, der uns im letzten Moment doch noch mitnahm. Es war, wie gesagt, ein kleiner Bus, einer von der Art, die auf der linken Seite zwei Sitze nebeneinander haben und auf der rechten Seite immer nur einen Sitz. Die Sitzreihen sind, glaube ich, auch gegenseitig etwas versetzt.

Hinter dem Fahrer saß eine junge dicke Frau, um die dreißig, und ein noch jüngeres aber auch noch dickeres Kind, so um die 8 oder 9. Auf dem ersten Sitz rechts saß der junge Familienvater, stabil, nicht ganz so umfangreich wie Ehefrau und Kind gemeinsam. Und nu gab dat Kommunikattschoon. Das ging in einem wahren Stakkato, der Opa -Busfahrer immer mittenmang. Und weil er ein höflicher Mensch war, konnte er nicht so einfach vor sich hinreden sondern musste sich seinen Gesprächspartnern zuwenden, und die saßen ja nun mal hinter ihm.

Das war aber nicht alles. Auch auf der Straße ging ja einiges vor sich, es kamen uns welche entgegen, welche überholten uns. Und der Opa kannte die alle, hob jedes Mal die eine Hand, die für den Lenker bestimmt war, zum doppelten Gruß. Auch wendete er sich diesen "Gesprächs"teilnehmern zu. Der Familienvater kannte zusätzlich noch welche, die der Opa gar nicht gesehen hatte, machte ihn darauf aufmerksam, und dann ging das Gehupe und Gegrüße erst recht los.

In Las Rosas stiegen noch zwei ältere Bäuerinnen zu, die gehörten auch zum engsten Freundeskreis. Eine quetschte sich neben meine Frau, die auf der linken Seite saß, um so dicht wie möglich beim Fahrer zu sitzen. Meine Frau und ich haben dann Platz gemacht, damit die Idylle beisammen war. In Agulo dann auf einmal ein großes Gejohle der Fahrzeuginsassen: hatte man (der Opa) im Eifer des Gefechtes glatt übersehen, dass da noch jemand Bekanntes am Straßenrand wartete. Vollbremsung, Vollrücksetzung (das konnte er prima) und mit verstärkten Kräften weiter.

Das muss ja noch weiter gehen......


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BeitragVerfasst: 02.02.2008, 22:13 
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Und es geht auch weiter:

Irgendwo auf der Strecke ging es nicht mehr richtig zügig voran, Polizei auf der Straße, und nun musste Opa ja mitbekommen, was da los war. Es hatte wohl einen größeren Steinschlag gegeben, Männer an Seilen hingen in der Wand und waren damit beschäftigt, mit dicken Schläuchen noch loses Gestein abzuspülen. Ab da hatte Opa dann auch die zusätzliche Aufgabe, seine Mitfahrer auf jede mögliche Steinschlaggefahr aufmerksam zu machen, auch wenn die schon passiert war (im Sinne: schon hinter uns lag).

Das tollste war die Ortsdurchfahrt durch Hermigua, und Hermigua ist laaaang. Da kann man viele Leute kennen, und er kannte viele Leute, und die wollten alle gewürdigt werden.

Wie, weiß ich nicht mehr, aber wir kamen zumindest äußerlich körperlich unbeschädigt am Busbahnhof in San Sebastian an. Als vorletztes habe ich noch in Erinnerung, wie er dort in seine Box reinschnibbelte; als letztes, dass er uns noch freundlichst mitteilte, wir könnten gern weiter mitfahren bis zur "barca". "Gracias"

Wir haben klatschnass geschwitzt auf den kalten Steinbänken an dem Busbahnhof gesessen und ich war nur noch zu der kurzen Mitteilung fähig, heute und wahrscheinlich auch morgen würde ich keinen Bus mehr betreten. Das bedeutete zwar einige Stunden warten auf den Garajonay-Express, aber der bot mehr Aussicht auf Sicherheit. Der Kahn hätte noch so schaukeln können!

Schön war aber gewesen, mal einem lieben Menschen begegnet zu sein, für den Autofahren die schönste Nebensache der Welt war, er hatte ja auch Weißgott Wichtigeres zu tun.

Über so einige Spielchen der Busfahrer an den Haltestellen habe ich ja bereits berichtet. Besonders am Hotel Gran Rey war das herrlich zu beobachten. Der Parkplatz ist ja durch eine kleine "Grünzone" von der Straße getrennt, dort kann man auf den Bus warten. Man kann Gift darauf nahmen: Wartet man rechts, so in Höhe der Telefon"zelle", kommt der Bus an und hält – gleich vorn am Anfang des Streifens, also ganz links. Hast du das geschnallt und stellst dich am nächsten Tag vorn an den Streifen, fährt er an dir vorbei und hält an der Telefon"zelle".

Wir trafen vor dem Hotel mal ein älteres Paar (hinterher: Wir waren die Älteren!), die standen verkehrt, nämlich auf der anderen Straßenseite, da wo es zum Strand runtergeht. Das zeigte klärlich an: die waren schon einige Zeit nicht mehr hier. Wir lotsten sie rüber, sie waren sehr skeptisch, wo doch der Bus früher immer……

Wir hatten in dem Jahr nicht im Gran Rey gewohnt und bekamen nun, wir "kannten" uns erst wenige Minuten, eine Schilderung des Hotels und wie sie es geschafft hatten, ein Sonderzimmer zu bekommen, in allen Einzelheiten hereingedrückt. Wir standen ziemlich in der Mitte des Streifens, der Bus kam und hielt ganz vorn. Haben die beiden geschimpft, und der Fahrer, der rheinischen Mundart sicherlich nicht mächtig, hat das wohl mitbekommen. Die beiden bestellten "Aruhre" zahlten, setzten sich zu uns und deckten uns weiter ein.

Arure kam, Conchita, und der Fahrer rief aus "Arrurre" und als sich niemand rührte, noch einmal, diesmal lauter "Arrurre". Die beiden deuteten weiter nach vorn. Na ja, da ist ja noch eine Haltestelle. Der Fahrer fuhr bis dorthin und schmetterte wieder sein "Arrurre". Nein, die beiden wollten noch eins weiter. Der Fahrer brachte sie auch dorthin, aber bis dorthin und während eines langen Haltens bei geschlossener Tür mussten die beiden eine Kanonade über sich ergehen lassen, dass dies nicht Arure sei sondern Acardece, und man dürfe nicht bis Arure lösen und dann bis Acardece fahren und …. . Die beiden konnten sicherlich außer "Gracias" kein Wort Spanisch, aber den Sinne haben sie wohl mitbekommen und fahren nie wieder Bus, womöglich nie mehr nach Gomera.

Mir fällt da noch ein Busfahrer ein, der Busfahrer. Auch ein Opa. "Amigo mio" kräht er immer fröhlich, wenn wir seinen Bus besteigen. Das macht den Anschein, er kenne mich gut und schindet Eindruck; er kann sich sicherlich an meine diversen Trinkgelder erinnern.

Der Bus steht immer an der "Estacion de Guaguas" in Puerto de la Cruz in der Bucht, ich glaube 16, trägt die deutliche Nummer 348 und fährt jeden Tag um 09.15 Uhr rauf zum "Parador Nacional" am Teide und um 16.00 Uhr von dort zurück. Immer mit dem gleichen Fahrer, einem Opa. Klein, rundlich, kurzer Stoppelschnitt, immer bestens gelaunt. Kein noch so launischer Tourist, der mit dem Bonobus-Automaten nicht klarkommt, kann ihn aus der Ruhe bringen. Und der Mann fährt seinen großen Bus durch die Orte, über Umleitungen und die kleinen Winkelnester, dass es eine Freude ist. Reaktionsvermögen wie ein 20-jähriger, selbst bei einer Notbremsung erlebt, als uns in einer Kurve ein Fahrzeug quer entgegen kam.

Diese Opa kennt auch jeden auf der Strecke, und das dürften einige Tausend sein, und ergrüßt auch jeden, hat aber immer eine Hand am Lenker. Manchmal blinkt ein entgegenkommender Laster, beide halten zentimetergenau in Höhe der Fahrerhäuser an, und dann wird ausgetauscht: Immer die Zeitung, Neuigkeiten, mal eine Flasche Wasser. Manchmal bringt er jemand Geld mit, ich glaube er zahlt dass Lotteriegewinnen aus, manchmal bekommt er welches. Ein Kiosk wird versorgt, eine Gruppe Waldarbeiter am Straßenrand. Und oben, schon in den Cañadas, wird am großen Restaurant nach El Portillo gehalten. "Pauze", ruft er dann, "quinze minutos" und nach einer kleinen Kunstpause "canarios minutos". Nach 20 Minuten geht es weiter. Das ist ein Linienbus, und er fährt immer pünktlich ab und kommt pünktlich am Ziel an.

Der Mann ist gottvoll, erklärt alles (auf Spanisch, und die Leute scheinen ihn zu verstehen). Solche sollte es mehr geben.

So! Und wenn jetzt einer meint, so alt könne ein Mensch doch gar nicht werden, um das alles zu erleben: Dann fährt er eben nicht genug mit dem Bus, auf La Gomera und anderswo.

Mein nächstes Thema wird die "Erlebniswelt Gastronomie" auf La Gomera sein. Ich hab mir dann alles Wichtige vom Herzen geschrieben und kann mich reinen Wanderthemen, da hätte ich auch was zu sagen, widmen.
¡Hasta Luego!


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BeitragVerfasst: 02.02.2008, 23:51 
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Super Gomerawanderer! So einige Schilderungen hatten mich an die Zeit vor unendlichen Jahren erinnert, wo ich einmal mit dem Bus nach San Seb fahren mußte und wo mir auch so gnadenlos schlecht wurde, daß ich mir geschworen hatte, in Gomera nie wieder mit einem Bus über die Insel zu fahren. Aber ich denke, bei den breiteren Straßen heut zu Tage ist es nicht mehr ganz so schlimm. Aber wenn man so einige Wandertouren macht, da bleibt einem ja gar nichts anderes übrig, denn wie kommt man sonst wieder zu seinem Auto. Schön, daß ich so in eine etwas andere Ausflugswelt von La Gomera eintauchen kann. :finga: Denn du schreibst es so, daß ich fast im Bus drinnen sitze. :shock:

_________________
Freundschaft ist eine Seele in zwei Körpern.
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BeitragVerfasst: 03.02.2008, 00:00 
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Sehr informativ, interessant, super geschrieben. danke !!!!!!!
und wenns geht, mehr bitte :yawinkle: :-D
Nemo

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:duckie:


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BeitragVerfasst: 03.02.2008, 00:18 
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Piratenlegende
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Also gelesen habe ich das noch nicht; das schaffe ich auch Müdigkeitsmäßig heute nicht mehr; aber ich freue mich schon darauf! :-D

Ich find das total Klasse, das Du das hier alles schreibst und du schreibst es wirklich so was von spannend und schön, das man nicht mehr aufhören kann, wenn man erstmal angefangen hat. :thumbup: :yawinkle:
( Mußt ich Dir nun einfach mal sagen :yawinkle: und wenn es deine Zeit erlaubt, dann hau in die Tasten und gib uns noch VIEL MEHRdavon!!! :-D)

_________________
de corazon-desgarrador-despiadadamente
Vivan los Piratas!Bild


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BeitragVerfasst: 03.02.2008, 08:08 
Ging mir wie dem Piraten, war zu müde. Das hat sich aber wirklich gelohnt: Vor dem Frühstück solche herrlichen Geschichten. Der Tag fängt bestens an. Danke dir.


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BeitragVerfasst: 03.02.2008, 11:57 
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Unglaublich :sm_03 Ich hab' lange nicht mehr so gelacht. SUPER! :-D

Wir sind ja immer mit dem Leihwagen unterwegs und gelangen so auch in relativ abgelegene Winkel, sehen dadurch sehr viel, aber Deine Geschichten sind der beste Beweiss, das man beim Reisen in Linienbussen mehr erlebt. Da sind dann natürlich auch einige Dinge dabei auf die man gut verzichten könnte.... :yawinkle:


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BeitragVerfasst: 07.02.2008, 20:49 
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Nun, so schöne und detailreiche Reiseberichte kann ich euch noch nicht liefern, werde aber in den nächsten Tagen mein bestes tun...

SaU :cool:

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Kraftvoll wie das Meer, frei wie der Wind, so fühle ich mich Menschenkind.


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