Auf unseren Wanderungen ist meist der Weg das Ziel. Das gilt besonders für Vallermoso, der Ort selbst gibt uns nicht viel, aber er ist natürlich der Startpunkt für die Rückfahrt mit dem Bus.
Etliche Wege nach Vallemermoso führen durch den nordwestlichen Inselteil.
Die Wanderung beginnt mit einer Busfahrt mit dem zweiten Bus (um 08:00 Uhr); der erste spannende Punkt ist in Höhe von Palmarejo. Dort kommt zum ersten Mal die Sonne – wenn sie scheint. So um Arure ist dann schon abzuschätzen, wie das Wetter auf der Nordseite sein könnte: wenn da schon wieder die Wolken langjagen, wird es haarig. Wir fahren bis Apartacaminos, der Kreuzung, wo es rechts über die Höhenstraße und links bzw. geradeaus nach Alojera bzw. Vallehermoso geht.
Raus aus dem Bus, wird zunächst mal die Kleidung gerichtet. Es ist heute etwas diesig, und der Wind geht ordentlich. Kalt ist es hier oben, also wird die Regenjacke über das Fleece gezogen. Das ist eigentlich lausig, denn ich schwitze sehr leicht, und unter so einer leichten Regenjacke werde ich dann durchgegart. Eine Funktionsjacke würde nichts nützen, dazu ist der Temperaturunterschied zu gering.
Der erste Teil der Wanderung ist reine Asphaltlatscherei runter bis zur nächsten Kreuzung hinter dem Restaurant Chorros de Epina. Es geht immer bergab, haarscharf am linken Straßenrand, stets bereit, schnell in die Seitenrinne der Straße zu springen. Hier oben wird gefahren, dass es so seine Art hat. Klar, das sind alles Einheimische, die kennen jeden Meter der Straße und die rechnen auch nicht unbedingt mit entgegenkommenden Fußgängern. Wir haben in all den Jahren nur zweimal Leute getroffen, die den gleichen Weg hatten, ein auch etwas älteres Paar aus Berlin und ein Paar Engländer. Oft hört man die von unten kommenden Fahrzeuge schon und kann sich auf die Begegnung einstellen, aber bei dichten Wolken und starkem Wind wird oftmals jedes Geräusch verschluckt.
Die Straße windet sich zuletzt in großen Schleifen nach unten. Früher (und auf der KOMPASS-Karte auch heute noch) gab es in der letzten Rechtskurve eine Abzweigung, die direkt auf die Zufahrt zu den Chorros de Epina führte. Die ist so zugewachsen, dass man sie nicht mehr gehen kann – schade. Wir brauchen 35 bis 40 Minuten bis Chorros de Epina.
Wenn man noch nicht anderweitig dort gewesen ist, oder einen speziellen Besuch vor hat, empfielt sich der kleine Abstecher nach links auf der gepflasterten Zufahrt zur Kapelle, vom Kirchplatz nach rechts weg auf erdigem Pfad zu den Quellen, die in den meisten Reiseführern mächtiger aussehen, als sie sind. Man kann sich an den angeschlagenen Wirkungsweisen erfruen, kann von dort Wasser mitnehmen, dann hat man das die ersten Kilometer nicht schleppen müssen. Sauber ist es wohl, die nachgesagte Wirkung muss nicht unbedingt auf seinen Genuss zurückzuführen sein.
Das Restaurant Chorros de Epina ist zu empfehlen. Dabei empfehlen wir, es links liegen zu lassen, denn der Wirt hat bei äußerst schlechter Laune einen äußerst schlechten Kaffe zu einem äußerst hohen Preis, zumindest um 09.45 Uhr.
Es geht also die Straße weiter abseits bis zu einer Gabelung. Hier wenden wir uns nach rechts, Richtung Vallehermoso. Weitere 1,5 Kilometer geht es auf der Straße abwärts, dann liegt auf der rechten Seite die Zufahrt zur Forestal de la Meseta und am Boden das zugewachsene Schild mit dem entsprechenden Hinweis.
Die Forststraße zieht sich nun breit und in endlosen Windung für 4 Kilometer mit wenig Steigung den rechterhand liegenden Berg hinauf. Es ist sehr still, kaum Vogelstimmen. Man hat zunächst nut die Aussicht auf Grün, aus dem die Riesenstämme abgestorbener Eukalyptusbäume hervorstechen.
Nach 2,5 Kilometer, nach einer kurzen Absenkung des Weges, passieren wir in einer scharfen Linkskurve eine feuchte Stelle. Man sieht Fußspuren, die in das Gebüsch führen. Wir finden hier einen lauschigen und sehr kühlen Platz, an dem auch Wasser vom Berg herabfließt. Imposant ist riesiger Pilz an einem der Bäume.
Weiter geht es den Fahrweg etwas bergan. Nach links hin lichtet sich der Wald, der Nebel hat sich auch gehoben und unter uns liegt in der Ferne der Roque el Cano. Den langen Rücken vor uns werden wir diesmal nicht gehen.
Nach insgesamt 4 Kilometer auf der Fahrstraße macht diese einen scharfen Bogen nach rechts. Die Stelle ist verbreitert, hier scheint die volle Sonne und man kann eine Rast einlegen. Von rechts oben kommt übrigens der schmale Pfad, den man von Las Creces her heruntergehen kann. Unter uns sehen wir bereits den kleinen Stausee Presa de los Gallos. An ihm endet auch die Forststraße.
Jetzt geht es über grobblockiges Gestein auf einem total verwachsenen Pfad in das Bachbett. Dort verleitet der Verlauf zu einem geradeaus-Weiterlaufen, aber wir haben gelesen, dass es jetzt scharf nach links geht, über eine sehr rutschige Feuchtstelle wieder hoch ansteigen zu einem kleinen Pfad. Und nun beginnt ein Marsch über einen gut erkennbaren erdigen Pfad, nicht sehr breit, der allerdings sehr stark zugewachsen ist, und zwar mit Brombeeren. Hier könnte man eine Machete gebrauchen. Unter uns in dem engen Tal wirtschaften die Bauern. Irgendwann wird der Pfad lichter, wir sehen vor uns eine Straße und steigen zu ihr ab.
[Ich habe im neuen Rother-Wanderführer (6. Auflage, 2007) gelesen, dass man jetzt ab dem Stausee auf dem links abbiegenden blockigen Pfad an einer Wasserrohrleitung entlang unten im Bachbett bleiben kann. Das wird manchen Kratzer ersparen.]
Wir sind jetzt in Los Loros, und es beginnt eine Abwärtswanderung auf der Straße. Wir lieben Straßenlatscherei wirklich nicht, aber diese Straße ist ein Genuss. Wir passieren gepflegte Häuser und Gärten, gefolgt von "wilden" Passagen.
An einer leuchtend magentaroten Bergasternstaude an der Straße zücke ich mal wieder den Fotoapparat, als aus dem Garten zwei alte Leute kommen. Sie sind sichtlich erfreut, als ich frage, ob ich auch von ihnen ein Bild machen darf (ich Idiot habe nicht mal nach der Adresse gefragt, aber in diesem Jahr gehe ich dort vorbei und bringe ihnen das Bild; hoffentlich leben sie noch).
Die Straße ist von Palmengruppen umsäumt, überall wird in den Gärte gearbeitet, die Leute erwidern freundlich unsere Grüße. Langsam kommt der Roque El Cano in Sicht, rechts die Talsperre Encantadora. Hier lohnt eine Pause.
Ab da wird der Weitermarsch auf der Straße etwas langweiliger, die ausgesprochene Lieblichkeit des Tales lässt nach. Hier müssen wir mal zum Fotografieren hin, ohne den Marsch ab Apartacaminos in den Knochen (bis heute auch noch nicht erfolgt, aber in diesem Jahr)!
Zu Mittag haben wir dann vor einer Kneipe neben dem kleinen urigen Laden von Rafaelo gegessen, ich glaube, das Etablissement heißt Central. Die Bedienung empfahl uns warm einen Fisch, eine Spezialität des Hauses. So was miserables habe ich noch nie gegessen (bzw. die Hälfte stehen lassen), selbst an der Playa nicht. Es war offensichtlich eine Art Stockfisch.
Der übliche 14.00-Uhr-Bus fuhr in dem Jahr nicht, es war mal wieder ein Busfahrerstreik. Also haben wir die Zeit wie folgt genutzt: meine Frau auf dem Stuhl vor dem Restaurant, schön im Schatten unter dem Sonnenschirm, bei einem Glas Saft. Ich mit der Fototasche umgehängt und die Straße Richtung Hermigua hochgepilgert: Wir waren drei oder vier Tage zuvor von der Buenavista her zur Playa von Vallehermoso abgestiegen, und auf der Rückfahrt mit dem Bus hatte ich geglaubt, einen kurzen Augenblick den gesamten Abstiegsweg gesehen zu haben. Das wollte ich fotografieren.
Nun, es war heiß, die Straße staubig und halbseitig gesperrt, es waren gerade die (vor-)letzten Straßenabschnitte daran, erneuert zu werden. Meter um Meter die Straße hoch, bis ich den ersten Tunnel erreicht hatte. Einen guten Blick auf "unseren" Abstiegsweg hatte ich noch nicht gehabt, aber durch den Tunnel, der ja auh nur halbseitig zu befahren war, wagte ich dann doch nicht zu gehen. Auf jeden Fall habe ich jetzt eine größere Kollektion vom Roque El Cano, aufgenommen von unten aus West, Nordwest, Norde ….
Also die staubige Straße wieder zurück, den "Spielplatz" umrundet und von allen Seiten fotografiert (sanierungsbedürftig), meine Frau vor der Kneipe wieder aufgelesen und ergeben auf den 16.00-Uhr-Bus gewartet. Im Buswartehäuschen eine Dame aus Berlin mit wahnsinnig von der Sonne verbrannter roter Nase "kennengelernt". Sie wohnte in San Sebastian und erkundete mit dem Bus die Insel. Wenn Sie es zufällig lesen sollten, wir waren das. Haben uns einige Tage später im Valle noch einmal gesehen
Endlich kam der Bus, ich ergatterte einen Sitz an der "Straßen"-seite und saß da mit meinem gezückten Fotoapparat auf der Suche nach dem Abstiegsweg. Als dann die Stelle kam, in der Höhe des Abzweiges nach Tamargada, hielt der Bus sogar baustellenbedingt. Als ich abdrückte, ruckte er wieder an: ich habe herrliche Fotos in der Hauptsache von einem roten Plastik-Absperrungszaun. Sogar mir ist das zu viel, zu retuschieren. (Auf eingescannten Dias vom Drago habe ich zwei Drittel des Zaunes wegretuschiert, aber ich bin ja noch (relativ) jung.)
Die Busfahrt durch die Baustellen brachte das ein oder andere Atemanhalten, aber irgendwann waren wir in San Sebastian. Die Essensfrage wurde durch eine Einkehr beim Chinesen in der Ruiz de Padrón gelöst mit einer (durchaus essbaren) Speise, die so zubereitet war, wie Chinesen glauben, wie Kanarios (oder andere Mittel- und Südeuropäer) glauben, wie chinesische Küche ist. Wie überall in Europa, mit Ausnahme von London oder Amsterdam.
Der "geplante" Bus fuhr nicht, also blieb nichts anderes übrig als auf die Garajonay zu warten, die Spätfähre, die im Dunklen im Valle anlangte. Dann noch mal eben bis zur Playa in die Apartmentanlage mehr geschlurft als gegangen, an den normalen Fußgängern vorbei, denen um diese Zeit wandermäßig Daherkommende suspekt zu sein schienen. Hunger hatten wir
a) des Chinesen und
b) der müden Füße wegen keinen mehr. So war ein langer Tag zu Ende.
Nachtrag: Wenn tatsächlich in Apartacaminos der Bus nach Vallerhomo erreicht werden kann (was mich freuen sollte aber was ich bezweifle: in sicherlich 6 oder 7 "Abgängen" nach Epina hat uns nie ein Bus überholt), spart man eine ganze Stunde Straßenlauferei. Zurück allerdings, das geht nur auf unserem Weg mit Bus und/oder Fähre.