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BeitragVerfasst: 01.11.2007, 22:36 
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muss auch sagen, als allein reisende Frau, ist das Valle unten perfekt, hab ich bis jetzt noch nichts besseres kennengelernt! :-D
Nemo

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BeitragVerfasst: 15.11.2007, 15:37 
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Tag 6: Wanderung um El Cedro

Hurra – heute wird wieder gewandert. Zwar nur ein bisschen, aber das ist immerhin ein Anfang. Mumericks Blasen sind so weit abgeheilt, dass sie mit viel Blasenpflastern und Tape einen ersten Neuanfang ermöglichen. Die beiden Damen sind auch wanderbereit, jetzt brauchen wir nur noch ne Tour.

Für diesen Fall bietet sich doch gleich die Tour um die Ecke an, einmal rund um den El Cedro. Also ab ins Auto, wieder die Strasse hoch, vorbei an der Baustelle (wo ist nur die Frau mit der Winkekelle? Ah, da ist sie ja, ich hatte schon Angst, ihr wäre was passiert) und prompt an der Haarnadelkurve nebst Parkmöglichkeit gleich mit vorbei gefahren. Also wieder nen Platz zum Wenden gesucht und wieder zurück, wieder an der Baustelle vorbei, da vorher keine Wendemöglichkeit bestand, dann wieder drehen und zurück durch die Baustelle – die Winkedame müsste uns mittlerweile für völlig bekloppt halten. Am Einstieg erläutere ich der versammelten Mannschaft zum dritten Mal die Optionen – also entweder über den Camino hoch auf den Grat und dann wieder runter, oder durch den Wasserstollen. Einhellige Antwort: Schaun wir uns doch mal den Stollen an. Einhellige Antwort auf meine Frage bzgl. des Lichts: Öh, nö, die Lampen haben wir jetzt nicht eingepackt.

Gut, was solls, schaun wir mal, ob Mumins in der Dunkelheit sehen können oder zumindest meine Stirnlampe für alle ausreichst. Als ich dann mit meinen mehr als 190cm Körpergröße vor dem stockfinsteren Stollen stehe und die Damen sofort nen Rückzieher machen, bin ich beinahe froh – das wäre sauber auf’s Kreuz gegangen, wenn ich da 500 Meter gebückt hätte durchkriechen müssen. So gehen wir ein kurzes Stück des Weges zurück und nehmen den Anstieg in Kauf. Der wunderschöne Camino schlängelt sich durch den urwaldartigen, efeubewachsenen Wald und ist nur mäßig anstrengend. Die Aussicht und die Eindrücke, die wir da mitgenommen haben, sind das Ganze auf jeden Fall wert. Es ist schließlich noch relativ früh am Morgen und eine leichte Dunstglocke hängt in den Bäumen, was ein ganz besonderes Bild abgibt.

Oben angekommen geht der Weg schön nach rechts in Richtung La Vista, deshalb wenden wir uns gleich mal nach links und gehen anders herum. Erstens muss man ja nicht rechtsrum gehen, bloß weil das so in dem Buch steht und – viel wichtiger – zweitens ist es doch doof, die einzige Einkehrmöglichkeit bereits nach 20 Minuten zu passieren und nicht erst am Ende der Tour. Also links rum und runter auf die Pflasterstein-Straße, die mitten durch den Wald führt. Und tatsächlich fahren da Autos, sogar gar nicht mal so wenige. Das ist ja nervig. Was machen die da alle und wo wollen die hin? Der Weg schlängelt sich ne gute Stunde auf ner gut ausgebauten Pflasterstein-Straße so dahin und irgendwann wird das ganze ein wenig eintönig. Straßenwandern ist jetzt nicht so das Wandererlebnis schlechthin. Also entscheiden wir uns kurzerhand, die Route zu verlassen und folgen an der nächsten Kreuzung dem PR LG 3 und gehen auf Waldwegen in Richtung Ermita N.S. de Lourdes. Und nu wissen wir auch, wo die ganzen Leute in den Autos hin wollten. Der Parkplatz vor der Abzweigung war mit den Autos voll und alte Menschen staksten in unpassenden Schuhen mühsam in Richtung Ermita.

Der Weg ist aber schon viel mehr das, was ich mir vom heutigen Tag erwartet habe – angenehmer Bodenbelag, am Cedro-Fluss entlang und immer wieder mal kreuzend durch den Wald. Schon viel besser. Auch den anderen sagt das bedeutend mehr zu als die Straße. Nachdem wir die Ermita passiert haben (und unter den gestrengen Blicken der anwesenden „Bewacherin“ etwas getrunken hatten) öffnet sich der Wald nach ein paar Minuten hin zu einer Lichtung und ein wild überwachsener Fußpfad schlängelt sich an den ersten Häuschen entlang. Dann ist aber auch das vorbei und wir gelangen wieder auf eine (Teer-)Straße die uns dann letztendlich nach El Cedro führt. Hier kehren wir in der Bar La Vista ein und sind, auch wenn wir eigentlich ja um El Cedro rum wollten, ganz zufrieden mit der Tour, auch wenn wir eher ne Abkürzung genommen hatten. Aber lieber kurz und schön, als länger und langweilig.

Im La Vista sitzen treffenderweise nur deutschsprachige Gäste, darunter sogar Mountainbiker, was dem Mumerick angesichts des Geländes eine kleine Portion Ehrfurcht abnötigte. Letztere verflog aber sehr schnell, als wir sie dann später einholten, als sie ihre Mountainbikes den Berg raufschoben. In der Bar haben wir uns es dann etwas gemütlich gemacht, ein paar Cervezas und Papas arrugadas mit köstlichen Mojos zu uns genommen (das war das schärfste Mojo rojo, das ich in den 14 Tagen vorgesetzt bekommen habe, meine Güte, selbst beim Mojo verde hat die Klappe gebrannt). Irgendwann war dann wieder Zeit zum Aufbruch, nachdem wir uns dagegen entschieden hatten, hier richtig zu Essen (war ja noch relativ früh), sondern mit den Damen nach Agulo zu fahren, um dort durch den Ort zu schlendern und da was zu essen (großer Fehler!).

Also sind wir, nachdem wir tragischer Weise von den beiden netten, jungen Damen, die für unser Wohl gesorgt hatten, Abschied nehmen mussten (das waren garantiert Schwestern, die sahen sich aber so was von ähnlich), wieder los und zurück zum Weg. Erst noch einen kleinen Umweg um ein Gehöft rum, da der kleinen Mü die dort rumlaufenden Hunde nicht geheuer waren und dann wieder zurück auf die Pflastersteinstraße und wieder hoch den Berg. Hier haben sich dann erstmals Mumericks Blasen gemeldet, weshalb der plante, den Stollen zu nehmen und dann auf uns zu warten. Wäre sicher interessant gewesen, wenn er ihn denn gefunden hätte. Trotz der doch eigentlich ganz guten Beschreibung der Familie Wolfersperger waren wir einfach zu blöd, den Eingang auf dieser Seite des Berges zu finden und so musste er wohl oder übel mit hoch. War aber auch nicht wirklich lang und hatte ja den oben bereits erwähnten Effekt, dass wir die schiebenden Mountainbiker ein- und überholten, was zu einer sichtlichen Zufriedenheit beim Mumerick führte. Oben angekommen, ging es also wieder den Anstiegsweg runter, mittlerweile war die Sonne auch draußen und der Wald sah so beleuchtet wieder anders aus, als noch beim Aufstieg. Unten angekommen sind wir dann zum Auto zurück und wieder nach Hause – nur war leider die Baustelle weg, so ein Pech aber auch.

Daheim haben wir uns dann nach dem Duschen noch in die Sonne gesetzt, bisserl geratscht und sind dann mitm Auto nach Agulo, zum „Bummeln“. Haha, war wohl nix – der letzte Touribus war wohl schon durch und die kleinen Läden noch nicht wieder auf – oder eben nicht mehr. Also haben wir das Geisterdorf angeguckt und haben in einem Supermarkt nach dem Weg zu dem Restaurant gefragt, das in Mumericks Führer als „DAS Grillrestaurant“ bezeichnet wurde. Wir haben es dann auch gefunden, es war aber eher ein Reinfall, weshalb ich auch gleich den Namen wieder aus meinem Gedächtnis gelöscht habe (=Euphemismus für !Qué memoria! ;)) Das einzig wirklich erwähnenswerte war, dass wir auf der Fahrt nach Agulo noch schnell in Hermigua an der Bar El Faro halt machten und ich an die Grenzen meines Spanisch gestossen bin. Ich hatte in meinem Reiseführer gelesen, dass es dort auf Vorbestellung Paella gab, das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Der nette, ältere Herr verwies mich an die Köchin und Chefin des Ladens, der ich auch schnell mein Anliegen klar machen konnte. Soweit, so gut – nur als sie mich fragte, welches Gemüse wir da rein haben wollte, verstand ich genau das. Aber ich war in keinster Weise in der Lage ihr zu erklären, dass ich keine Ahnung habe, wie die ganzen Gemüsesorten heißen. Also musste ich ihr mit Händen und Füßen erklären, dass es uns völlig egal war und wir das essen würden, was sie uns vorsetzt – was weiß ich, was in eine Paella alles reingehört. Ich kannte die bloss aus der Gefriertruhe in der Tüte... Doch auch das hat irgendwie geklappt und mit einem Essenstermin für den morgigen Tag ausgerüstet konnten wir uns nach Agulo auf machen, was dann ja eher in die Hose ging.

Aber abgesehen davon war es schon ein wirklich netter Tag, der mit einem kleinen, aber feinen Spaziergang für die Strapazen des vorigen Tages entschädigte. Zumindest mich…

Tag 7: Fast ein Ruhetag

In der Früh war ich dann noch mitm Mumerick joggen, allerdings nur eine Runde, das hat mir als Nicht-Jogger gereicht und seinen Blasen hat das auch gut getan. Die Damen hingegen waren schlapp nach 2 Tagen Bewegung und votierten einhellig für einen Ruhetag, was auch vom Mumerick unterstützt wurde. Ich war nicht gänzlich abgeneigt, also blieben wir den ganzen Tag in der Sonne (ich im Schatten) und liessen alle die Seele baumeln. Alle? Nein, nicht alle. Ein kleiner Troll begann sich am frühen Nachmittag zu langweilen und zu überlegen, was er denn tun könne. Schließlich waren die letzten beiden Tage körperlich ja nicht wirklich spannend gewesen – der Autoausflug war ja eher psychisch anstrengend gewesen, denn physisch. Anscheinend muss ich die Unruhe verströmt haben, denn das Snork-Fräulein sah nur von ihrem Buch auf und sagte: Nu hau schon ab, Du machst mich ganz hibbelig, wenn Du da so rumwetzt mit Deinem Hintern.

Da die Zeit leider zu knapp war für eine größere Tour, bin ich nur runter nach Hermigua, durch die Plantagen auf die andere Seite und dann kurz vor der Stichstraße zum Meeresschwimmbecken den Berg (Camiña) hoch in Richtung Playa de La Caleta. Gesagt (besser: gedacht), getan. Noch nen Schluck Wasser, Kopfhörer in die Ohren, Musik laut aufgedreht und los. Gut 200 Höhenmeter Speedbergsteigen waren angesagt und dank der aufziehenden Wolken und der musikalischen Untermalung genau das richtige, um mich auszupowern. Als ich dann oben war und erstmal fertig mit der Welt da rum stand, war der Tag schon wieder beinahe perfekt.

Und perfekt wurde er, als wir dann am Abend ins El Faro gegangen sind und die Chefin uns die riesige gusseiserne Pfanne mit der Paella präsentiert hatte. Das war ein Genuss, der ist unbeschreiblich. Allerhöchsten Respekt, höchste Anerkennung von uns allen und wahre Begeisterung bei den Geschmacksknospen. Sehr fein, kann ich nur empfehle, den Tag dort mit diesem Essen ausklingen zu lassen…

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Zuletzt geändert von Mumintroll am 15.11.2007, 18:15, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 15.11.2007, 16:38 
Mumintroll! Schöööön!!!! *seufz*


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:prayer: grossartig!!!!!!!!! Wann kommt Tag 8 ????????
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BeitragVerfasst: 15.11.2007, 23:11 
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Das war wieder ganz fein, Herr Troll :-D

Wir haben dort die "Paradetour" gemacht. Vom Alto del Contadero nach Hermigua. Wirklich traumhaft, das wär ganz nach Deinem Geschmack gewesen!

Im La Vista kann man übrigens sehr leckere, spanische Hausmannskost essen. Auch bei uns war es für's Essen eigentlich zu früh, das hat uns aber nicht davon abgehalten. Zum Ausgleich dafür haben wir es uns Abends im "El Silbo" nochmal so richtig besorgt! Man war das lecker :-D

Bitte weitere Tagesberichte :-D :yawinkle: denn von mir werden wohl keine mehr folgen :-( bin irgendwie rausgekommen...


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BeitragVerfasst: 15.11.2007, 23:39 
Lee hat geschrieben:
denn von mir werden wohl keine mehr folgen :-( bin irgendwie rausgekommen...

Das gilt nicht! Ich schubs Dich wieder rein...ächz, schieb, stoss.....


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BeitragVerfasst: 16.11.2007, 00:19 
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Ich schieb mit........................... :ausheck
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BeitragVerfasst: 16.11.2007, 07:36 
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Lee hat geschrieben:
Wir haben dort die "Paradetour" gemacht. Vom Alto del Contadero nach Hermigua. Wirklich traumhaft, das wär ganz nach Deinem Geschmack gewesen!


Ja, die stand ganz oben auf meinem Tourplan, leider haben wir das nie hinbekommen. Wir haben es immer wieder verschoben und dann war unverschämterweise spontan der Urlaub rum. So ein Mist aber auch!`

Und auch wollten wir ursprünglich ins El Silbo, haben uns dann aber spontan für Agulo entschieden - wenns mies läuft, dann läufts einfach mies ;)

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Zuletzt geändert von Mumintroll am 16.11.2007, 11:53, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 16.11.2007, 09:45 
Danke Mumin! Ich leide mit mit dem Mumerick (blöd, wenn man will und darf nicht). Mittlerweile kennen wir ja Deine Truppe schon so gut, als hätten wir Euch höchstpersönlich in Eurem Urlaub beobachtet. Danke dafür! :knuffel

Den Stollen habe ich bisher auch noch nicht von innen gesehen... Den unteren Einstieg kenne ich, dafür weiß ich nicht, wo der obere ist....

@ Lee: Kneifen gilt nicht!!!!! :ausheck


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BeitragVerfasst: 04.01.2008, 09:37 
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Tag 8: Wanderung einmal um den Caleta-Pass

Juhu – wieder eine Wanderung. Der letzte Tag in Hermigua stand noch mal ganz im Zeichen dessen, warum wir Hermigua als ersten Standort ausgewählt hatten: Wandern! Allerdings nur wir Männer. Die kleine Mü war nicht sonderlich gut beinander und wollte lieber auf der Terrasse unserer Häuschen bleiben, wo ihr das Snork-Fräulein dann Gesellschaft zu leisten einwilligte und uns Männer zum Wandern schickte. Auch hier stellte sich vorab wieder die Frage: Wohin? Nachdem wir immer noch nicht den La Caleta Pass besucht hatten, schlugen wir den Damen vor, wir könnten doch alle gemeinsam zur Playa de La Caleta fahren, sie könnten am Strand liegen und wir würden von dort die Roundtour über El Moralito und El Palmar starten und dann wieder zurück zum Strand kommen. Dieser Plan wurde aber abgelehnt, da „es an dem Strand ja immer so bewölkt ist“ und der außerdem „nicht so toll ist“. Na gut, wenn die kleine Mü meint, warum aber dann das Snork-Fräulein auch darunter leiden will, bleibt wohl ihr (Frauen-)Geheimnis.

Wir haben dann unsere Sachen gepackt und sind mitm Auto zum Strand gefahren – die Badesachen und –ausrüstung blieb im Auto und ab gings vom Parkplatz auf der Straße wieder hoch zur Camiña-Anhöhe. Auf dem Weg nach oben sind uns 2 Damen mittleren Alters entgegen gekommen (natürlich Deutsche), die uns ganz verwundert musterten, weil wir so aufgepackt waren. Als wir auf ihre Frage erklärten, dass wir jetzt wandern wollen und deswegen solche Schuhe und solche Klamotten nebst Rucksack anhaben, meinten sie nur noch belehrend in bestem Norddeutsch: „Da müsst ihr aber viel trinken, das wird heute sicherlich heiß, nicht dass Euch was passiert!“ Ja Mami, wir sind schließlich blöde Wanderanfänger und noch nie im Leben bei warmen Wetter unterwegs gewesen und die Schläuche, die aus unserem Rucksack führen und vor der Brust hängen, sind auch nur die Luftzufuhr-Leitungen zum Aufblasen unserer Schwimmwesten, sollten wir ins Meer stürzen. Naja, etwas erheiternd war es irgendwie schon, von solchen Fischköpfen übers Wandern belehrt zu werden, auch wenn es eher für Kopfschütteln als für Lachen bei uns sorgte.

Aber dann konnten wir uns auch schon dem Aufstieg auf flimmerndem Asphalt widmen und ganz schnell diese Latscherei verfluchen. Ist ja auch nervig auf ner Straße zu laufen, die zu einem in diesem Moment rege besuchten Strand führt. Auch das war aber bald geschafft und auf der Anhöhe ging es gleich weiter nach Osten in Richtung der Casas El Moralito. Der Weg dahin war staubig und trocken, teilweise im Schatten der Berghänge, aber nicht sonderlich spektakulär. Es war einfach nur eine staubige Landstraße, die sich da nach Osten schlängelte. Aber die Aussicht auf den Teide war schön, die Wolken wenig und die Laune gehoben. Nach etwa ner halben Stunde kamen wir dann zu den Casas El Moralito und ließen sie gleich wieder hinter uns. Die Casas liegen ganz schick oberhalb eines Bachbettes und man muss im Prinzip 2x in einen Barranco hinunter und wieder hoch, um sie zu passieren. Hier zeigte sich auch wieder das Prinzip „Hier wird’s feuchter und schon grünt es“. Im jeweiligen Barranco-Tal gabs zwar zu dieser Zeit nur kleine Bachrinnsale, die aber ausreichten, um große Palmen und viel Schilf über den trockenen Sommer zu bringen. Entsprechend viele Insekten (v.a. riesige feuerrote Libellen) waren unterwegs und es gab wunderbare Fotomotive zur Auswahl.

Nachdem wir unserer Foto-Wut dann etwas Luft gemacht hatten, nahmen wir den letzten Anstieg aus dem zweiten Barranco in Angriff, der uns nach etwa 15 Minuten aus dem Feuchtbiotop wieder in die Wüste schickte. Herzlich willkommen zurück auf der staubigen Schotterpiste - Abwechslung muss sein. Hier ging es also wieder langsam aber stetig in Richtung El Palmar, das wir schon von weitem sehen konnten. Wobei, was wir da genau gesehen haben und wann wir El Palmar passierten, ist mir bis heute nicht klar. Es sind da viele Häuser zu sehen und viele Gehöfte. Aber wir haben eigentlich nur ein einziges bewohntes Gehöft gefunden, die anderen waren alle verfallen und verlassen. War das wirklich El Palmar? Gibt es das überhaupt? Oder ist das so was wie Bielefeld, wo niemand weiß, ob das nicht doch nur ein Mythos ist? Oder lag El Palmar hinter einer anderen Anhöhe und wir sind dran vorbei gestiefelt? Keine Ahnung, das werde ich wohl nie erfahren und muss es bei all den anderen Mysterien des Universums einordnen, die ich schon im Laufe der Zeit entdeckt habe und nie klären konnte. Schön war allerdings, dass die Landschaft mittlerweile wieder viel grüner geworden war und jede Menge wilde Bananen, Agarven und andere Kakteen in der Gegend rumstanden. Das war wieder sehr abwechslungsreich und landschaftlich reizvoll.

Weniger reizvoll wurde es dann aber, als wir uns der Küste im Norden näherten. Hier war die Landschaft doch schon ziemlich ausgedörrt und feuergefährdet, was schon ein etwas mulmiges Gefühl hervorruft, wenn man durch hüfthohe, knochentrockene Gräser und Büsche marschiert und eine lebhafte Phantasie besitzt. Passend dazu stand am nächsten Hügelkamm ein Tier (Pferd, Esel, Kuh? Keine Ahnung, war gegen die Sonne schwer zu erkennen, wir haben uns dann auf Kuh geeinigt), welches wohl extrem an Durst litt. Oder Schmerzen hatte. Das waren richtig gruselige Schreie, die uns da entgegen hallten und unseren Abstieg von der letzten Anhöhe hin zur Küste begleiteten. Hier wurde dann der leicht gruselige Rahmen auch noch passend gekrönt, indem wir (wohl am Ende von El Palmar!?) am einzig bewohnten Gehöft vorbei kamen. Das sah nicht sonderlich einladend aus, der vor der Tür an seinem Truck lehnende Bauer wirkte auch nicht sonderlich fröhlich (The Hills Have Eyes!). Als wir dann um die Ecke seiner Einfahrt bogen, wurden wir kurz von den dort anwesenden Hühnern nebst putzigen Küken abgelenkt, so dass wir beinahe über die tote Kuh gestolpert wären, die am Wegesrand lag. Das vermittelte spontan ein leichtes Western-Feeling, wenn so eine tote Kuh, bei der die Rippen schon frei gelegt sind, in einer verdörrten Steppe rumliegt. Dem aktuellen Gesamteindruck hatte es auf jeden Fall entsprochen, so dass wir ein wenig erleichtert waren, als wir schließlich an den Klippen an kamen und uns schon auf den „luftigen Tiefblick“ (so der Wanderführer) am Meer entlang freuten. Leider hatte Bob recht behalten, der luftige Tiefblick blieb leider aus. Der dort geschaffene „Preißn-Steig“ war kinderwagentauglich, führte aber dennoch sehr bequem um die Klippen herum und zurück zur Zufahrtstraße gen La Caleta. Das einzig erwähnenswerte war, dass sich im nachhinein herausgestellt hat, dass der Weg aufgrund von Bauarbeiten gesperrt war und wir ihn gar nicht benutzen hätten dürfen. Das konnten wir aber von El Palmar kommend nicht erkennen, das Schild stand nur unten an der Straße Richtung La Caleta, so dass wir das erst erfuhren, als wir ihn schon hinter uns gelassen hatten. Hätte uns ehrlich gesagt aber auch nicht gestört, war ja kein Mensch auf der Strecke unterwegs.

Danach haben wir uns zur Erholung noch etwas an den Strand gelegt (ja, es war wolkig, aber warm), sind bisserl zum Schwimmen gegangen und haben uns dann noch eine große Portion Papas arrugadas gegönnt, bevor wir wieder zu den Damen zurück gefahren sind. Den Rest des Tages haben wir mit Karten spielen, Wein und selbstgemachtem Essen auf der Terrasse verbracht und so unsere 8 Tage in Hermigua stilvoll ausklingen lassen. Am nächsten Tag gings schließlich nach San Seb, da war endlich Sonne und ein Pool in Sicht!

Tag 9: Wechsel der Wohnungen, ab nach San Seb

Heute stand also der Umzug nach San Seb an. Also hieß es nach einem ausgiebigen Frühstück erstmal packen und aufräumen. Während wir dabei waren, kam auch schon irgendein örtlicher Reiseveranstalter oder sonst ein Wohnungsvermittler und hat ein spanisches Pärchen durch unsere Häuschen geführt, noch während wir drin waren. Auch nicht schlecht. Als wir dann gegen 12:00 mit allem fertig waren und nur noch dumm rum saßen, galt es zu überlegen, was wir jetzt machen könnten. In den Reiseunterlagen stand, wir sollten um 18:00 die Hausverwalterin bzw. die Putzfrau unseres neuen Häuschens anrufen, damit wir den Schlüssel bekommen können. Was also tun, mit 6 Stunden und einem dann bis unter die Oberkante gefüllten Auto? Das können wir ja nicht einfach irgendwo stehen lassen, das ist ja ne Einladung zum Shopping! Ich habe mit dem Gedanken gespielt, einfach mal bei der Dame in San Sebastian anzurufen, aber noch bevor ich den Gedanken zu Ende gedacht hatte, kam von der kleinen Mü der gleiche Gedanke. Nur leider unpassend formuliert. „Wir könnten doch da jetzt schon mal anrufen.“ Oh Mann, ich kanns einfach nicht mehr hören, den ganzen Urlaub ein „Wir könnten“, „Wir sollten“ und „Wir müssten einfach“. Nur leider hieß „Wir“ in diesem Zusammenhang immer „der Reiseführer“. Himmelgesäßundnähgarn! Da sind wir wieder beim Ausgangspunkt meiner Überlegungen an Tag 1 angelangt: War es wirklich so klug, jmd. anderen mit zu nehmen? Und dann auch noch 2 getrennte Personen? Wäre nicht wenigstens ein Pärchen besser gewesen? Anscheinend war das ein Fehler von mir, den ich so schnell nicht mehr machen werde. Na sei’s drum, kurz ein gehässiges „Ja, WIR werden da mal anrufen“ zurückgeschnalzt und dann da angerufen. Die freundliche Dame am anderen Ende hatte sich ohnehin schon gewundert, warum wir so spät am Abend vereinbart hatten (hatten wir nicht, hat das Reisebüro mit der Verwalterin ausgemacht) und war bereit, uns kurzfristig in Empfang zu nehmen. Also haben wir ne Zeit ausgemacht, wann wir uns am Parador treffen und dann das Auto vollgepackt. Das Snork-Fräulein ist inzwischen noch mal die Anlage abgegangen, hat etwa 3000 Fotos geschossen und so unsere Häuschen für die Nachwelt auf Bildern verewigt.

Dann sind wir ab nach San Sebastian, da wir aber immer noch etwas früh dran waren, sind die anderen 3 noch fix ins Hipertrebol zum Einkaufen, während ich auf den voll beladenen Wagen aufgepasst habe. Dann haben wir uns zum Parador-Parkplatz begeben und auch schon Lisa gesehen, die uns wie besprochen mit ihrem Hund entgegen kam. Diese hat uns kurz den Weg zur Anlage erklärt, der auch wirklich leicht zu finden war. Am Friedhof rechts und dann in den Garagenhof links rein zum Parken. Das schaff sogar ich. Gegenüber war dann auch die Anlage und unsere Casa Maite war wirklich riesig. Von innen zwar nicht so edel, wie es von außen gewirkt hat, sondern schon ein wenig verfallener, aber nicht schlecht. Wir haben auch gleich die Zimmer bezogen und die kleine Mü ist sofort an den zur Anlage gehörenden Swimming-Pool gewandert. Endlich Sonne! Das beste war aber, dass da ein älterer Deutscher prustend seine Runden gezogen hat und sie zur Begrüßung erst einmal ermahnt hat, sie müsse sich abduschen, bevor sie ins Wasser geht. Dabei wollte sie doch gar nicht ins Wasser, sondern nur auf die Liege ans Wasser. Also hat sie den alten Mann gleich mal Blockwart getauft und den Namen ist er bei uns auch nimmer los geworden. Anscheinend ist die Anlage auch fest in deutscher Hand. Der Hausmeister ist ein Deutscher, die Putzfrauen sind alles Deutsche, die Aushänge der Eigentümergemeinschaft ist ausschließlich auf deutsch (und die Präsidentin selbiger ohnehin Deutsche). Das wäre für mich ja die Hölle, wenn mein Altersruhesitz in Spanien liegen würde und die Anlage nur von Landsleuten mitbewohnt oder zumindest vermietet würde.

Während sich dann die Damen am Pool in die Sonne gelegt haben, denn das Snork-Fräulein ist etwas später natürlich hinterher, sind wir Männer erstmal runter nach San Sebastian, die Gegend erkunden. Vom Strand am Hafen war uns seitens Lisa abgeraten worden, da schien die Fähre vom Fred am Vortag Öl oder Diesel verloren/abgelassen zu haben, zumindest sei der von einer schmierigen Schicht überzogen. Also haben wir uns mal den anderen beim Club Nautico angeguckt und sind ein bisserl durch die Stadt gewandert, immer auf der Suche nach einem Internet-Cafe. Leider haben wir keins gefunden, das geöffnet hatte, also haben wir das noch mal vertagt. Dann haben wir uns noch ein Anreise-Bierchen auf dem Plaza direkt am Hafen gegönnt und das Treiben beobachten - das war ein würdiger Abschluss für einen eigentlich ereignisarmen Tag, der aber ausreichte, um meine Sehnsucht nach einem ruhigen Tagesausklang zu verfestigen. Gesagt getan, auf dem Rückweg zur Casa noch 2 Flaschen Garjonay-Weißwein mitgenommen und schon stand einem schönen Abend nichts mehr im Wege :-D und ich konnte nochmal Kräfte sammeln für den nächsten Tag, da ging’s nämlich an den Strand…

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BeitragVerfasst: 04.01.2008, 10:12 
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Schön, daß Du für Dich doch immer wieder die richtige Action gefunden hast u. Du uns so eine lebhafte, lustige Beschreibung Deines Urlaubs geben konntest. Danke auf jeden Fall für die Mühe u. es war wie immer schön Deinen Bericht zu lesen. :finga: :bussi
Wann fährst Du das nächste mal mit dem Zug? :yawinkle:

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Freundschaft ist eine Seele in zwei Körpern.
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BeitragVerfasst: 04.01.2008, 10:29 
Mumintroll, einfach nur schööön! :bussi Danke!


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BeitragVerfasst: 04.01.2008, 12:01 
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Vielen Dank, mehr, mehr!!!!!!! :-D :-D
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BeitragVerfasst: 04.01.2008, 14:06 
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Die kleine Mü ist wirklich eine sehr höfliche Namensgebung, Herr Troll :yawinkle: Diese Person hätte ich wahrscheinlich an einem einsamen Strand ausgesetzt :ausheck ...und ohne Sonnenschirm.

Sehr schön geschrieben. :-D Danke. Bitte mehr :yawinkle:


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