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 Betreff des Beitrags: Schöne Geschichten zum Vorlesen für gross und klein....
BeitragVerfasst: 01.11.2006, 23:51 
Ich glaube, jeder hat irgendwo seine Lieblingsgeschichte-Lied-Märchen-Gedicht und manchmal ist es einfach schön, sie mit anderen zu teilen. Deshalb werde ich jetzt meine Regentropfengeschichte nochmal hier setzen und freue mich auf Eure Geschichten, ich werde mich hier auf keinen Fall sarkastisch, ironisch oder schimpfend äussern.
Viel Spass....

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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 01.11.2006, 23:53 
[center]Regentropfenreise[/center]



Plitsch, der kleine Wassertropfen, lebte in einer watteweißen Wolke. Er wohnte sehr gern darin. Oft sah er auf die bunte Welt hinunter und betrachtete etwas, das von oben wie geschlängelte blaue Linien aussah. Auf eine seltsame Art fühlte er sich davon angezogen, und manchmal seufzte er sehnsüchtig.

Im Laufe der Zeit zogen weitere Wassertropfen in die Wolke ein. Plitsch fand neue Freunde: Platsch und Sprüh. Häufig tobten die drei so wild durch die Wolke, dass es von der Erde her aussah, als würden sich ständig neue Zacken am Wolkenrand bilden. Doch als immer mehr Wassertropfen ankamen, wurde es langsam eng in der Wolke. Plitsch, Platsch und Sprüh wurden von den Neuankömmlingen an den Wolkenrand gedrückt. Aus dem watteweißen Wölkchen wurde allmählich eine dunkle Regenwolke.
Plötzlich sprangen einige Tropfen neben den drei Freunden jauchzend in die Tiefe. „Was passiert denn jetzt?“, fragte Plitsch überrascht.
Platsch kannte das schon. „Mach einfach mit!“, forderte er Plitsch auf. „Das macht Spaß!“Schon stürzte er sich ebenfalls aus der Wolke.
„Wir regnen auf die Erde hinunter“, erklärte Sprüh. „Das wird eine spannende Reise. Los, komm mit!“
Gemeinsam mit Sprüh wagte auch Plitsch den Sprung in die Tiefe. Rasend schnell ging es abwärts. Der Wind zerrte an Plitsch und formte ihn in eine perfekte Tropfenform. „Juhu!“, jubelte der kleine Wassertropfen begeistert.
Schnell kam die Erde näher.
„Hoffentlich lande ich auf einer Blume“, wünschte sich Sprüh. „Wohin möchtest du?“
„Hm“, überlegte Plitsch. „In dieses blaue Geschlängel“, entschied er sich.

Dann war es soweit. Sprüh landete als erster. Und er hatte großes Glück: Strahlend tropfte er auf eine wunderschöne Blüte. Zärtlich wusch er ihr das Gesicht, bevor er langsam den Stängel herunterrutschte. Dann versickerte er im Boden.
Plitsch hatte es nicht so gut: er plumpste auf einen großen Stein, der am Ufer eines Baches lag. „Aua!“, jammerte er. Doch als er Platsch neben sich entdeckte, vergaß er die Bruchlandung sofort. „Hallo, Platsch“, freute er sich.
Nach einer kurzen Begrüßung meckerte Platsch: „Zu ärgerlich! Ich hab’ ihn verfehlt!“ „Wen meinst du?“, erkundigte sich Plitsch ratlos.
„Na, den Bach“, erklärte Platsch. „Das blaue Geschlängel, wie du es nennst. Von oben sehen Bäche und Flüsse ja auch wie blaue Linien aus.“
„Das ist alles Wasser?“, staunte Plitsch. „Ich wusste gar nicht, dass es so viel von uns gibt.“ Fasziniert schaute er in den fröhlich dahinplätschernden Bach.
Da stieß Platsch seinen Freund an. „Da kommt jemand!“, flüsterte er. Tatsächlich, ein Käfer näherte sich ihnen. „Vielleicht möchte er mich trinken“, hoffte Platsch.
„Hast du davor keine Angst?“, fragte Plitsch.
„Aber nein!“ Platsch schüttelte so heftig den Kopf, dass ein kleiner Sprühnebel entstand. „Das ist doch unsere Aufgabe. Ohne uns könnten Menschen und Tiere nicht leben. Und auch die Pflanzen brauchen uns. Wir tränken den Boden, damit sie wachsen können.“
„Wie unser Freund Sprüh“, fiel Plitsch ein. „Aber was wird dabei aus uns?“, fragte er hastig. Der Käfer hatte sie fast erreicht.
„Wir treffen uns irgendwann wieder in einer Wolke“, wusste Platsch. „Denn Wasser verschwindet nicht. Es versickert, spült davon, wird getrunken - aber immer taucht es wieder auf. Zum Beispiel unter der Erde im Grundwasser oder im Meer. Irgendwann verdunsten wir kleinen Tropfen und gelangen so erneut in eine Wolke. Und alles beginnt von vorn.“ Er winkte Plitsch fröhlich zu, bevor der Käfer seinen Durst an ihm stillte und danach zufrieden wegkrabbelte. Plitsch blieb allein zurück. Was mache ich denn jetzt, überlegte er. Der Bach gurgelte einladend. Ich springe einfach da rein, beschloss Plitsch. Mutig verließ er seinen Platz auf dem Stein und floss in den Bach. Einem neuen Abenteuer entgegen.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 02.11.2006, 00:23 
[center]Letra del Himno de Canarias


Soy la sombra de un almendro,
soy volcán, salitre y lava.
Repartido en siete peñas
late el pulso de mi alma.
Soy la historia y el futuro,
corazón que alumbra el alba
de unas islas que amanecen
navegando la esperanza.
Luchadoras en nobleza
bregan el terrero limpio
de la libertad.
Ésta es la tierra amada:
mis Islas Canarias.
Como un solo ser
juntas soñarán
un rumor de paz
sobre el ancho mar.[/center]

[center]Anhören kann man sich das [/center][center]hier[/center]


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 Betreff des Beitrags: Plato hatte recht
BeitragVerfasst: 02.11.2006, 08:35 
[center]PLATO HATTE RECHT[/center]

Niemand weiß ob das alles so zugegangen ist, wie Plato (oder Aristophanes) sich das erklärt: das die Menschen einmal nur ein Geschlecht hatten, männlichweiblich, und jeder hatte vier Hände und Schenkel und zwei Gesichter und vier Ohren undsoweiter, und daß Zeus sie dann in zwei Hälften zerschnitten hat, so wie man Früchte zerschneidet, um sie einzumachen.
Niemand weiß, ob das der Grund ist, warum die Leute Sehnsucht nach etwas haben, das ihnen abgeht. Nach etwas, das sie nicht sind. Aber wir wissen, daß wir eine solche Sehnsucht haben, sonst wären viele Dinge nicht zu erklären. Zum Beispiel das hier:
Da ist eine Frau, an der alles schön ist, mit Ausnahme ihrer Füße und ihrer Blinddarmnarbe. Sie hat wunderbare Beine und atemberaubende Knie, aber niemand käme auf die Idee, auch nur ein sehr kurzes Gedicht über ihre Füße zu schreiben. Ihre Füße haben keine Chance, in die Literatur einzugehen, und wir werden das hier auch nicht versuchen. Sie ist so schön, daß die Leute, wenn sie mit ihr reden, sich wie vor einem seltsamen Spiegel selber schön vorkommen, aber sie hatte eine Blinddarmnarbe, die man fast als entstellend bezeichnen könnte. Bikinis sind immer ein Problem für sie. Als sie vor zwei Jahren mal bei einem Arzt war, rief der Arzt bei der Untersuchung erschrocken aus: „Wer hat denn DAS gemacht???!!!! Und DAS war natürlich die Blinddarmnarbe.
Und diese Narbe bringt uns wieder zurück zu Plato. Die Frau, von der wir hier reden, lebt seit vielen Jahren mit einem Mann zusammen, an dem es nur zwei schöne Stellen gibt – seine Füße und seine Blinddarmnarbe. Seine Blinddarmnarbe ist wie der Kondensstreifen eines schönen Flugzeugs, der sich an einem vollkommen klaren, unversehrten Himmel nur noch erahnen läßt, und über seine Füße wären schon viele Gedichte gemacht worden, wenn über Männerfüße überhaupt Gedichte gemacht werden würden. Aber das kommt ja nicht vor. Er hat also genau das, was ihr fehlt, und wenn eine Frau, über deren Füße wir uns hier nicht äußern wollen und einer Blinddarmnarbe einen Arzt bis an die Grenze der Kollegenschelte treibt, mit einem Mann zusammen ist, der alles was ihr fehlt in einem vollkommenen Maß hat, während sie alles, was ihm fehlt, im Übermaß besitzt, dann können wir Plato kaum mehr widersprechen.
Auch wenn Platos Urform, der männlichweibliche Mensch mit vier Händen und Schenkeln und mit zwei Gesichtern und vier Ohren undsoweiter vielleicht kein besonders erstrebenswertes Gebilde ist, kann man doch sagen, daß die beiden hier zusammen alles haben, was sich ein Mensch nur wünschen kann.
Vielleicht ist es wirklich so, daß wir irgendwann einmal auseinandergeschnitten worden sind, wie Obst, bevor es eingemacht wird, und dann kam diese verrückte Sehnsucht in die Welt, und dann sind wir – wenn wir Glück haben – irgendwie wieder zusammengekommen, in Schönheit zusammengekommen, viel schöner als vorher mit diesen vielen Ohren und Händen und Zehen und so vielen Fingernägeln, die man schneiden muß. Dann sind wir wie die beiden hier: zwei und eins gleichzeitig, mit zwei wunderschönen Füßen und einer Blinddarmnarbe, die sich für immer wie der Kondensstreifen eines schönen Flugzeugs an einem vollkommen klaren, unversehrten Himmel nur noch erahnen läßt. (Günter Ohnemus)


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 02.11.2006, 09:28 
hier meine allerliebste Geschichte :heart:

Die kleinen Leute von Swabedoo
(Autor unbekannt)


Vor langer, langer Zeit lebten kleine Leute auf der Erde. Die meisten von ihnen wohnten im Dorf Swabedoo, und sie nannten sich Swabedoodahs. Sie waren sehr glücklich und liefen herum mit einem Lächeln bis hinter die Ohren und grüßten jedermann.
Was die Swabedoodahs am meisten liebten, war, einander warme, weiche Pelzchen zu schenken. Ein jeder von ihnen trug über seine Schulter einen Beutel, und der Beutel war angefüllt mit weichen Pelzchen. So oft sich Swabedoodahs trafen, gab der eine dem anderen ein Pelzchen. Es ist sehr schön, ein warmes, weiches Pelzchen zu schenken. Es sagt dem anderen, daß er etwas Besonderes ist, es ist eine Art zu sagen: "Ich mag Dich!" Und ebenso schön ist es, von einem anderen ein solches Pelzchen zu bekommen. Du spürst, wie warum und flaumig es an deinem Gesicht ist, und es ist ein wundervolles Gefühl, wenn du es sanft und leicht zu den anderen in deinen Beutel legst. Du fühlst dich anerkannt und geliebt, wenn jemand dir ein Pelzchen schenkt, und du möchtest auch gleich etwas Gutes, Schönes tun. Die kleinen Leute von Swabedoo gaben und bekamen gern weiche, warme Pelzchen, und ihr gemeinsames war ganz ohne Zweifel sehr glücklich und fröhlich.
Außerhalb des Dorfes, in einer kalten, dunklen Höhle, wohnte ein großer, grüner Kobold. Eigentlich wollte er gar nicht allein dort draußen wohnen, und manchmal war er sehr einsam. Er hatte schon einige Male am Rand des Dorfes gestanden und sich gewünscht, er könnte dort mitten unter den fröhlichen Swabedoodahs sein - aber er hatte nichts, was er hätte dazutun können - und das Austauschen von warmen, weichen Pelzchen hielt er für einen großen Unsinn. Traf er einmal am Waldrand einen der kleinen Leute, dann knurrte er nur Unverständliches und lief schnell zurück in seine feuchte dunkle Höhle.
An einem Abend, als der große, grüne Kobold wieder einmal am Waldrand stand, begegnete ihm ein freundlicher kleiner Swabedoodah. "Ist heute nicht ein schöner Tag?" fragte der Kleine lächelnd. Der grüne Kobold zog nur ein grämliches Gesicht und gab keine Antwort. "Hier, nimm ein warmes, weiches Pelzchen", sagte der Kleine, "hier ist ein besonders schönes. Sicher ist es für Dich bestimmt, sonst hätte ich es schon lange verschenkt." Aber der Kobold nahm das Pelzchen nicht. Er sah sich erst nach allen Seiten um, um sich zu vergewissern, daß auch keiner ihnen zusah oder zuhörte, dann beugte er sich zu dem Kleinen hinunter und flüsterte ihm ins Ohr: "Du, hör mal, sei nur nicht so großzügig mit deinen Pelzchen, Weißt du denn nicht, daß du eines Tages kein einziges Pelzchen mehr besitzt, wenn du sie immer so einfach an jeden, der dir über den Weg läuft, verschenkst?" Erstaunt und ein wenig hilflos blickte der kleine Swabedoodah zu dem Kobold hoch. Der hatte in der Zwischenzeit den Beutel von der Schulter des Kleinen genommen und geöffnet. Es klang richtig befriedigt, als er sagte: "Hab ich es nicht gesagt! Kaum mehr als 217 Pelzchen hast du noch in deinem Beutel. Also, wenn ich du wäre: ich würde vorsichtig mit dem Verschenken sein!" Damit tappte der Kobold auf seinen großen, grünen Füßen davon und ließ einen verwirrten und unglücklichen Swabedoodah am Waldrand zurück. Er war so verwirrt, so unglücklich, daß er gar nicht darüber nachdachte, daß das, was der Kobold da erzählte, überhaupt nicht sein konnte. Denn jeder Swabedoodah besaß einen unerschöpflichen Vorrat an Pelzchen. Schenkte er ein Pelzchen, so bekam er sofort von einem anderen ein Pelzchen, und dies geschah immer und immer wieder, ein ganzes Leben lang - wie sollten dabei die Pelzchen ausgehen?
Auch der Kobold wußte das - doch er verließ sich auf die Gutgläubigkeit der kleinen Leute. Und noch auf etwas anderes verließ er sich, etwas, was er an sich selbst entdeckt hatte, und von dem er wissen wollte, ob es auch in den kleinen Swabedoodahs steckte. So belog er den kleinen Swabedoodah ganz bewußt, setzte sich in den Eingang seiner Höhle und wartete.
Vor seinem Haus in Swabedoo saß der kleine, verwirrte Swabedoodah und grübelte vor sich hin. Nicht lange, so kam ein guter Bekannter vorbei, mit dem er schon viele warme, weiche Pelzchen ausgetauscht hatte. "Wie schön ist dieser Tag!" rief der Freund, griff in seinen Beutel und gab dem anderen ein Pelzchen. Doch dieser nahm es nicht freudig entgegen, sondern wehrte mit den Händen ab. "Nein, nein! Behalte es lieber", rief der Kleine, "wer weiß, wie schnell sonst dein Vorrat abnimmt. Eines Tags stehst du ohne Pelzchen da!" Der Freund verstand ihn nicht, zuckte mit den Schultern, packte das Pelzchen zurück in seinen Beutel und ging mit leisem Gruß davon. Aber er nahm verwirrte Gedanken mit, und am gleichen Abend konnte man noch dreimal im Dorf hören, wie ein Swabedoodah zum anderen sagte: "Es tut mir leid, aber ich habe kein warmes, weiches Pelzchen für Dich. Ich muß darauf achten, daß sie mir nicht ausgehen."

Am kommenden Tag hatte sich dies alles im ganzen Dorf ausgebreitet. Jedermann begann, seine Pelzchen aufzuheben. Man verschenkte zwar immer noch ab und zu eines, aber man tat es erst nach langer, gründlicher Überlegung und sehr, sehr vorsichtig. Und dann waren es zumeist nicht die ganz besonders schönen Pelzchen, sondern die mit kleinen Stellen und schon etwas abgenutzten.
Die kleinen Swabedoodahs wurden mißtrauisch. Man begann, sich argwöhnisch zu beobachten, man dachte darüber nach, ob der andere wirklich ein Pelzchen wert war. Manche trieben es soweit, daß sie ihre Pelzbeutel nachts unter den Betten versteckten. Streitigkeiten brachen darüber aus, wieviele Pelzchen der oder der besaß. Und schließlich begannen die Leute, warme, weiche Pelzchen gegen Sachen einzutauschen, anstatt sie einfach zu verschenken. Der Bürgermeister von Swabedoo machte sogar eine Erhebung, wieviele Pelzchen insgesamt vorhanden waren, ließ dann mitteilen, daß die Anzahl begrenzt sei und rief die Pelzchen als Tauschmittel aus. Bald stritten sich die kleinen Leute darüber, wieviele Pelzchen eine Übernachtung oder eine Mahlzeit im Hause eines anderen wert sein müßte. Wirklich, es gab sogar einige Fälle von Pelzchenraub! An dämmerigen Abenden fühlte man sich draußen nicht mehr sicher, an Abenden, an denen früher die Swabedoodahs gern im Park oder auf den Straßen spazieren gegangen waren, um einander zu grüßen, um sich warme, weiche Pelzchen zu schenken.
Oben am Waldrand saß der große, grüne Kobold, beobachtete alles und rieb sich die Hände.
Das Schlimmste von allem geschah ein wenig später. An der Gesundheit der kleinen Leute begann sich etwas zu verändern. Viele beklagten sich über Schmerzen in den Schultern und im Rücken, und mit der Zeit befiel immer mehr Swabedoodahs eine Krankheit, die Rückgraterweichung genannt wird. Die kleinen Leute liefen gebückt und in schweren Fällen bis zum Boden geneigt umher. Die Pelzbeutelchen schleiften auf der Erde. Viele fingen an zu glauben, daß die Ursache ihrer Krankheit das Gewicht der Beutel sei, und daß es besser wäre, sie im Hause zu lassen und dort einzuschließen. Es dauerte nicht lange, und man konnte kaum noch einen Swabedoodah mit einem Pelzbeutel auf dem Rücken antreffen.
Der große, grüne Kobold war mit dem Ergebnis seiner Lüge sehr zufrieden. Er hatte herausfinden wollen, ob die kleinen Leute auch so handeln und fühlen würden wie er selbst, wenn er, wie das fast immer der Fall war, selbstsüchtige Gedanken hatte. Sie hatten so gehandelt! Und der Kobold fühlte sich sehr erfolgreich.
Er kam jetzt häufiger einmal in das Dorf der kleinen Leute. Aber niemand grüßte ihn mit einem Lächeln, niemand bot ihm ein Pelzchen an. Statt dessen wurde er mißtrauisch angestarrt, genauso, wie sich die kleinen Leute untereinander anstarrten. Dem Kobold gefiel das gut. Für ihn bedeutete dieses Verhalten die "wirkliche Welt"!
In Swabedoo ereigneten sich mit der Zeit immer schlimmere Dinge. Vielleicht wegen der Rückgraterweichung, vielleicht aber auch deshalb, weil ihnen niemand mehr ein warmes, weiches Pelzchen gab - wer weiß es genau? - starben einige Leute in Swabedoo. Nun war alles Glück aus dem Dorf verschwunden. Die Trauer war sehr groß.
Als der große, grüne Kobold davon hörte, war er richtig erschrocken. "Das wollte ich nicht", sagte er zu sich selbst, "das wollte ich bestimmt nicht. Ich wollte ihnen doch nur zeigen, wie die Welt wirklich ist. Aber ich habe ihnen doch nicht den Tod gewünscht." Er überlegte, was man nun machen könnte, und es viel ihm auch etwas ein.
Tief in seiner Höhle hatte der Kobold einen Mine mit kaltem, stacheligen Gestein entdeckt. Er hatte viele Jahre damit verbracht, die stacheligen Steine aus dem Berg zu graben und sie in eine Grube einzulagern. Er liebte dieses Gestein, weil es so schön kalt war und so angenehm prickelte, wenn er es anfaßte. Aber nicht nur das: er liebte diese Steine auch deshalb, weil sie alle ihm gehörten und immer, wenn er davor saß und sie ansah, war das Bewußtsein, einen großen Reichtum zu besitzen, für den Kobold ein schönes, befriedigendes Gefühl.
Doch jetzt, als er das Elend der kleinen Swabedoodahs sah, beschloß er, seinen Steinreichtum mit ihnen zu teilen. Er füllte ungezählte Säckchen auf einen großen Handkarren und zog damit nach Swabedoo.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 02.11.2006, 09:37 
...und hier gleich noch eine schöne Geschichte, die ich sehr mag.

Der kleine Tag
von Wolfram Eicke

Es war einmal ein kleiner Tag. Er lebte mit seinen Eltern und Geschwistern dort, wo alle Tage leben, bevor sie auf die Erde kommen, und wo sie auch nachher bleiben, wenn die Nächte sie wieder von der Erde verscheucht haben. Kein Mensch weiß, wo dieser Ort ist, denn wer könnte schon sagen, wo die Tage bleiben, wenn sie ihren Dienst erfüllt haben? Jeder von ihnen kommt nur ein einziges Mal auf die Erde. Ein Tag ist einmalig. Und so ist es natürlich der Höhepunkt im Leben eines Tages, wenn er auf die Welt zu den Menschen kommt. Unser kleiner Tag, von dem hier die Rede ist, war voller Aufregung und Freude, wenn er an den so wichtigen Zeitpunkt seiner Erdenreise dachte. Aber er mußte noch lange warten, denn er würde der 22. November eines ganz bestimmten Jahres sein, und es war erst Septmber im Jahr davor. Vordrängeln konnte er sich nicht, denn die Reihenfolge, in der die Tage die Welt betreten, ist streng festgelegt. So konnte der kleine Tag nur von seinem zukünftigen Erdengang träumen, und mit staunenden Augen hörte er zu, wenn seine Verwandten von ihrem Besuch auf der Erde erzählten. Sein Vater war ein sehr berühmter und gefürchteter Tag gewesen, an dem sich ein grauenhaftes Erdbeben ereignet hatte, das die Menschen noch Jahrzehnte später nicht vergessen konnten. "Die ganze Welt zitterte", erzählte sein Vater stolz, "und ich bin in allen Geschichtsbüchern erwähnt." Seine Mutter wurde von den anderen Tagen ebenfalls sehr respektvoll behandelt. Als sie Tag war, hatten zwei Völker nach einem langen Krieg endlich Frieden geschlossen. Immer wieder wollte der kleine Tag hören, wie sich damals die Menschen lachend und weinend vor Freude umarmten undwie schön dieser Tag gewesen sei. Ein Onkel war sehr stolz darauf, daß er die erste Landung eines Raumschiffes auf einem fernen Planeten gebracht hatte, und seine Großmutter konnte gar nicht genug von der Hochzeit eines Königspaares erzählen, die mit großer Pracht gefeiert wurde, als sie Tag war. Jeden Abend, wenn ein Tag von der Erde zurückkam, mußte er genau berichten, was sich während seiner Amtszeit ereignet hatte. Voller Begeisterung hörte der kleine Tag Erzählungen von ruhmreichen Taten, Erfindungen und großen Festen, aber auch von Schneekatastrophen, Dürre- und Hungerzeiten, von Flugzeugabstürzen, Explosionen und Gewalttaten. "Es ist ganz wichtig", sagte sein Vater eines Tages, "daß etwas Ungewöhnliches passiert, wenn Du auf der Erde bist, damit man sich an dich erinnert. Sonst ist dein ganzes Leben sinnlos. Dabei kommt es gar nicht darauf an, ob es etwas Gutes oder Böses geschieht. Hauptsache, du hinterläßt einen bleibenden Eindruck auf die Menschen." "Wenn ich einmal auf der Erde bin," dachte der kleine Tag, "dann wird sicherlich etwas ganz, ganz Großes geschehen, etwas, was es noch nie gegeben hat. Nicht nur ein kümmerliches Erdbeben oder die Hochzeit eines Königspaares. Nein, 100 Könige sollen gleichzeitig heiraten, alle Völker der Erde sollen Frieden schließen und versprechen, niemals wieder Krieg zu führen. Es wird ein gewaltiges Feuerwerk geben, weil die Menschen alle Waffen in die Luft sprengen werden. Auf jedem Stern im Weltall landet ein Raumschiff, eine riesige Flutwelle überschwemmt die Hälfte der Erde, und, und ,und..." So träumte der Kleine Tag unaufhörlich, und es fiel ihm immer schwerer, seinen großen Auftritt abzuwarten. Schließlich, nach scheinbar endlosen Monaten und Wochen des Wartens, war der große Augenblick gekommen.

Es war stockfinster, als der Vater den kleinen Tag rief: "Es ist soweit. In einer halben Stunde beginnt der 22. November. Gleich bist Du ein Tag auf der Erde!" Sein Vater begleitete ihn noch ein Stück, damit er den richtigen Weg fand, und dann war es soweit! Schrittweise zog sich die Nacht vor dem kleinen Tag zurück, bis sie ganz verschwunden war. Der kleine Tag jubelte: "Jetzt regiere ich die Welt!" Aber schon bald erlebte er die erste Enttäuschung. Die strahlend goldene Sonne. von der sein Vetter im Juli so geschwärmt hatte, war nirgends zu sehen. Grauer Nebel verhüllte die frühen Morgenstunden. Alles sah trübe und dunstig aus, feucht und kalt. Der kleine Tag wollte sich aber nichts daraus machen, es gab doch soviel Neues, Fremdes und Aufregendes zu sehen. In allen Städten wälzten sich Tausende von Menschen durch die Straßen zu ihrer Arbeitsstelle. Autokolonnen, Busse, Züge, Bahnen - alles drängte, schob und wimmelte. Der kleine Tag mußte lachen: Es sah zu lustig aus, wie sie da unten alle in verschiedenen Richtungen durcheinanderkrabbelten. Er betrachtete die Menschen genauer. Nein, freundlich sahen sie nicht aus! Die meisten hasteten mürrisch und lustlos durch die Straßen, hatten die Mantelkragen hochgeschlagen und sahen grimmig geradeaus oder zum Boden. Niemand schien den kleinen Tag zu beachten. "Hallo, hier bin ich!" rief er. "Ich bin heute euer Tag! Freut ihr euch nicht, mich zu sehen?" Aber die Menschen freuten sich nicht. "Was für ein lausiger Tag", sagte ein Mann zu seinem Arbeitskollegen. "Dieser widerliche Nieselregen geht mir ganz schön auf die Nerven." "Ja, abscheulich", bestätigte der andere. "Meine Frau bekommt sicher wieder die Grippe bei diesem Wetter. Wenn doch bloß die Sonne ein wenig scheinen würde!" Ja, die Sonne! Wo war sie? Der kleine Tag konnte sie nirgendwo entdecken. "Bitte, liebe Sonne", rief er, "komm doch hervor und mache die Welt an meinem Tag etwas schöner, damit die Menschen nicht alle so grimmig sind." "Das kann ich nicht", sagte die Sonne, die von einer graufetten Regenwolke verdeckt wurde. "Ich habe nicht mehr die Kraft dazu.
Komm im Frühling oder besser noch im Sommer wieder, dann will ich so scheinen, daß deine Augen geblendet werden. Aber im November bin ich dazu zu schwach." Der kleine Tag war ganz verzweifelt. "Aber ich bin doch nur heute!" rief er. "Ich kann doch nicht wiederkommen. Nie kann ich wiederkommen. Im Frühling und im Sommer sind die anderen dran. Bitte, liebe Sonne, schein doch wenigstens ein ganz kleines bißchen!" Die Sonne hatte Mitleid mit ihm. Mit aller Kraft preßte sie ein paar dünne Strahlen hervor. Der kleine Tag hatte so etwas noch nie gesehen. Er sah verzückt und verzaubert, wie die Sonnenstrahlen auf einen Waldweg fielen und sich das Licht in den Regentropfen spiegelte. "Hurra!" rief der kleine Tag, "freut ihr euch jetzt, daß ich hier bin?" Doch die Sonne hatte zu kurz geschienen. Kaum ein Mensch in der Stadt hatte die wenigen Sonnenstrahlen bemerkt, und jetzt war es wieder so grau wie zuvor. Allerdings regnete es nicht mehr, und der Nebel hatte sich aufgelöst. "Immerhin etwas", tröstete sich der kleine Tag. Aber ein wenig traurig war er trotzdem noch. Doch was war das? Auf einem Schulhof stand ein Junge mit einem funkelnagelneuen Fahrrad, umringt von seinen Klassenkameraden. "Woher hast Du denn das tolle Rad?" fragte einer von ihnen. "Na, wißt ihr denn nicht, was heute für ein Tag ist? Heute ist doch der 22. November, und das ist mein Geburtstagsgeschenk!" Der kleine Tag jauchzte. Endlich freute sich jemand über ihn. "Für diesen Jungen bin ich der Höhepunkt des ganzen Jahres", dachte der kleine Tag glücklich. Mit neuem Eifer schaute er sich auf der Welt um. Er sah das Meer! Die Wellen klatschten gegen die Felsen am Strand, und die Gischt sprühte schäumend auf. Es war ein wundervolles Schauspiel, von dem sich der kleine Tag kaum losreißen konnte. Sein Blick streifte über die Berge. Ein Bergsteiger mühte sich keuchend, einen schneebedeckten Gipfel zu bezwingen. Als er oben angekommen war, lachte er und genoß den weiten Blick ins Tal. Der kleine Tag freute sich mit ihm. Er sah viele Städte, und verwundert schaute er den Menschen zu. Offenbar hatten die meisten nicht viel Freude an ihrer Arbeit. Männer mit stumpfen Gesichtern betätigten Hebel, Knöpfe und Schalter. Sie stellten Gegenstände her, deren Sinn und Zweck der kleine Tag nicht verstand. In einer großen Halle standen lange Schlangen wartender Menschen. Sicher gab es dort etwas Besonderes! Aber nein: Wenn die Menschen schließlich einen Schalter erreicht hatten, hinter dem ein streng blickender Mann saß, mußten sie viele Kreuze in kleine Kästchen auf Papierbögen machen und auch noch Geld dafür bezahlen. Der kleine Tag wunderte sich. In einem Park saß ein Mann auf einer Bank und schrieb. Als er fertig war, sah er sich zufrieden lächelnd um. Er hatte bestimmt etwas schönes geschrieben. Der kleine Tag freute sich. In einem Fenster stand ein Musiker und pfiff fröhlich eine kleine neukomponierte Melodie vor sich hin. Der kleine Tag hätte am liebsten mitgepfiffen. Der Nachmittag brachte ihm neue Erfahrungen: Spielende Kinder, Leute beim Spazierengehen, Menschen, die sich zum gemütlichen Kaffeetrinken zusammenfanden. Er sah einen jungen Mann an einer Haustür klingeln und ein hübsches Mädchen herauskommen. Die beiden faßten sich an den Händen und gingen in einen Park. Auf der Brücke über einen kleinen Bach blieb der junge Mann stehen und sah dem Mädchen in die Augen. "Ich hab' dich lieb!" sagte er und gab ihr einen Kuß. Dem kleinen Tag wurde ganz heiß vor Freude. Das war sicher das allerschönste Erlebnis für ihn hier auf der Erde. Als die Dämmerung kam und der kleine Tag seine Aufgabe erfüllt hatte, eilte er aufgeregt nach Hause. Alle Tage hatten sich schon versammelt und erwarteten gespannt seinen Bericht. "Na, wie war's?" fragte ihn sein Vater, "bist Du ein guter Tag gewesen?" "Oh ja!" rief der kleine Tag, und alle seine Erlebnisse sprudelten wie ein Wasserfall aus ihm heraus. "...und dann haben sie sich geküßt!" rief er am Schluß seines Berichts ganz atemlos und sah sich erwartungsvoll in der Runde um. Sein Vater machte nur eine wegwerfende Handbewegung: "Na ja, das kennen wir ja alle, aber nun erzähl mal die interessanten Dinge. Was hat sich denn nun wirklich ereignet?" Der kleine Tag starrte ihn fassungslos an. "Aber..." stammelte er, "das ist alles. Das ist doch viel, oder?" In den hinteren Reihen begannen einige ältere Tage zu lachen. Schließlich lachten sie alle, die ganze Gesellschaft, bis der kleine Tag in einer riesigen Woge von Gelächter zu ertrinken drohte. "Was?" rief sein Vater aufgebracht, "es muß doch wenigstens etwas passiert sein! Ein Schiffsunglück vielleicht? Oder eine Flugzeugentführung? Wenigstens ein Banküberfall?" Der kleine Tag schüttelte den Kopf. Einsam und traurig stand er mitten in dem Gelächter. Sein schöner Tag! Und sie fanden ihn langweilig und alltäglich - nichts Außergewöhnliches war passiert war geschehen. Er hätte vor Scham versinken mögen. "Nicht mal ein..." begann sein Vater noch einmal, aber er fragte nicht weiter. Der kleine Tag tat ihm leid. "Ein Nichts bist du!" schrie der Onkel, der die Raumschifflandung auf dem fernen Planeten erlebt hatte, "ein Nichts! Schon morgen hat man dich auf der Erde vergessen! Kein Buch wird dich erwähnen, kein Mensch wird sich an Dich erinnern! Geburtstag! Sonne! Liebe! Daß ich nicht lache!" Ist Liebe denn nichts ungewöhnliches, Schönes? wollte der kleine Tag fragen - aber er traute sich nicht mehr. Er fürchtete die Hänseleien und den Spott der anderen. "Komm mit und ruh' dich aus", sagte der Vater und zog ihn fort. "Und ihr acht euch nicht über meinen Sohn lustig!" rief er giftig den versammelten Tagen zu. Die Mutter versuchte ihn zu trösten: "Sei nicht traurig. Du bist ein guter Tag gewesen und hast sehr schöne Dinge auf der Erde gesehen. Weißt du, es kommt gar nicht darauf an, daß möglichst viele Menschen sich an einen Tag erinnern. Wenn Du nur ganz wenigen eine Freude geschenkt hast, dann hat sich dein Erdendasein schon sehr gelohnt." Aber der kleine Tag war nicht zu trösten. In den kommenden Tagen und Wochen wurde er überall belacht und verspottet. Er nahm auch nicht mehr an den abendlichen Versammlungen teil. Er wollte nicht hören, was die anderen Tage zu berichten hatten. Einsam saß er in seiner Ecke und machte sich bittere Vorwürfe. Dabei war es doch gar nicht seine Schuld.

Eines Abends jedoch, viele einsame Tage, Monate später, riefen ihn seine Eltern: "Denk dir, einer deiner Neffen kam gerade von der Erde zurück und hat berichtet, daß heute ein Beschluß gefaßt wurde, den 22. November zum internationalen Feiertag zu erklären. Und weißt du, warum? Weil an deinem 22. November, als du auf der Erde warst, nichts Böses geschehen ist, kein Verbrechen verübt wurde, nirgendwo auf der Erde Kämpfe waren. Eben darum, weil nicht Ungutes passiert ist, soll von nun an jedes Jahr an deinem Tag das Fest des Friedens gefeiert werden. Heute stand es auf der Erde in allen Zeitungen. Ja, wir wußten doch immer, daß Du etwas taugst!" Der kleine Tag sagte gar nichts. Er strahlte.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 02.11.2006, 10:31 
Mehr für groß, als für klein....


1928

Eines Abends setzte sich ein alter Mann zu mir und erzaehlte:
"Weisst Du, mein Sohn, irgendwann einmal,
kurz nach diesem gewaltigen, allerletzten Knall,
wenn's auf der Erde nur mehr grosse, nackte Steine gibt,
mit einer fettigen, schwarzen Russschicht bedeckt,
wird ein grosses, weisses, strahlendes Raumschiff landen.
Irgendwo zwischen dem ehemaligen Los Angeles
und dem verdampften Schwarzen Meer."
"Und diese fremden, hochgewachsenen Wesen
werden Pillen an Bord haben,
die sie uns Menschen als Geschenk ueberreicht haetten,
so wie man immer, wenn man irgendwelche Wilde besucht,
ihnen kleine Geschenke ueberreicht.
Pillen gegen die Traurigkeit haetten sie uns geschenkt,
wenn wir noch dagewesen waeren.
Stell Dir wor, mein Sohn -"
sagte der alte Mann ganz traurig -
"wunderbare, kleine Pillen gegen die Traurigkeit."
"Und diese fremden, hochgewachsenen Wesen
werden ihr Raumschiff verlassen,
sie werden sich umsehen und sofort wissen,
dass hier vor kurzem ein gewaltiger,
ein allerletzter Knall war.
Und dann werden sie sich kopfschuettelnd
zwischen die grossen, nackten Steine setzen
und schwer durchatmen.
Und jeder von ihnen wird schnell
eine Pille gegen die Traurigkeit schlucken.
Einer von ihnen wird sogar mit dem Finger
in die fettige, schwarze Russschicht an einem
grossen, nackten Steine schreiben:
"Wir haetten so gerne gewusst, wie Du bist!
Wie Du aussiehst! Wie Du sprichst!
Mensch!"
"Und dann ploetzlich wird einer von ihnen was rufen,
er wird rufen, dass er was gefunden hat.
Und das wird ein alter, verbeulter, kleiner Filmprojektor sein,
mit einem eingespannten Film.
Ja, warum nicht", sagte der alte Mann.
"Und sie werden sich freuen,
die hochgewachsenen fremden Wesen,
sie werden warten, bis es dunkel ist
und den Film auf ihr strahlendes, weisses Raumschiff projizieren.
Und sie werden sehr staunen,
denn sie werden einen Micky Maus-Film sehen.
Einen Micky Maus-Film, mit Donald Duck,
Kater Carlo und Goofy.
"Und diese fremden, hochgewachsenen Wesen
werden in ihr Raumschiff steigen und sagen,
sie waren lustig, diese Menschen.
Sie haben lustig ausgesehen,
sie haben lustig gesprochen,
wir haetten unsere Pillen gegen die Traurigkeit
voellig umsonst mitgebracht."

Ludwig Hirsch vom Album "Komm, großer schwarzer Vogel"


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BeitragVerfasst: 03.11.2006, 14:12 
Gedicht:
[center]Verliebt[/center]



[center]Heute könnte ich Bäume ausreißen,

Häuser versetzen,

Regenwürmer küssen

und tanzen, tanzen, tanzen.

Kann es sein, daß ich verliebt bin?[/center]
[center]:floating_heart :floating_heart[/center]

[center]
von Annegret Kronenberg [/center]


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BeitragVerfasst: 03.11.2006, 15:56 
Für alle und all die vielen Verliebten hier im Forum....

[center]Zwei Hunderstelsekunden[/center] (nochmal Günter Ohnemus)

Viele Leute glauben, es käme nur beim Sport und bei hochkomplizierten physikalischen Prozessen und solchen Dingen auf Hunderstelsekunden an. Auf wirklich ganz kurze Augenblicke. Aber es kommt auch in der Liebe manchmal auf Hunderstelsekunden an. Vielleicht ist die Liebe eben auch ein hochkomplizierter physikalischer Prozeß, auch wenn sie manchmal auf ziemlich grobschlächtige Art zu Ende geht.
Natürlich kann man sagen, daß sie beide darauf gewartet haben und daß es gar nicht auf diese zwei Hundertstelsekunden ankam, die später eine Sage ihrer Erinnerungen wurden. Daß es sonst eben an einem anderen Tag passiert wäre, wo sich in einer halben Stunde oder an einem halben Tag dasselbe abgespielt hätte. Vielleicht ist es wirklich so, daß es auf jeden Fall passiert wäre, daß es einfach nicht aufzuhalten war.
Aber es gibt von der Geschichte, die dauernd abläuft, keine zweite Version, und so wollen wir eben notieren, daß die beiden auf diesem Fest zuerst in der Nachfolge der großen mittelalterlichen Tradition mit den anderen Leuten am Tisch getanzt haben. Er tanzte mit allen Frauen am Tisch und sie mit allen Männern, und es wäre vielleicht dezenter und dem festlichen Anlaß angemessener gewesen, wenn wenigstens er zwischendrin noch einmal mit einer von den anderen Frauen getanzt hätte, aber die beiden tanzten den Rest der Nacht schamlos nur noch miteinander.
Jedesmal, wenn die Band ein Lied gespielt hatte, lösten sich die Paare auf der Tanzfläche voneinander, wandten sich der Band zu und klatschten. Das ist auch eine mittelalterliche Tradition. Zwischen dem Augenblick, in dem die Tanzenden nach dem Ende der Musik sich voneinander lösen, und dem Augenblick, in dem sie zu klatschen beginnen, vergeht immer eine gewisse Zeit. Manche Leute halten die Hand ihres Tanzpartners oder ihrer Tanzpartnerin noch ein bißchen länger fest, als die anderen. Das bedeutet oft nichts und oft bedeutet es sehr viel. Am Ende aber klatschen immer alle Leute auf der Tanzfläche. Auch diejenigen, die sich noch so lange festhalten, daß es sehr viel bedeutet. Das ist ein Teil der Tradition.
In der Nacht, in der die beiden schamlos nur noch miteinander tanzten, hielt sie seine Hand in der Pause zwischen den Lieder immer länger fest, so daß es schließlich bis an den Rand des Erträglichen ging. Sie ging so weit an diesen Rand, daß am Ende nur noch zwei Hunderstelsekunden blieben. Diese zwei Hundertstelsekunden ließ sie für ihn übrig.
Es war eine ungeheure Spannung, aber sie hielten sie lange aus. Sie waren lange – zwei oder drei Stunden – nur noch zwei Hundertstelsekunden voneinander entfernt. Und dann nahm er diese zwei Hundertstelsekunden auch noch weg.


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BeitragVerfasst: 04.11.2006, 18:13 
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Zuletzt geändert von christian am 06.11.2006, 09:33, insgesamt 2-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 05.11.2006, 13:03 
Da hier ja schon jemand einen Liedertext gepostet hat, dachte ich mir mich anzuschließen. Musik hat in meinem Leben schon immer eine große Rolle gespielt und mit Liedern wie diese kann ich mich identifizieren und helfen mir auch oft im Leben. Xavier Naidoo, ok mag nicht jeder, ich früher auch nicht, aber seit Telegramm für X sehe ich ihn und auch seine Texte anders. Es gibt noch einen Song der mir im Leben geholfen hat, den ich später noch posten werde. Nun aber:

Was wir alleine nicht schaffen… von Xavier Naidoo

Während sich andere plagen
und nichts passiert
sind wir zur rechten Zeit am rechten Ort
und alles ist arrangiert
ich bin dankbar dafür
weil ich jeden Tag mit meinen Brüdern und Schwestern
das echte Leben spür

Was wir alleine nicht schaffen
Das schaffen wir dann zusammen
Dazu brauchen wir keinerlei Waffen
Unsere Waffe nennt sich unser Verstand
Und was wir alleine nicht schaffen
Das schaffen wir dann zusammen
Nur wir müssen geduldig sein
Dann dauert es nicht mehr lang

Die anderen können lachen
Keiner lacht mehr als wir
Was soll´n sie auch machen
Wir sind Ritter mit rosarotem Visier
Ein Leben ohne Euch macht wenig Sinn
Kein Leben, kein Geräusch dann wäre ich wie blind

Was wir alleine nicht schaffen
Das schaffen wir dann zusammen
Dazu brauchen wir keinerlei Waffen
Unsere Waffe nennt sich unser Verstand
Und was wir alleine nicht schaffen
Das schaffen wir dann zusammen
Nur wir müssen geduldig sein
Dann dauert es nicht mehr lang

Es liegt noch was vor uns,
Das Leben liegt vor uns
Spürst du die Vorhut
aufkommenden Frohmut?

Was wir alleine nicht schaffen
Das schaffen wir dann zusammen
Dazu brauchen wir keinerlei Waffen
Unsere Waffe nennt sich unser Verstand
Und was wir alleine nicht schaffen
Das schaffen wir dann zusammen
Nur wir müssen geduldig sein
Dann dauert es nicht mehr lang

Rap "Tone":
Wir haben wieder Wind in den Segeln
Und es spricht jetzt nichts mehr dagegen
unser Ziel zu erreichen dann viele Zeichen zeigen wir sind überlegen weil wir auf dem richtigen Weg sind auch wenn uns gerade Probleme begegnen
Wir überstehn den Regen werden die Nerven bewahren und es irgendwie regeln
So wie wir´s immer getan haben
Doch ohne inneren Fahrplan wär´n wir verloren und müssen einsehen dass wir uns im Kreis drehen so wie in einer Kartbahn
Also lasst uns dafür dankbar sein dass es nicht so ist
Wir sollten in Zeiten wie diesen nie aus den Augen verlieren was das wichtigste ist für so viele ist das Leben`n ewiger Wettstreit in dem es jenseits von jeder Korrektheit nur darum geht den ersten Platz zu belgen in Best Zeit
Doch egal was die Leute lallen die Ungeduldigen die stolpern und fallen
Denn Erfolg mit Gewalt zu erzwingen wird ihnen nichts bringen und genau das sollten wir schnallen

Was wir alleine nicht schaffen
Das schaffen wir dann zusammen
Dazu bruachen wir keinerlei Waffen
Unsere Waffe nennt sich unser Verstand
Und was wir alleine nicht schaffen
Das schaffen wir dann zusammen
Nur wir müssen geduldig sein
Dann dauert es nicht mehr lang


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BeitragVerfasst: 05.11.2006, 13:11 
So, und dieser Text war mir oft ein Tritt in den Hintern. Es ging mir oftmals schlecht und ich habe mir diesen Song angehört, geheult und geschrien weil ich niemanden hatte der mich verstand… aber, ich habe es immer geschafft, allein… was Songs doch einem Kraft geben können.

Steh auf, wenn du am Boden bist (von Die toten Hosen)

Wenn du mit dir am Ende bist
und du einfach nicht weiter willst,
weil du dich nur noch fragst
warum und wozu und was dein Leben noch bringen soll

Halt durch, auch wenn du allein bist!
Halt durch, schmeiß jetzt nicht alles hin!
Halt durch, und irgendwann wirst du verstehen,
dass es jedem einmal so geht.

Und wenn ein Sturm dich in die Knie zwingt,
halt dein Gesicht einfach gegen den Wind.
Egal, wie dunkel die Wolken über dir sind,
sie werden irgendwann vorüberziehn.

Steh auf, wenn du am Boden bist!
Steh auf, auch wenn du unten liegst!
Steh auf, es wird schon irgendwie weitergehn!
Es ist schwer, seinen Weg nicht zu verliern,
und bei den Regeln und Gesetzen hier
ohne Verrat ein Leben zu führn,
das man selber noch respektiert

Auch wenn die Zeichen gerade alle gegen dich stehn
und niemand auf dich wetten will,
du brauchst hier keinem irgendeinen Beweis zu bringen,
es sei denn es ist für dich selbst!

Steh auf, wenn du am Boden bist!
Steh auf, auch wenn du unten liegst!
Steh auf, es wird schon irgendwie weitergehn!
Nur keine Panik, so schlimm wird es nicht!
Mehr als deinen Kopf reißt man dir nicht weg!
Komm und sieh nach vorn!


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BeitragVerfasst: 05.11.2006, 16:44 
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Die Steinpalme- eine Last, die stark macht

Es war Spätnachmittag, und es war ein Wind aufgekommen, der leise über die Haare streicht und auf dem Gesicht eine Ahnung von Kühle hinterlässt. Es war die Zeit, die zum Erzählen verführt, ja, die Lust auf Märchen wurde so zwingend, dass alle den weisen Raman baten, doch eine seiner wundervollen Geschichten zu erzählen. Der kluge, alte Mann lächelte. Er überlegte einen Augenblick und rief dann: „Wir treffen uns an der Steinpalme, wenn die Feuer angezündet werden!“ „Steinpalme? Was bedeutet das?“ riefen sie hinter dem Alten her. „Sucht sie!“ Er sagte dies schon im Fortgehen. „Sucht sie! Der Baum ist nicht zu verfehlen.“ Noch ehe die Nacht plötzlich hereinfiel, hatten sie den Baum gefunden. Neben den vielen Palmen am Strand, die in ihrer schlanken Schönheit wie winkende Frauen zu sein schienen, stand diese eine etwas abseits, doch so, dass ihre starken, dunkelgrünen Blattfächer die neben ihr stehenden Bäume leicht berührten. Es war eine eigenartig geformte Palme! Sie wirkte gedrungen, mit einem mächtigen Stamm und starken Fächern, die in ihren Bewegungen sichtbare Mäßigung zeigten und nichts von der Heiterkeit hatten, die alle anderen Palmen so weiblich machte. Das Merkwürdigste aber war die Krone der Palme! Der Baum neigte sich mit seinen Blattfächern zur Mitte hin.

„Seht nur genau hin“, sagte der alte Erzähler, der sich in ihre Mitte gesetzt hatte, „achtet- auf das nächste Wehen des Windes.“ Und sie konnten es sehen! Als der Wind die Fächer der Bäume etwas auseinanderwehte, da sahen sie es: Im Herzen der Palme, dort, wo sonst die neuen, hellgrünen Triebe aus der Mitte des Stammes nach oben drängten, lag ein mächtiger, rötlicher Stein, ein Stein, wie unzählige am Strand herumlagen. Raman ließ keine Zeit zum Fragen. Mit einer weiten Armbewegung zeigte er, dass sich alle im Kreis setzen sollen. Ein Feuer wurde in der Mitte angezündet, und die Nacht kam schnell und fiel über alles wie ein dunkles Tuch. Der Schein des Feuers erreichte den Stamm der großen Palme und malte auf den Schuppen bizarre Zeichen. Wenn eine Flamme hell aufflackerte, konnte man die Krone des mächtigen Baumes ahnen.
„Ihr wollt wissen, wie der große Stein dort oben hinaufgekommen ist?“ begann Raman seine Erzählung. „Nun, dies geschah vor vielen, vielen Jahren, als diese mächtige Palme noch ein winziger Bäumling war. Hier waren damals noch keine Häuser, und es gab auch noch keinen Brunnen. Nur einige Palmen standen am Strand. Ihnen und dem kleinen Palmbaum genügte das, was sie aus dem Sandboden an Nahrung und vom Himmel an Feuchtigkeit bekamen.
Die kleine Palme liebte das Meer und die Musik des Wassers. Sie liebte den leisen Wind an den Spätnachmittagen und die plötzlich hereinbrechende, oft kalte Nacht mit ihrer schattenlosen Dunkelheit. Und sie liebte den Mond in den klaren Nächten, dessen Licht harte Umrisse malt und auf dem Meer lange Streifen zieht, die eine Ahnung von Unendlichkeit geben. Der kleine Baum wusste, dass wenige Meter hinter ihm die Wüste war. Aber er hatte keine Vorstellung von ihr, er wusste nicht, was wasserlos und leer bedeutete. Er war ein kräftiger, glücklicher Palmenschössling.
Bis zu dem Tag, an dem der Mann kam.
Er kam durch die Wüste. Er war tagelang umhergeirrt, hatte sein Hab und Gut verloren und war vor Durst und Hitze fast um den Verstand gekommen. Seine Hände brannten wund vom vergeblichen Graben nach Wasser, und alles an ihm und in ihm war grenzenloser Schmerz. So stand er vor dem Wasser, vor dem endlosen, weiten, salzigen Wasser. Der Mann warf seinen ausgedörrten Körper in das Wasser hinein, aber in seinem Mund mit den aufgerissenen Lippen und der dickpelzigen Zunge brannte der Durst, den das Salzwasser nicht stillen konnte. Da packte ihn ein rasender Zorn. „Ich habe Anspruch auf Wasser!'“ schrie er. „Ich will leben, weil ich einen Anspruch darauf habe!“ Er griff nach einem großen Stein. Sein Zorn gab ihm Kräfte, die sein ausgedörrter Körper kaum noch hergeben konnte, und er schrie, schrie über die Grenzenlosigkeit des \Wassers, schrie gegen die Unauslöschbarkeit der Sonne, schrie gegen die Wüste und hinauf zu den unerreichbaren Kronen der Palmen. Drohend hatte er den Stein erhoben. Seine Arme zitterten, und es schien, als wolle alle Kraft ihn endgültig verlassen. Da sah er neben den großen Palmen, zwischen Geröll und Sand, den Palmenschössling stehen, in hellem Grün und voller Hoffnung auf jeden neuen Tag. „Warum lebst du?“ schrie der Mann. „Warum findest du Nahrung und Wasser, und ich verdurste hier? Warum bist du jung und schön? Warum hast du alles und ich nichts? Du sollst nicht leben!“ Mit aller noch vorhandenen Kraft presste er den Stein mitten in das Kronenherz des jungen Baumes. Es knirschte und brach. Es war, als vervielfachte sich das Knirschen und Brechen bis in die Unendlichkeit der Wüste und des Meeres. Und dann kam eine entsetzliche Stille! Der Mann brach neben der kleinen Palme zusammen. Zwei Tage später fanden ihn Kameltreiber - man erzählt, dass er gerettet wurde.
Von den Treibern hatte sich keiner um den kleinen, zerschmetterten Palmbaum gekümmert. Er war unter der Last des Steines fast begraben, sein Tod schien unausweichlich. Seine heugrünen Fächerblätter waren abgebrochen, und in der heißen Glut der Sonne verdorrten sie schnell. Sein weiches Palmenherz war gequetscht, und der große Stein lastete so schwer auf dem zierlichen Stamm, dass er bei jedem leisen Windhauch abzubrechen drohte.
Doch der Mann hatte die kleine Palme nicht töten können. Er konnte sie verletzen, aber nicht töten.
Als sich in dem jungen Baum das entsetzliche Geräusch der brechenden Zweige, das Zerfasern der jungen Triebe und der brennende Schmerz zusammenballten, als alles eine ungeheure, wolkenähnliche Masse von Schmerz und immer wieder Schmerz war, da regte sich gleichzeitig, daneben, ohne Verbindung zum Schmerz und allen zerstörenden Geräuschen, eine erste kleine Welle von Kraft. Und diese Welle vergrößerte sich, fiel in die Wellenbewegung des Schmerzes, wuchs, machte die Pausen zwischen Schmerz und Wieder-Schmerz länger und länger, bis die Kraft größer wurde als der Schmerz. Der Baum versuchte, den Stein abzuschütteln. Er bat den Wind, ihm zu helfen. Aber es gab keine Hilfe. Der Stein blieb in der Krone, dem Herzen der kleinen Palme, und rührte sich nicht. „Gib es auf“, sagte sich die kleine Palme, „es ist zu schwer. Es ist dein Schicksal, so früh zu sterben. Füge dich!“ Lass dich selber los. Der Stein ist zu schwer.“ Aber da war eine andere Stimme, die sagte: „Nein, nichts ist zu schwer. Du musst es nur versuchen, du musst es tun.“
„Wie soll ich es tun?“ fragte die Palme, „der Wind kann mir nicht helfen. Ich stehe allein in meiner Schwachheit. Ich kann den Stein nicht abwerfen.“
„Du musst ihn nicht abwerfen“, sagte wieder die andere Stimme. „Du musst die Last des Steines annehmen. Dann wirst du erleben, wie deine Kräfte wachsen.“ Und der junge Baum nahm in all seiner Not seine Last an und verschwendete keine Kraft mehr an das Bemühen, den Stein abzuschütteln. Er nahm ihn in die Mitte seiner Krone. Er klammerte sich mit langen, kräftiger werdenden Wurzeln in den Boden, denn er brauchte mit seiner doppelten Last einen doppelten Halt. Dann kam der Tag, an dem sich die Wurzeln der Palme so tief gesenkt hatten, dass sie auf eine Wasserader stießen. Befreit schoss eine Quelle nach oben, und sie hat diesen Platz hier zu einem Ort der Freude und des Wohlstands gemacht.
Nun, als der Baum festen Halt im Grund hatte und dort dauernde Nahrung fand, begann er, nach oben zu wachsen. Er legte breite, kräftige Fächerzweige um den Stein herum. Man konnte manches Mal meinen, dass er den Stein beschütze. Sein Stamm gewann mehr und mehr an Umfang, und mochten auch alle anderen Palmen am Strand höher und lieblicher sein, der Palmbaum, den die Leute bald die Steinpalme nannten, war unbestritten der mächtigste Baum. Seine Last hatte ihn aufgefordert, und er hatte den Kampf gegen seinen Kleinmut aufgenommen. Er hat diesen Kampf gewonnen. Er hat eine Quelle freigelegt, die seither den Durst vieler löscht, und, was sicher das Wichtigste ist, der Baum hat seine Last angenommen und hoch hinausgetragen. Sie liegt auch heute noch auf seinem Herzen, aber sie ist in seinem Dasein an eine Stelle gerückt, die sich tragbar macht. Nur die äußere Last erscheint uns untragbar. Ist sie angenommen, wird sie Teil von uns selbst.
Raman, der Erzähler, legte beide Hände an den Stamm der großen Palme. Das Feuer war fast niedergebrannt. Die Zuhörer verließen einer nach dem anderen den Platz. Nur einer blieb noch. Er war spät gekommen und hatte ein wenig abseits gesessen. Er setzte sich nun zu Raman, und beide saßen lange ohne Worte.
„Ich bin der Mann, der den Stein auf die Palme gedrückt hat“, sagte der Mann. „Ich hatte es vergessen, doch deine Erzählung weckte alles wieder auf. Was soll ich tun? Ich fühle Schuld.“
„Dann trage diese Schuld wie der Baum den Stein“, antwortete Raman. "Nimm die Schuld an. Versuche, soviel du vermagst, davon in Liebe zu verwandeln. Vergiss dabei nicht, dass Liebe etwas ist, was man tun muss. Es nützt nichts, sie nur zu erkennen und um ihre Notwendigkeit zu wissen. Liebe ist Leben und wächst allein aus dem Tun.“
Die Männer saßen noch lange unter der Palme, und es war ein leichter Wind, der das Feuer wieder zum Brennen brachte.

aus: Wieviele Farben hat die Sehnsucht im Lucy Körner Verlag


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BeitragVerfasst: 11.11.2006, 11:53 
hier mal ein paar Gedichte, die vor langer Zeit enstanden sind.

Seelenverwandt

Dich erfüllen die gleichen Gedanken,
Du fühlst das was ich fühle.
Du tust die selben Taten.
Verstehen ohne Worte!

Du bist ich
Ich bin Du

Träumen die gleichen Träume.
Spüren die gleichen Ängste.

Seelenverwandt, so fern und doch so nah.
Zwei Seelen so gleich!

_______________________________________

Wenn du jetzt bei mir wärst würde ich nicht an dich denken müssen
und vermissen.
Wenn du jetzt neben mir sitzen würdest könnte ich mich an dich kuscheln und deine Stärke spüren.
Wenn du jetzt neben mir liegen würdest, könnte ich mit dir zusammen aufwachen.
Wenn mich doch jetzt nur bei haben mögest, wäre ich der glücklichste Mensch und müsste diesen Schmerz nicht mehr ertragen.

____________________________________________

Ich halte mich von dir fern, weil du noch nicht bereit bist.
Verstecke meine Gefühle, weil du sie nicht ertragen kannst.
Sage dir keinen lieben Worte, weil du sie nicht hören willst.
Alles das tu ich für dich, weil ich dich liebe.
Aber sag mir wann darf ich wieder sein wie ich bin?
Ich habe es satt mich zu verstecken!

© Tambara


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BeitragVerfasst: 12.11.2006, 14:58 
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Piratenlegende
Piratenlegende
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Registriert: 26.10.2006, 20:37
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Blondie schuf das Forum hier, die Familie stehts im Danken wird.
Orlando ist der Hausmeister, stark belesen und immer fair.
la rana ist die gute Fee, die Leute stehts mit Ratschlägen beseelt.
Tambara-weise und loyal, sich stehts um den Frieden hier verausgabt.
Sycorax wer hätts gedacht, ist auch im Schreiben ne große Macht.
Anette ist bald auf der Insel, die Magie Gomeras Sie dort findet.
Christian hat wohl Mist gebaut, ansonsten ist er ganz genau.
Kleiner-blauer-fisch ist sehr human, die Leute stehts lieb umarmt.


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Autor: Sabine
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