Die magische BucheHerbstzeit – Wanderzeit. Bei einem schönen, langen Spaziergang durch den herbstlich angehauchten Buchenwald meiner Heimatgemeinde, ließ ich die Seele baumeln und ergötzte mich mal wieder an der Schönheit der Natur.
Die Sonnenstrahlen fielen schräg durch den bunten Blätterhimmel und zauberten die phantasievollsten Muster auf den ebenfalls mit buntem Laub bedeckten Waldboden.
Nach Pilzen Ausschau haltend, trottete ich immer weiter und tiefer in den Wald hinein. Hier ein Blautäubling, dort ein paar Hallimasch, in der Nähe ein Steinpilz, Ziegenbart und wie sie alle heißen. Stets auf der Suche nach einem großen leckeren Haufen (essbarer Pilze) verging die Zeit wie im Fluge.
Langsam wurde es dunkel. Die Sonne versank hinter den umliegenden Bergen und ich musste zu meinem Erschrecken feststellen, dass ich die Orientierung verloren hatte.
Nun, ich bin nicht gerade zart besaitet aber alleine, mitten im Wald und noch dazu im Dunklen, war mir doch schon etwas mulmig zu Mute.
Ich versuchte mich trotz der anbrechenden Dämmerung zu orientieren und ging zielstrebig und etwas schneller als zuvor in die Richtung, die ich für die richtige hielt.
Je länger ich unterwegs war und je dunkler es wurde, war ich mir auf einmal gar nicht mehr so sicher, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Ich blieb stehen und lauschte in den Wald hinein. Aber außer dem Rascheln des fallenden Laubes und der üblichen Waldgeräusche, wie das Knacken von Holz und dem Flüstern des Windes, war nichts zu hören.
Nur ein leichtes Glimmen, ein Stück weit weg von mir, machte mich stutzig. Neugierig geworden, bewegte ich mich langsam auf dieses Phänomen zu.
Es war eine Art phosphoreszierender Pilz, der sich am Stamm einer umgestürzten Buche breitgemacht hatte. So etwas hatte ich noch nie zuvor gesehen. Vorsichtig strich ich mit einem Finger über den Pilz und ertastete seine Konsistenz.
Irgendetwas ergriff Besitz von meiner Seele und zwang mich, einen kleinen Teil des Pilzes in den Mund zu schieben. Kaum hatte ich dieses Stückchen geschluckt, fiel ich auch schon in einen wirbelnden Lichtkreis, der mich immer schneller umkreiste und mit sich riss.
Als ich erwachte, war alles anders und ich fand mich hoch oben auf einem Felsplateau liegend. Der Wald war verschwunden, die Sonne stand hoch am Himmel, eine steife Briese wehte vom Meer über die Höhen hinweg und schlagartig wurde mir bewusst wo ich war.
Gomera!
Der Pilz von der Buche musste ein Wunderpilz gewesen sein, der mich in der höchsten Not dorthin gebracht hatte, wo ich in meinem Innersten gerne sein wollte.
Gomera!
Da stand ich nun, ohne Wechselklamotten, ohne Ausrüstung, ohne Geld und Papiere mitten auf einer fernen Insel. Weitab von meinem Wald und dem deutschen Herbst. Was sollte ich nun machen?
Egal. Kommt Zeit, kommt Rat, dachte ich bei mir und wanderte los. Immer der Zivilisation entgegen. Nach mehreren Stunden hatte ich endlich eine Hauptstraße erreicht und war irgendwie kein bisschen verwundert, was da auf dem Wegweiser am Straßenrand stand.
Valle Grand Rey 14 km.
Ich brauchte nicht lange zu warten, als auch schon ein Auto anhielt und die Insassen mich bis ins Valle mitnahmen.
Dort angekommen, suchte ich sofort ein paar liebe Bekannte auf. Die Gesichter hättet ihr sehen sollen.
Und als ich dann auch noch meine Geschichte erzählte und die Art und Weise erklärt hatte, wie es mich auf die Insel verschlagen hatte, war es an meinen Bekannten, zu staunen und die Initiative zu ergreifen.
Erst einmal ein großes Dorada, einen Gomera Green und ein leichtes Essen wurde mir kredenzt. Dann fingen wir an, alle Möglichkeiten zu bedenken, wie ich wieder zurück in die Heimat kommen könnte. Und zwar ohne lange Umwege.
Ja, und dann war er auf einmal da. Ein Gedanke. Gekommen um zu zeigen, wie es machbar wäre.
Sofort setzten wir uns an den PC und luden das GomeraCafe hoch. Dort, in den Reiseberichten, bzw. in den Geschichten und Schauermärchen hatte ich schon mal etwas über eine magische Begebenheit gelesen. Das konnte meine Chance sein.
Nach kurzem Suchen war der entsprechende Artikel gefunden und wir lasen ihn zusammen und sehr aufmerksam durch.
Das war die Lösung!
Da es inzwischen spät geworden war, setzten wir uns noch auf ein Gläschen Rotwein auf die Terrasse und genossen den Abend. Ein weiterer Bekannter tauchte auf und bot mir ein Bett für die Nacht, was ich dankend annahm. Immerhin war die Reise ja schon sehr anstrengend gewesen.
Am nächsten Morgen fuhren wir ein Stückchen den Berg hinauf. Ich verabschiedete mich von meinen Bekannten und dankte ihnen für die freundliche Aufnahme und geleistete Unterstützung, bevor ich mich auf den Weg zur Wundergrotte machte.
Da der Kollege aus dem Forum den Weg nicht ganz eindeutig beschrieben hatte, musste ich eine ganze Zeit lang umherirren, bevor ich endlich den Eingang fand. Schließlich erreichte ich auch die Wundergrotte und erblickte die magischen Karfunkelsteine.
Als ich mir einen davon nahm und in die Tasche steckte, dachte ich ganz fest an mein Wohnzimmer, denn nirgends anders wollte ich jetzt hin.
Der wirbelnde Lichtkreis erfasste mich zum zweiten Mal innerhalb weniger Stunden und als ich kurz darauf, jedenfalls kam es mir so vor, die Augen wieder öffnete, lag ich auf meiner großen Couch.
Erst kam es mir so vor, als hätte ich das alles nur geträumt aber der Karfunkelstein in meiner rechten Hosentasche bewies mir das Gegenteil.
Und die Moral von der Geschicht’: Gut das es das GomeraCafe gibt!
Shaddow
