Weibliche Vorliebe beeinflusst Maße der Männchen
Sexuelle Selektion bei Fischen wirkt sich auf Wachstumsgröße aus
Ein Zahnkärpflings-Weibchen aus der oberirdischen Population
Potsdam (pte/22.08.2008/06:05) - Bei der Wahl des geeigneten Männchens schauen Zahnkärpflingsdamen vor allem auf die Körpergröße ihrer zukünftigen Geschlechtspartner. Der Biologe Martin Plath von der Universität Potsdam
http://www.uni-potsdam.de hat mit seinem Team nun in Höhlen in Mexiko entdeckt, wie sich die Weibchen verhalten, wenn sie ihre männlichen Bewerber gar nicht sehen können. Darauf gibt die Evolution zwei unterschiedliche Antworten, wie der Biologe herausfand. Im Wissenschaftsmagazin Biology Letters berichtet Plath über seine jüngsten Erkenntnisse.
"Zahnkärpflinge gehören zu den Alleskönnern unter den Fischen", meint Plath im pressetext-Interview. Den meisten Aquarianern sind Fische dieser Gattung bekannt. Guppys, Platys, Schwertträger und Black Mollys gehören zu dieser Familie, die sich in allen Habitaten - von Gebirgsbächen in Mexiko bis in Brackwasser-Lagunen erfolgreich durchgesetzt haben. "Die Weibchen suchen sich wahrscheinlich deshalb ein großes Männchen, weil es ein Indikator für gute Gene bedeutet", erklärt Plath. Die Bevorzugung eines großen Männchens als Geschlechtspartner sei in der Biologie ein sehr weit verbreitetes Merkmal. "Große Männchen haben allerdings nicht nur Vorteile. Sie können sich erst später als ihre kleineren Artgenossen fortpflanzen, da sie erst nach Abschluss ihres Wachstums geschlechtsreif werden." Außerdem werden größere Fische von Fressfeinden wie anderen Fischen oder Reihern eher bevorzugt. Diese natürliche Selektion wirke also der sexuellen Selektion entgegen. "Aus diesem Kräftespiel der beiden gegensätzlich wirkenden Mechanismen ergibt sich eine obere Grenze für das Größenwachstum der Männchen", erklärt der Wissenschaftler. Zudem führe es dazu, dass sowohl große als auch kleinere männliche Fische innerhalb einer Population vorkommen, da beide "Strategien" Vorteile haben.
"In zwei Höhlen konnten wir Populationen von Zahnkärpflingen Poecilia mexicana entdecken, die sich seit unbestimmter Zeit unabhängig voneinander und von ihren oberirdischen Vorfahren entwickelt haben", erklärt der Forscher. In einer der beiden Höhlen fand das Team sowohl größere als auch kleinere Männchen, in der zweiten allerdings ausschließlich kleinere. "Wir gehen davon aus, dass die Fischdamen in der einen Höhle zur Größenbestimmung ihr Seitenlinienorgan benutzen und möglicherweise zusätzlich den Geruch der zukünftigen Sexpartner wahrnehmen." Es sei offensichtlich, dass die Fische in der ersten Höhle Möglichkeiten gefunden haben, trotz der Dunkelheit die Größe männlicher Artgenossen zu bestimmen. Dadurch blieb der Selektionsdruck auf die Männchen erhalten.
"In der zweiten Höhle war das nicht so", führt Plath aus. "Die Fischweibchen konnten hier die Größe der Männchen offensichtlich nicht bestimmen, dadurch fiel der Selektionsdruck aus." In dieser Höhle habe Körpergröße also keinen Vorteil für Männchen, sondern nur Nachteile. Daher blieben hier alle Männchen klein. "Wir konnten in nachfolgenden Versuchen zeigen, dass nur die fehlende Möglichkeit der Größenwahrnehmung zu diesem Kleinwuchs führte. Der Geschmack der Weibchen hatte sich nicht geändert, wie wir in beleuchteten Becken zeigen konnten", so der Wissenschaftler abschließend im pressetext-Interview. (Ende)
[ Quelle:
http://pressetext.com/pte.mc?pte=080822002 ]