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Hier bitte ein sehr interessanter Bericht des Gelnhäuser Tagblattes
Manche Früchte schmecken am besten, wenn sie überreif sind und dann Minustemperaturen ausgesetzt waren
Es stimmt tatsächlich, manche Früchte erntet man erst nach Frosteinwirkung. Das bekannteste Beispiel dafür sind Schlehen. Die Sträucher (Prunus spinosa) blühen früh vor Blattaustrieb, sind anspruchslos, fruchten am besten in kalkreichen Böden und sonniger Lage. Schlehenfrüchte ähneln kleinen, rundlichen Pflaumen mit verhältnismäßig großem Stein, färben sich mit zunehmender Reife intensiv blau und sind hübsch bereift. Man pflückt möglichst, nachdem sie einmal Frost erhielten, weil sie dann weniger herb schmecken, und verwertet sie für Saft, Marmelade, Likör.
Frost macht auch Mispelfrüchte besser, weil sie erst in überreifem Zustand oder wenn sie eben Frost teigweich machte, angenehm süß-säuerlich schmecken. Lagert man sie etwa 20 Tage, ergibt sich Ähnliches, isst sie dann roh oder verwendet sie zur Herstellung von Saft, Gelee, Marmelade, Mispellikör. Zu einer Delikatesse werden sie in Zucker-Essig-Lösung.
Die Mispel (Mespilus germanica) wächst als Strauch ziemlich sparrig, braucht deswegen ausreichend Platz, gefällt außer mit Früchten mit dekorativen Blättern und großen, weißen Blüten. Sie schätzt tiefgründigen, nährstoff- und kalkhaltigen Boden an warmem Platz in Sonne bis Halbschatten.
Mehlbeeren (Sorbusarten aus der Verwandtschaft der Eberesche) werden ebenfalls erst nach Frosteinwirkung geerntet. Das gilt für die Mehlbeere (Sorbus aria), die Schwedische Mehlbeere oder Oxelbirne (Sorbus intermedia), die Bergmehlbeere (Sorbus mougeotii) und die Elsbeere (Sorbus terminalis).
Besonders die Mehlbeere verdient es, öfter gepflanzt zu werden, als hübscher Hausbaum, weil sie nur 6 bis 15 Meter hoch wird, eine gleichmäßige Krone entwickelt, viel Trockenheit verträgt, gute Bienenweide ist, bei langsamer Entwicklung bis 200 Jahre alt wird. Die kugeligen, runden, ein bis 1,5 Zentimeter großen, roten, zunächst trocken-mehligen Früchte macht Frost weich, süß und essbar, gut für Kompott, in Mischung mit anderen, eher sauren Früchten tauglich für Gelee, Marmelade, Muss, Saft. Man kann aus den Beeren Wein bereiten und sie trocknen für Vogelfutter im Winter.
Die Früchte der Moosbeere (Vaccinium oxycoccos) sind so frosthart, dass sie sich mitunter den ganzen Winter hindurch an den langen, kriechenden und verholzenden Trieben halten. Sie liegen dann mehr oder weniger offen auf den Polstern aus wintergrünen Blättchen, sind erbsengroß und nach den ersten Herbstfrösten essbar. Diese heimische Moosbeere ist verwandt mit Vaccinium macrocarpa, der Kranichbeere (Cranberry) aus Nordamerika. Sie liebt sauren, ständig genügend feuchten Boden. Man verwertet Moosbeerenfrüchte wie Preiselbeeren. Schließlich sei noch an die späte Ernte von Weinbeeren zur Herstellung von sogenanntem Eiswein erinnert.
Als Likörzubereiter sage ich meinen allerherzlichsten Dank für diesen Bericht.
Josef
_________________ Die Bienenzucht ist die Poesie der Landwirtschaft, meint Drohne
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