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[center]„Das Universalgerät eines richtigen Imkers sind die fünf Finger seiner Hand. Die beste Bienenbeute bleibt allzeit der durch Erfahrung gebildete Verstand.“ Jung Klaus / 1915[/center]
Für einige Leute hat das Wort „Hinterbehandlungsbeute" etwa denselben Sinn wie Hinterwäldler. Sie verbinden damit die Vorstellung von bedächtig ihre Bienen bemuttelnden Kantoren und Dorfpastoren. Diese Voreingenommenheit wird jedoch der geschichtlichen Entwicklung nicht gerecht. Als D z i e r z o n den bisherigen Stabilbau durch Leisten beweglich machte, an die er die Bienen ihre Waben bauen ließ, mussten sie vor der Entnahme an den Seiten abgeschnitten werden. Das ging nicht anders als durch Hinterbehandlung und Querbau. Als dann v. Berlepsch, genauer gesagt sein Gehilfe Günther, das seitliche Anbauen durch das ringsum geschlossene Rähmchen verhinderte, blieb es bei der Hinterbehandlung. Drei oder vier Reihen übereinander hängender Rähmchen konnten nicht anders bearbeitet werden.
Als ich anfing zu imkern, das ist nun mittlerweile 30 Jahre her, war die Beute in der ehemaligen DDR große Mode und für mich schnell erreichbar. Das Bienenhaus gehörte einfach zum Landschaftsbild und ohne war eine Bienenhaltung für mich schlecht vorstellbar. Zwar gab es bereits Magazine, sie besaßen aber kaum Anziehungskraft für mich. Und so, wie konnte es anders sein, führte kein Weg am Bienenhaus vorbei.
Meine ersten Beuten, die ich im Frühjahr 1978 samt Zubehör von einem verstorbenen Imker übernahm, waren in Freudensteinmaß (338 x 200 mm). Ein echtes Highlight – doppelwandig mit Seitenwandfuttertrog - ich war stolz ohne Ende! Die Beuten waren zwar eher als Feuerholz zu gebrauchen, aber wie heißt es so schön: „Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul“. Mit der Freudensteinbeute habe ich zwei Jahre geimkert, dann fielen sie auseinander. Dann habe ich umgestellt auf Normalmaß - die Normbeute 52. Die ersten Beuten im Normalmaß habe ich gebraucht gekauft und sie stammten aus dem Jahre 1968, sind aber noch tadellos in Schuss. Die Beschaffung war auch so eine Geschichte. In der damaligen DDR war es nicht so einfach Bienenbeuten frei zu kaufen. Die mussten per Antrag in den Imkervereinen bestellt werden. Ein halbes Jahr hat es gedauert, dann habe ich 10 Beuten bekommen. Fünf Stück in Normalmaß und fünf Stück in Kuntzschmaß. Hab ich zwar niemals bestellt, aber man war froh überhaupt neue Beuten zu bekommen. Die Kuntzschbeuten wurden nach guter alter DDR-Manier mit einem anderen Imker, der ähnliche Bestellprobleme hatte, getauscht. Heute lachen wir darüber, aber es war halt so.
Zur Dreiraumbeute
Alle Hinterbehandlungsbeuten haben einen entscheidenden Nachteil - sie sind für heutige Zuchtbemühungen zu klein! Man kann nur mit einer ausgeklügelten Betriebsweise, mit dem ständigen schröpfen und hinzugeben von Bienen, ich sag mal - die Völker bei Laune halten. Um dem Rechnung zu tragen, wurde die Dreiraum - Hinterbehandlungsbeute entwickelt. Mit ihr ist es möglich, Bienenvölker “ungebremst” entwickeln zu lassen. Mit ihr ist es möglich, fast die gleiche Betriebsweise wie in der Magazinbeute durchzuführen, zwar mit größerem Zeitaufwand, aber es geht. Auch im Honigertrag steht sie der Magazinbeute nur unwesentlich nach. Die ersten Dreiraumbeuten, die ich besaß, waren allesamt umgebaute Normbeuten. Jahre später hatte ich das Glück, einen größeren Posten fast neuer Dreiraumbeuten zu erwerben. Allesamt reine Tischlerarbeit und von bestechender Qualität. Ein Manko bleibt allerdings der Arbeitsaufwand, im Vergleich zum Magazin ist er in der Hinterbehandlungsbeute deutlich größer. Wer sich mit diesem Beutentyp beschäftigt, sollte also Zeit mitbringen.
Zur Betriebsweise
Wir wissen, dass die Beute nicht das allein entscheidende ist, was den Honig bringt. Man sollte die Beute als eine Art Werkzeug betrachten, das zur Gewinnung von Honig und dem Bienenvolk als Schutzhülle gegen äußere Einflüsse dient. In ihr zwingt man das Volk, sich in bestimmten Formen zu bewegen, was durch Einhängen und Entnehmen von Rähmchen geschieht. Ein Absperrgitter trennt Brut und Honig. Würde man unter die Betrachtungen einen Strich ziehen, wäre man beim Magazin angelangt. Es bietet viele Möglichkeiten in seiner Anwendung. Man kann beliebig Zargen aufeinander stellen oder auch untenschieben. Das Volk kommt bei richtiger Anwendung im richtigen Augenblick nie in Raumnot. Und die Raumnot ist es, die dem Imker oftmals Kopfschmerzen bereitet. Insbesondere in Schwarmjahren und bei Massentrachten.
Man kann das Magazin auch als eine Art „Trimm Dich – Beute“ bezeichnen. Für den jungen Imker mag es nichts ausmachen, wenn er Magazine von 20 und mehr Kilo heben muss. Aber was ist mit dem Imker, der körperlich nicht mehr im Besitze seiner jugendlichen Kräfte ist? Oder der nicht gewillt ist auf den Zug der Magazinimkerei aufzuspringen? Für diese Gruppe kann die Hinterbehandlungsbeute eine Alternative sein.
Ein gutes Bienenvolk braucht Platz, wenn es seine volle Leistung erbringen soll. Jedes Einschränken in der Entwicklungszeit bedeutet doch Bruteinschränkung. Bruteinschränkung ist Verringerung des Ertrages. Die Dreiraumbeute ist variabel und bietet dem Bienenvolk seine Geschlossenheit, zwei Bruträume mit geringem Zwischenraum, dazu ein dritter Raum, den man als Reserveraum bezeichnen kann. Er dient als Honigraum, wenn es unten nicht mehr langt. Er nimmt den Ableger, Fegling oder auch den umgeleiteten Schwarm auf. Er ist somit im Vergleich - das dritte Magazin.
Man spricht in letzter Zeit soviel von extensiver Betriebsweise (Brutdistanzierung). In der Dreiraumbeute kann man sie praktizieren. Die Arbeitsweise ist sehr zeitsparend, ein häufiges öffnen des Volkes entfällt. Ein Bienenvolk, das nicht dauernd durch öffnen gestört wird, dankt es mit erhöhter Wiederstandkraft und Ertrag. Alles geschieht bis zur Frühtracht in zwei Räumen. Eingeengt wird nach der Sommertracht, je nach Volksstärke auf 14 - 16 Waben. Das Volk fühlt sich nicht eingeengt, und somit geschieht kein Einschränken des Brutnestes. Das Volk muss nun wieder Kräfte sammeln für die kommende Frühtracht. Die Fütterung erfolgt bei mir sofort nach der letzten Honigentnahme. Sie soll zügig durchgeführt werden, mittels Futtereimer 5 Liter. Somit Anreiz zu erneutem Brutgeschäft und Abarbeitung der Sommerbienen. Auch haben die Winterbienen bei früher Auffütterung noch Zeit, sich ein Fett-Eiweiß-Polster anzulegen. Denn was man im Herbst versäumt hat, holt man im Frühjahr nicht so schnell wieder auf, auch nicht mit Teig und Flüssigfütterung.
Die Biene braucht 40 Tage vom Ei bis zur Sammelbiene. Für die Blüte des Ahorn, Obst, Löwenzahn und Raps braucht man Flugbienen. Die Jungbienen bringen zu dieser Zeit nur den Schwarm. Der erste Eingriff ist kurz vor Beginn der Frühtracht. Noch vorhandenes Winterfutter wird aus dem oberen Brutraum entfernt, man will ja Qualitätshonig ernten. Dabei kann man die Königin in den unteren Brutraum geben und auf diesen das Absperrgitter legen. Somit ist der obere Brutraum zum Honigraum geworden. Zu Beginn der Frühtracht sind 12 Waben in jedem Raum, also insgesamt 24 Waben im Doppelraum. Man kann auch einen Teil der Waben in den dritten Raum hängen und die beiden Bruträume durch Nachrücken der Fenster auf 14 -16 Waben einschränken, aber da wird ein Teil des Honigs verzettelt und es entsteht Mehrarbeit. Werden die Bruträume mittels Absperrgitter getrennt, ist im oberen der Honig ordentlich gelagert. Bei diesem Arbeitsgang entsteht erhöhte Schwarmneigung, dem kann man aber vorbeugen, indem man dem Honigraum einen Teil der Jungbienen nimmt, man braucht dabei nicht zimperlich sein. Man macht einen Fegling (Zwischenableger) im dritten Raum. Dazu gibt man entweder eine Jungkönigin oder eine vorgebrütete Weiselzelle.
Ausgestattet wird der Raum mit Mittelwänden, einer Pollen- und Wasserwabe, dazu etwas Futterteig. Es sind ja nur Jungbienen vorhanden; die Flugbienen fliegen zurück, die man für die Tracht braucht. Auch die Entnahme von Brutwaben aus den Bruträumen ist nicht zu empfehlen, denn dadurch entsteht eine Brutlücke im unterem Raum. Es gibt noch einen Weg der Schwarmverhütung: Absperrgitter raus, wenn Schwarmneigung bei guter Tracht einsetzt. Dies ist manchmal der Fall, wenn der zweite Brutraum verhonigt. Ein Kanal verbindet den oberen Brutraum mit dem dritten Raum über die Flugnische im dritten Raum.
Da noch etwas Brut im oberen Brutraum ist, wird die Königin bald nach oben ziehen, verstärkter Bienenzuzug zum dritten Raum zeigt es an. Nun schiebt man das Absperrgitter wieder ein, die Königin kann nicht mehr nach unten. So nimmt der Schwarm den Weg durch den Kanal in der geschlossenen Flugnische. Von hier zieht der Schwarm über das Flugloch in den mit Mittelwänden ausgestatteten dritten Raum. Sobald dieses erfolgt ist, wird die Flugnische geöffnet, der Kanal geschlossen, das Absperrgitter entfernt. Eine Mehrarbeit entsteht durch die Kontrolle der Schwarmzellen. Wichtig ist bei all diesen Maßnahmen, dass dem Volk die wertvollen Trachtbienen erhalten bleiben.
Nach Abgang bzw. Umleitung des Schwarmes, wird das Absperrgitter wieder entfernt. Es ist keine Königin vorhanden. Dem Volk eine Schwarmzelle zu belassen, wäre ein Schnitt ins eigene Fleisch. Man gibt dem Volk einige vorgebrütete Weiselzellen aus einem nachzuchtwürdigen Volk, das man entweder selbst besitzt oder man besorgt sich Zuchtstoff von einem Züchter. Werden mehrere Königinnen gezogen, kann man sie nach dem Schlüpfen für die Bildung weiterer Ableger verwenden. Auch sollte man nochmals kontrollieren, ob Nachschaffungszellen irgendwo versteckt sind.
Da zwischen der Früh- und Sommertracht eine Trachtlücke liegt, sollte man es nicht versäumen diese Zeit mit einer Futterteig oder auch Maischegabe zu überbrücken, um das Brutgeschäft in Gang zu halten. Diese Trachten verbraucht viele Bienen. Diese Bienen werden bei den bevorstehenden Trachten aus Linde oder Wald gebraucht. Zeigt der Waagstock erhebliche Zunahme an, wird die Königin wieder nach unten gebracht und das Absperrgitter eingeschoben.
Das ist zwar eine unliebsame Nebenarbeit, aber sie muss sein. Man muss ja einen Raum brutfrei bekommen. Nun wird auch zum dritten Raum ein kleineres Absperrgitter eingelegt, man lässt den Ableger / Fegling oder Schwarm einfach mit dem Volk zusammenlaufen. Bei Tracht wird die Königin nur selten abgestochen, ihr Brutnest wird von selbst eingeschränkt. Bei guter Tracht ist es meistens nicht mehr größer als einige Fünfmarkstücke. Weder auf die Königin noch auf das Brutnest kommt es während der Tracht an, wichtig sind nur die Flugbienen. Nach Beendigung der Waldtracht wird das Absperrgitter wieder entfernt, der dritte Raum geschlossen, die unteren Bruträume auf eine Wabenzahl von 14 bis 16 hergerichtet. Man kann auch den Ableger aus dem dritten Raum dazu tun mitsamt der Königin oder man belässt ihn als Reservevolk. Im Frühjahr ist man oft froh, wenn man ein paar Ableger oder Königinnen in Reserve hat. Auch die Winterpause verlangt hier oft ihren Tribut. Das Volk muss wieder wachsen, will man die Frühtracht voll nützen. Ein starkes Wintervolk ist auch widerstandsfähig und gesund. Bei allem Geschehen über das gesamte Bienenjahr braucht man weder etwas zu heben, verstellen noch zu transportieren. Die meisten Maßnahmen werden lediglich mit dem Absperrgitter zum erforderlichen Zeitpunkt getätigt. Wirkliche Eingriffe sind nur bei der Schwarmverhütung und der Honigentnahme, also minimale Arbeitszeiten und wenig Störungen.
Zur Ablegerbildung
Ich richte mich beim Bilden des Ablegers / Feglings nicht nach dem Stand der Schwarmlust, sondern nach der Volksstärke und dem Vorhandensein von Jungköniginnen. Denn eine alte Tatsache ist es doch, dass sowohl starke wie schwache Völker zum Schwärmen neigen. Warum soll man warten bis es soweit ist. Man schröpft ja nur das Volk um Jungbienen, damit die auch wieder Arbeit bekommen bzw. reserviert diese für kommende Trachten. Denn sie sind es ja, die den Schwarmgedanken auslösen. Zusammenfassend kann man sagen, die Dreiraumbeute ist ein gutes Werkzeug für den, der es versteht, mit ihm umzugehen. Die Beute ist variabel, sie bietet die Möglichkeit, mit wenig Griffen das Volk zu lenken und stets in seiner Stärke zu erhalten.
Noch ein Wort zum Bienenvolk selbst. Wer mit zwei Bruträumen arbeitet, der sollte auch sein Bienenvolk darauf einstellen. Ein Volk, das im Juni beginnt, seine Brut einzuschränken, hat auch Platz in einer Zweiraumbeute. Das Volk muss durchbrüten, man braucht sogenannte Dauerbrüter. Es ist nur eine Form der Züchtung. Auch reingezüchtete Carnicavölker haben diese Eigenschaften. Auch sollte man dem Imker, der mit einer Dreiraum-Beute arbeitet, anraten seine Trachtverhältnisse einmal gründlich zu erforschen. Nur eine gute Futtergrundlage sichert den Ertragserfolg. Ein normales Bienenvolk benötigt für sich ca. 30 Kilo Pollen und ebensoviel Honig, das bedeutet viele Tausend Blüten als Nahrungsquelle. Somit kann man vorausschätzen, wie viele Völker man halten kann. Wer dieses nicht in Betracht zieht, wird immer enttäuscht werden. Die Schuld sucht man dann bei der Beute oder beim Züchter, der die Königin geliefert hat, aber dass die Völker die meiste Zeit des Jahres Hunger haben, daran wird selten gedacht. Das Losungswort heißt: „Tracht, Biene, Beute".
Herzliche Grüße
Dieter
_________________ "Echte Imker sind reine Idealisten, Materielles ist ihnen ein Greuel"
Zuletzt geändert von Der Bienen-Much am 05.01.2008, 10:19, insgesamt 6-mal geändert.
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