Bienenforum.com

Ein Forum für Bienen- und Honigfreunde
Aktuelle Zeit: 03.12.2008, 06:15

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 21 Beiträge ]  Gehe zu Seite 1, 2  Nächste
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Honig wiederverfüttern
BeitragVerfasst: 02.06.2008, 10:15 
Offline
Siegerfoto 2008 Kalenderwettbewerb
Benutzeravatar

Registriert: 14.01.2008, 17:52
Beiträge: 355
Wohnort: Hagenbrunn/NÖ u. Steyr/OÖ
Irgendwo im Forum ist schon einmal die Frage gestellt worden, aber ich glaube sie blieb unbeantwortet:
Beim Ausschmelzen der Waben und besonders beim Schmelzen von Entdeckelungswachs bleibt in meinem Solarschmelzer immer eine große Menge Honig übrig. Die habe ich bis jetzt dem Kanal geschenkt.
Ist es (hygienisch, inhaltsstofflich,...) vertretbar, diesen Honig wieder einzufüttern? Oder sprich etwas dagegen?
Wie handhabt ihr das?

Honignichtverschwenderische Grüße

_________________
Reinhard

http://honigfritsch.jimdo.com/

In Wirklichkeit ist die Realität ganz anders


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 02.06.2008, 12:16 
Offline
Moderator Kalenderwettbewerb Siegerfoto 2008
Benutzeravatar

Registriert: 16.10.2007, 10:18
Beiträge: 532
Wohnort: Wien, Güssing
Hallo Reinhard,

Zitat:
Ist es (hygienisch, inhaltsstofflich,...) vertretbar, diesen Honig wieder einzufüttern? Oder sprich etwas dagegen?

Kurze Antwort: NEIN

Auch wenn du deinen Sonnenwachsschmelzer hygienisch rein bekämmest und keine weiteren Verunreinigungen in diesen Honig rein kommen, würdest deinen Bienen wegen dem weit erhöhten Hydroxymethylfurfural (HMF) Wert (wirkt giftig) schaden, da sparst an der falschen Stelle.

Gruß
Astacus


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 02.06.2008, 12:29 
Offline
Administrator
Benutzeravatar

Registriert: 18.01.2007, 00:00
Beiträge: 2164
Wohnort: Schmidatal
@ Reinhard

Auch ich kann mich noch ganz vage an einen solchen Beitrag erinnern, möglicherweise war dies unser @ gärtner. Jedenfalls werde ich mich umgehend nach der Suche dieses Beitrags machen.

Zu Deiner Frage Reinhard: abermals verfüttern sollte man dies aus hygienischen Gründen natürlich nicht. Aber auch für die Alternative Kanal wäre es doch wirklich zu Schade darum.

Als wirklich brauchbarste Möglichkeit böte sich die Verwertung dieses Futters in der imkerlichen Alkoholerzeugung an. Met ansetzen ist zB eine wunderbare Alternative und man benötigt auch am Anfang nicht wirklich eine komplette Kellerausstattung. Ein Glasballon, oder noch billiger eine ausgemusterte Honigkanne aus Plastik genügen vollkommen um Met aus eigener Produktion zu bekommen.

Wir selbst sammeln jeden Gramm Abschöpfhonig, aber auch Honig der bis zum nächsten Tag aus der E-Wanne, Schleuder ect rinnt. Auch dieser wird in der Met- und Likörproduktion verwertet.

LG Josef

_________________
Die Bienenzucht ist die Poesie der Landwirtschaft, meint Drohne


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 02.06.2008, 12:55 
Offline
Siegerfoto 2008 Kalenderwettbewerb
Benutzeravatar

Registriert: 14.01.2008, 17:52
Beiträge: 355
Wohnort: Hagenbrunn/NÖ u. Steyr/OÖ
Danke für die Info, ich habe nicht gewusst, dass HMF für Bienen auch schädlich ist.

_________________
Reinhard

http://honigfritsch.jimdo.com/

In Wirklichkeit ist die Realität ganz anders


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Hier ist der Gärtner
BeitragVerfasst: 02.06.2008, 22:47 
Offline
Moderator Kalenderwettbewerb Siegerfoto 2008
Benutzeravatar

Registriert: 02.03.2008, 22:39
Beiträge: 354
Wohnort: D-Brandenburg
Ja, ich habe tatsächlich einmal schon die Frage gestellt: "Was tun mit den alten Schwarten?" Geraten wurde mir, sie samt und sonders einzuschmelzen, aber ehrlich gesagt, diese Lösung gefällt mir immer noch nicht wirklich gut.

Leider kann ich überhaupt nicht einschätzen, wieviel altes Futter und wieviel junger Honig sich in den Waben befinden.

Gefühlsmäßig würde ich diese Waben vor dem Einschmelzen am liebsten ausschleudern und das "Schleudergut" wieder verfüttern. Aber ich weiß nicht, ob das möglich bzw. ratsam ist.

Wer weiß Antwort?

Grüße von franz


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 03.06.2008, 04:48 
Offline
Siegerfoto 2008 Kalenderwettbewerb
Benutzeravatar

Registriert: 14.01.2008, 17:52
Beiträge: 355
Wohnort: Hagenbrunn/NÖ u. Steyr/OÖ
drohne hat geschrieben:
Ein Glasballon, oder noch billiger eine ausgemusterte Honigkanne aus Plastik genügen vollkommen um Met aus eigener Produktion zu bekommen.



Kannst du das bitte ein wenig näher beschreiben, vielleicht in einem eigenen Thread: "Metproduktion für Anfänger" - Eigene Alkoholerzeugung in alten Kübeln :lol:

_________________
Reinhard

http://honigfritsch.jimdo.com/

In Wirklichkeit ist die Realität ganz anders


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 03.06.2008, 18:58 
Offline

Registriert: 29.01.2008, 19:00
Beiträge: 104
Wohnort: chemnitz, Sachsen
Hallo Leute,

ich muss mich mal der Frage vom Gärtner anschließen, was mit den übrigen Futterwaben zu tun ist. Bisher hab ich sie nicht eingeschmolzen, sondern, wenn keine Verwendung in Ablegern etc. möglich war, nach einer gewissen Zeit entsorgt. Meist waren dann die Wachsmotten schon am Werk und es fiel einem nicht allzu schwer ... :cry:
Ich bin jetzt am überlegen, ob ich meine, durch die Bienenverluste reichlich vorhandenen, -keine alten Schwarten !!!- mit HF 1575 gefüllten, bis heute nicht kandierten Waben ausschleudere und anschließend das Zeug wieder fütter ... oder sollte das Zeug gar aufgekocht werden ???1
ich gebe zu, ein gewisser Geiz ist dabei auch im Spiel, aber den könnte man ja noch eliminieren ...

vielleicht gibt es ein paar Experten, die fundierte Ratschläge geben können.

freundliche Grüße

Wolfgang


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 03.06.2008, 19:26 
Offline
Siegerfoto 2008 Kalenderwettbewerb
Benutzeravatar

Registriert: 01.10.2007, 19:28
Beiträge: 197
Wohnort: Kirchbichl/Tirol
Drohn55 hat geschrieben:
Meist waren dann die Wachsmotten schon am Werk und es fiel einem nicht allzu schwer ...


Für Wachsmotten findest doch sicher einen Fischer der darüber sehr glücklich ist udn dir dafür vielleicht sogar ein paar Wasserbewohner eintauscht.
Nur mal ein Vorschlag.

lg
Konrad


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 03.06.2008, 20:34 
Offline
Administrator
Benutzeravatar

Registriert: 18.01.2007, 00:00
Beiträge: 2164
Wohnort: Schmidatal
@ gärtner & Drohn55

Ich ringe mit mir selbst und auch wenn´s mir als eigentlich recht sparsamen Mnschen schwer fällt, diese Waben würde ich den jungen Bienenvölkern zuliebe als Abschreibposten verbuchen und sicherheitshalber entsorgen. :(

Wie bereits vorhin vermerkt, der Met- oder Likörproduktion könnte man diese allenfalls noch zuführen, aber sonnst taugen die leider nichts mehr.

Ich möchte bitte nicht groß auf den Tisch hauen, aber das wöchentliche 1:1 Futterglas für unsere Ableger sollte einem ein gesunder Bienenstand schon wert sein.

@ Reinhard

Met für Anfänger geht an sich sehr einfach. Beispiel: 10 kg Honig in 30 Liter eher warmen Wasser komplett auflösen. Dann je nach Geschmack Hochgärige Reinzuchthefe in 2 L etwa 30 c warmen Apfelsaft verrühren und diese Masse gewissermaßen als Dampfl verwenden. Wenn sich im Dampfl Blasen bilden, das ganze in die Honig/Wasser/Lösung vorsichtig einrühren und das Gefäß mit einem Gärspund verschließen.

Anmerkung: ich bin ein Metianer der ersten Stunde, allerdings in einer größeren Menge als oben beschrieben.

Josef

_________________
Die Bienenzucht ist die Poesie der Landwirtschaft, meint Drohne


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Eine Gärtner-Idee
BeitragVerfasst: 03.06.2008, 21:10 
Offline
Moderator Kalenderwettbewerb Siegerfoto 2008
Benutzeravatar

Registriert: 02.03.2008, 22:39
Beiträge: 354
Wohnort: D-Brandenburg
Hat eigentlich jemand Erfahrungen mit dem Kompostieren von Bienenwaben?

V.a. interessiert mich, ob das Wachs zersetzt wird. Ich denke das wäre eine bessere Rückführung in den Kreislauf von Werden und Vergehen als die Mülldeponie oder -verbrennungsanlage.

Abendgrüsse von
franz.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 03.06.2008, 21:59 
Offline
Administrator
Benutzeravatar

Registriert: 18.01.2007, 00:00
Beiträge: 2164
Wohnort: Schmidatal
@ gärtner

ich gestehe zwei (Schand)Taten :oops:

1. einmal und niemals wieder entsorgte ich Wildbau aus dem hohen Boden bei einem riesigen Waldameisennest. Larven und Honig war natürlich innerhalb kürzester Zeit weg, aber der Wildbau blieb liegen bis ich ihm die darauffolgende Woche bei der anstehenden Kontrolle wieder mitnahm.

2. Ist schon sehr lange her, aber bei der Umstellung auf Bio wurden die konventionellen Waben nahezu wertlos und alles verkaufen war leider nicht möglich. So entsorgte ich die restlichen Waben beim Komposter und deckte alles wirklich sehr sorgfältig mit Schnittgut vom Rasentraktor zu. Dennoch fanden unglaublich viele Bienen den Weg zu den Waben!

Du hast nun die Wahl.

LG Josef

_________________
Die Bienenzucht ist die Poesie der Landwirtschaft, meint Drohne


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Honig wieder verfüttern
BeitragVerfasst: 15.07.2008, 20:25 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 07.02.2008, 21:54
Beiträge: 10
Wohnort: Aachen
Hallo Imkerfreunde,

Verfüttern von Honigresten eine Kitische Betrachtung zur teilweise noch gängigen Praxis.
Quellenangaben: Bienenvater Heft 4 2001 Seite11
Hansen Die Amerikanische Faulbrut ,Verbreitung, Ausbruch und biotechnische Behandlung ADIZ,25 (11) 6-9,1991
Gruss bienenhans


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 15.07.2008, 21:06 
Offline
Siegerfoto 2008 Kalenderwettbewerb
Benutzeravatar

Registriert: 14.01.2008, 17:52
Beiträge: 355
Wohnort: Hagenbrunn/NÖ u. Steyr/OÖ
Kannst du das bitte einscannen und mit dem Forum verlinken? Ich denke, dass nicht viele diese Beiträge noch zu Hause haben.
LG Reinhard

_________________
Reinhard

http://honigfritsch.jimdo.com/

In Wirklichkeit ist die Realität ganz anders


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 16.07.2008, 17:29 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 09.07.2007, 07:30
Beiträge: 207
Wohnort: Erzgebirge
Verfütterung von Honig und Honigresten

Wohin mit Honigresten (z. B. Entdeckelungswachs), nicht vermarktungsfähigem (z. B. gärigem) Honig oder Futterwaben aus abgestorbenen Völkern? Die vielfach praktizierte Verfütterung an Bienenvölker ist zwar naheliegend – und scheint auf den ersten Blick auch die einfachste und beste Art der Verwertung zu sein. Bei näherer Betrachtung ist diese Vorgangsweise aber höchst riskant und kann in einer wirtschaftlichen Katastrophe enden. Der Grund liegt darin, dass verschiedene Krankheitserreger mehr oder weniger widerstandsfähige Dauerstadien (Sporen) bilden können, die sich auch im Honig finden. Beispiele dafür sind die Sporen der Erreger von Amerikanischer Faulbrut, Kalkbrut oder Nosema. Wird nun sporenbelasteter Honig – ohne ihn vorher zu entseuchen – wieder an Bienen verfüttert, kann dies der Anstoß für einen akuten oder schleichenden Seuchenausbruch sein.

Problem Amerikanische Faulbrut
Mit Abstand die höchsten Kosten für die Sanierung werden durch den Ausbruch der Amerikanischen Faulbrut verursacht. Durch die Ansteckungsgefahr sowie die Auflagen und Sperrgebiete gemäß Bienenseuchengesetz sind auch die Nachbarstände im Umkreis von 3 km um einen Befallsherd unmittelbar betroffen.Daher lohnt es sich, einen Blick auf das mögliche Risiko für die Ansteckung mit Faulbrut durch die Verfütterung von Honig, Futterwaben oder Honigresten zu werfen.

Sporen sind sehr widerstandsfähig!
In der Praxis ist die zuverlässige Abtötung der Dauerstadien von Krankheitserregern – insbesondere des Faulbruterregers – durch entsprechende Behandlung des Honigs bzw. der Honigreste nicht so einfach zu erreichen. Während Nosema- oder Kalkbrutsporen bereits durch kurzzeitiges Erhitzen (Kochen) des Honigs für 15–30 Minuten abgetötet werden, ist dies bei den Sporen der Amerikanischen Faulbrut nicht der Fall. Um auch diese sicher abzutöten, müsste der Honig in einem Autoklaven sterilisiert werden. Diese Methode scheidet für die Praxis aus, da es dabei zu einem starken Anstieg des HMF-Gehaltes kommt, wodurch die Verwendungsmöglichkeit eines so behandelten Honigs als Bienenfutter stark eingeschränkt wird. Wie JACHIMOWICZ und EL SHERBINY (1975) zeigen konnten, verkürzt ein hoher HMF-Gehalt in einer Futterlösung die Lebensdauer der damit gefütterten Bienen. In einem von ihnen durchgeführten Futtermittel-Vergleichstest betrug die Bienensterblichkeit bei einem HMF-Gehalt der Futterlösung von 150 mg/kg durchschnittlich 58 % innerhalb von 20 Tagen. In der Kontrollgruppe, die eine Futterlösung ohne bzw. mit geringem HMF-Gehalt (30 mg HMF/kg) erhalten hatte, war die Bienensterblichkeit im selben Zeitraum mit 12 % bzw. 15 % statistisch signifikant niedriger.

Honigfütterung erhöht das Faulbrutrisiko
Auch hier lässt sich für die Praxis ein stark erhöhtes Infektionsrisiko ableiten, wenn Honig für die Fütterung der Bienenvölker verwendet wird. Ob dabei Schleuder- oder Abschöpfhonig verabreicht wird, ist unerheblich. Solange nur Einzelvölker belasteten Honig erhalten, bleibt die Infektion zu Beginn wahrscheinlich auf diese beschränkt. Kommt es bei diesen Völkern zu einer offenen oder schleichenden Räuberei, werden die Erreger auf Nachbarvölker und Stände verschleppt. Wie Versuche von HANSEN (1991) zeigten, können durch die Verfütterung von künstlich mit Sporen beimpftem Honig klinische Symptome der Amerikanischen Faulbrut ausgelöst werden.

Die eingebrachten Sporen verursachten jedoch nicht grundsätzlich klinische Symptome; in einigen Fällen verschwanden die Symptome auch wieder. Trotzdem kann das Weiterbestehen einer latenten Infektion (= ohne klinisches Krankheitsbild) auch in diesem Fall nicht ausgeschlossen werden. Bevor Honig wieder an Bienen verfüttert wird, sollte durch die vorherige Untersuchung einer Sammelprobe aus allen für die Verfütterung vorgesehenen Honigkannen sichergestellt sein, dass keine Faulbrutsporen darin nachweisbar sind. Die damit verbundenen Kosten sind nur ein Bruchteil des Aufwandes, der im Falle eines Seuchenausbruches zu erwarten ist.

Völkerzusammenbrüche fördern die Seuchenausbreitung
In Zeiten der Völkerzusammenbrüche, wie sie im Gefolge der Varroamilbe auftreten, kennen viele Imker das triste Bild: Starke Bienenvölker, die noch vor wenigen Wochen eine reiche Honigernte eingebracht hatten, sind innerhalb kurzer Zeit vor, während und nach der Auffütterung zusammengebrochen. Ihre Hinterlassenschaft sind bienenleere Beuten, Waben mit Brutresten, volle oder ausgeraubte Futterwaben. Andere Völker – vielleicht die des Nachbarimkers – sind übervoll mit Futter, obwohl nur wenig gefüttert wurde. Nicht in jedem Fall ist eine unerkannte Spättracht der Grund für den Futtersegen, es kann auch Räuberei bei zusammenbrechenden, kranken Völkern gewesen sein.

Was tun mit vollen Futterwaben?
Die Verwertung von Futterwaben ist etwa gleich risikoreich, wie die Verfütterung von Honig. Von 600 Futterkranzproben, die in den letzten beiden Jahren am Institut für Bienenkunde untersucht worden waren, enthielten im Durchschnitt 41 % der Proben Sporen der Amerikanischen Faulbrut. Aus diesem Ergebnis ist wiederum klar und deutlich ein beträchtliches Ansteckungsrisiko für die Bienenvölker abzuleiten, die solche Futterwaben erhalten. Wenn die Verwertung von Futterwaben geplant ist, sollten sämtliche Waben der Spendervölker sorgfältig untersucht werden. Eine Verwertung sollte nur dann erfolgen, wenn sie weder verkotet sind, noch Brutreste enthalten und die Kontrolle aller Waben dieser Völker keinen Hinweis oder Verdacht auf das Vorliegen einer ansteckenden Bienenseuche (z. B. Amerikanische Faulbrut, Kalk, und Sackbrut.) ergeben hat. Aber selbst wenn Sie bei Ihren Völkern keine klinischen Symptome der Faulbrut finden, können Sie ein Ansteckungsrisiko nicht ganz ausschließen.

Es könnte ja sein, daß die Völker durch Räuberei sporenbelasteten Honig (Futter) eingetragen haben und noch keine klinischen Symptome erkennbar sind (Zustand der latenten Infektion). Die Dauerstadien vieler Krankheitserreger bleiben über Jahre ansteckungsfähig und warten auf ihre Vermehrungschance. Der Verzicht auf die Verwertung von ein paar Futterwaben aus abgestorbenen Völkern kann unter Umständen darüber entscheiden, ob in der Folge alle Völker im Falles des Ausbruches Amerikanischer Faulbrut saniert werden müssen oder nicht. Der Wert des in solchen Waben enthaltenen Futters steht in keinem Verhältnis zum Arbeits- und Kostenaufwand einer Faulbrutsanierung. Es sind ja nicht nur die Kosten für den betroffenen Imker zu rechnen, bei dem die Völker saniert werden müssen, sondern auch die Diagnose- und Kontrollkosten des Bienengesundheitsdienstes.

Auch ein allfälliger Ernteausfall durch das Verbot der Wanderung mit den im Sperrkreis befindlichen Völkern muss eingerechnet werden. Die Verwertung von Melezitosewaben kann in diesem Zusammenhang ebenfalls zur Gefahr werden, wenn sie aus einem Volk mit unerkanntem oder noch nicht klinisch sichtbarem Faulbrutausbruch stammen. Daher sollte die Empfehlung, grundsätzlich alle Waben aus abgestorbenen Völkern einzuschmelzen sowie Beuten und Rähmchen zu desinfizieren, in der Praxis als Maßnahme der Seuchenvorbeugung umgesetzt werden.

Infektionsgefahr durch verseuchtes Bienenfutter
Seuchenhygienisch besonders problematisch ist die Gewohnheit vieler Imker, bei der Bereitung des Winterfutters Entdeckelungswachs oder Melezitosewaben in Wasser auszulaugen und die so gewonnene Honiglösung – aufgebessert mit Kristallzucker bzw. Honig – als Basis für das Bienenfutter (Reizfütterung, Trachtlückenfütterung, Winterfutter) zu verwenden. Waren das Entdeckelungswachs oder der verwendete Honig mit Sporen der Amerikanischen Faulbrut belastet, ist – abhängig von Menge und Sporenbelastung des eingesetzten Materials – mit einer Ansteckung sämtlicher Völker, die dieses Futter erhalten, zu rechnen. Aus der Praxis sind uns Fälle bekannt geworden, in denen diese Vorgangsweise für den Imker mit einer wirtschaftlichen Katastrophe geendet hat.

Die Sporenbelastung des daraus von den Bienen bereiteten Winterfutters kann dabei Werte erreichen, wie sie in Futterproben aus Völkern mit klinischen Symptomen der Amerikanischen Faulbrut anzutreffen waren. Selbst das Einschmelzen von Melezitosewaben mit einem Dampfwachsschmelzer tötet nicht alle Faulbrutsporen in der entstehenden Honiglösung ab, wie die Praxis zeigte. Jede der drei „Futterhonig“-Proben, die wir von einem Imker zur Untersuchung erhielten, war mit keimfähigen Faulbrutsporen belastet. Nur die Weitsicht des Imkers, diesen „Honig“ vor der Verfütterung untersuchen zu lassen, bewahrte ihn vor großem wirtschaftlichen Schaden.

Honig, Wachs, Waben und Beuten müssen bienendicht gelagert werden!
In den meisten Bienenzuchtgesetzen der Länder gibt es entsprechende Passagen, in denen die Verwahrung von Honig, Waben und Wachsvorräten geregelt wird. Die weit verbreitete Unsitte, Entdeckelungswachs, Melezitosewaben, ausgeschleuderte Waben und honigfeuchte Geräte von den Bienen im Freien sauberschlecken zu lassen, widerspricht daher klar den gesetzlichen Vorgaben. Diese Bestimmungen sind auch beim Altwabenumtausch einzuhalten. Sind die Waben den Bienen zugänglich – sei es in Aufsatzzargen, Lagerräumen, Zwischenlagern von Wachssammelstellen und -verarbeitern, oder während des Transports auf offenen Ladeflächen –, besteht für alle Völker im Flugbereich erhöhte Ansteckungsgefahr.

Vor Abgabe an die Sammelstelle oder an den Wachsverarbeitungsbetrieb müssen daher die Waben bienendicht verpackt (Säcke, Kartons) werden. Auch für den Imker bietet die Verpackung Vorteile, da sie die Verunreinigung der Lagerräume und Transportfahrzeuge vermeiden hilft. Die Lagerung muss so erfolgen, dass Bienen keinen Zutritt zu den Lagerräumen haben. Beschädigte Verpackungen durch Transport oder Mäusefraß sollten so rasch als möglich wieder bienendicht gemacht werden. Die Annahme unverpackter Waben sollte von den Wachssammelstellen grundsätzlich abgelehnt werden. Jeder Imker erwartet von diesen Betrieben besondere Hygiene und Sauberkeit, die aber nicht gewährleistet werden können, wenn nicht auch er seinen Teil dazu beiträgt.

Welche Möglichkeiten zur Verwertung von Überschusshonig und Honigresten gibt es?
Grundsätzlich sollte versucht werden, das Aufkommen von Honigresten so gering als möglich zu halten. Der Einsatz von entsprechenden Honigsieb- und Kläreinrichtungen (z. B. Melitherm-Honigschmelz- und Siebgerät) trägt wesentlich dazu bei. Größere Mengen an Schleuder- oder Melezitosehonig können über die Meterzeugung veredelt werden, sofern sie qualitätsmäßig dafür noch geeignet sind. In den Imkerzeitschriften finden sich fallweise Anzeigen von Meterzeugern, die eine Umtauschmöglichkeit von Honig bzw. Melezitosewaben in Met anbieten.

Auch der Einsatz als Backhonig ist eine Möglichkeit der Verwendung. Falls jemand auf die Verfütterung von Honig unter keinen Umständen verzichten will, sollte durch vorhergehende Untersuchungen sichergestellt sein, dass er keine Faulbrutsporen enthält. Weiters ist es ratsam, die Verfütterung auf eine kleine Gruppe von Völkern zu beschränken, die isoliert aufgestellt und verstärkten Brutkontrollen unterzogen wird.

Zusammenfassung
Der Genuss von Honig, der Sporen der Amerikanischen Faulbrut enhält, ist für den Menschen ungefährlich. Der Erreger befällt nur das Larvenstadium der Bienen. Die Verfütterung von Honig, Honigresten und Futterwaben kann im Falle einer Belastung mit Sporen von Krankheitserregern das Ansteckungsrisiko bei den Empfängervölkern erhöhen und einen akuten Krankheitsausbruch hervorrufen.

Durch Räuberei bei schwachen oder zusammengebrochenen Völkern kommt es sehr häufig zu einer Ansteckung der Nachbarvölker und Nachbarstände. Daher sind ausgeraubte und tote Völker unverzüglich zu entfernen und die Beuten und Wabenreste sicher zu verwahren. Auch der Zugang von Sammelbienen zu Waben und Honigresten muss durch geeignete Vorbeugungs- und Lagereinrichtungen verhindert werden, um die Gefahr der Seuchenverbreitung niedrig zu halten.

Quelle:
Der Orginalbeitrag ist erschienen im "Bienenvater" Heft 4, 2001, Seite 11

"Verfütterung von Honig und Honigresten erhöht Faulbrutrisiko"
Dr. Rudolf Moosbeckhofer, Dr. Irmgard Derakhshifar, Mag. Barbara Holzschuster, BUNDESAMT UND FORSCHUNGSZENTRUM FÜR LANDWIRTSCHAFT, INSTITUT FÜR BIENENKUNDE, WIEN,

Quellverzeichnis:
JACHIMOWICZ, T., EL SHERBINY: Zur Problematik der Verwendung von Invertzucker für die Bienenfütterung. Apidologie, 6 (2), 121–143, 1975

HANSEN, H.: Die Amerikanische Faulbrut – Verbreitung, Ausbruch und biotechnische Behandlung. ADIZ, 25 (11), 6–9, 1991

_________________
"Echte Imker sind reine Idealisten, Materielles ist ihnen ein Greuel"


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 17.07.2008, 10:57 
Offline
Siegerfoto 2008 Kalenderwettbewerb
Benutzeravatar

Registriert: 14.01.2008, 17:52
Beiträge: 355
Wohnort: Hagenbrunn/NÖ u. Steyr/OÖ
Danke für das Einstellen dieses interessanten und aufschlussreichen Artikels.

Eine Frage eröffnet sich aber doch:
Wenn es so ein Problem ist, Honig, der beim Entdeckeln anfällt nicht wieder zu verfüttern, weil dadurch eventuell Sporen der Faulbrut verteilt werden könnten, dann ist es aber meiner Ansicht nach das gleiche Problem, wenn ich ausgeschleuderte, Honigfeuchte Waben wieder in die Stöcke hänge.
Es ist ja gar nicht möglich, immer die gleichen Waben in die selben Völker zurückzuhängen. Dadurch kommt es ja zwangsläufig zu einer Durchmischung von Honigfeuchten Waben in verschiedene Völker.

Wie sehen andere Imker dieses Problem? Ist es überhaupt ein Problem?

Nachdenkliche Grüße

_________________
Reinhard

http://honigfritsch.jimdo.com/

In Wirklichkeit ist die Realität ganz anders


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 21 Beiträge ]  Gehe zu Seite 1, 2  Nächste

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Wer ist online?

0 Mitglieder


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  
Powered by phpBB © 2000, 2002, 2005, 2007 phpBB Group
Style based on FI Subice by phpBBservice.nl
Hosted by iphpbb3.com
Beliebteste Themen: Forum, Foto, Liebe

Impressum