Habe hier mal einen kleinen Artikel über die Videospiele unserer Zeit gefunden... ist ganz interessant. ;)
Vor gar nicht allzu langer Zeit stand ein Gamer in einem Kaufhaus in der Software-Abteilung. Das war ich. Ich wollte mir gerne ein neues Spiel für meinen GameCube leisten. Allerdings war ich nicht gerade sehr kaufkräftig, sondern eher getreu dem Motto „Schauen wir mal was es denn so gibt!“. Meine Blicke wanderten durch die Regale: Mario Kart, Mario Smash Football, Mario Baseball, Mario Party, Mario Golf, Mario Tennis, …
“Hilfe!”
Aus Angst davor, auf ein Spiel mit dem Titel “Mario Super Curling” zu stoßen, flüchtete ich. Ebensowenig Lust hatte ich auf diese Multiplattform-Lizenzspiele von EA und Konsorten zu Spongebob, Disney oder der dreiß____ Superhelden-Verfilmung. Außerdem mal kurz angemerkt: Welcher Sport-Fan hat denn genug Geld um jedes Jahr EA’s neuen FIFA-, NHL-, NFL-, Fußball Manager-, oder sonst was Ableger zu kaufen. Und durch diese Multiplattform-Politik sehen diese EA-Spiele ja auf jeder Konsole gleich aus! Wenn ich mich jetzt nicht entscheiden kann, ob ich FIFA 2006 gern unterwegs oder Daheim an der Konsole spiele, dann muss ich ja zweimal dasselbe Spiel kaufen!
Ok, GameCube tote Hose. Also ganz fix beim Nintendo DS nachgeschaut. Allerdings gab es dort auch nur solche „Minispiele“ mit dem Aufkleber „Kauf’ mich, ich kann Touchscreen und Mikrofon nutzen!“. Die sehen dann optisch alle gleich aus. Nämlich 2D. Am besten kopieren sie gleich den kompletten Grafikstil von irgend so einem SNES-Vorgänger. „Yoshi Touch ‚n’ Go“ hat das ja ganz toll vorgemacht und geklappt hat’s auch. Deswegen hat man hier wohl auch gleich mehr 2D-Minigames hinterher geschoben. Oder diesen großen Haufen an Puzzlegames. Also Meteos hätte für mich vollkommen ausgereicht, aber nein, da kommen ja gleich 10 weitere. Auf dem GBA auch nicht besser: Die Regale nur voller SNES-Neuauflagen von irgendwelchen Rollenspielen. Nintendo greift da sogar noch weiter in die Trickkiste und kramt Spiele zu NES-Zeiten raus, die dann neu aufgelegt werden. Zum Beispiel die Spielereihe „Super Mario Advance“. Diese enthält ausschließlich Remakes. Lustigerweise enthält „Super Mario Advance 1“ ja den zweiten NES-Teil, weil dieser damals „nicht so“ erfolgreich war. Und sonst? Lizenzspiele. Richtige Spieleperlen wie „Golden Sun“ oder „Fire Emblem“ werden nicht mehr entwickelt. Man setzt sich nur noch an Remakes, damit sich der GBA noch ein Weilchen hält. Kaufkraftfördernde Spiele die auch wirklich gut sind, wie zum Beispiel „Advance Wars“ erscheinen jetzt auf dem DS, damit da die Hardware-Absätze steigen. Das Spiel „Advance Wars DS“ ist dann aber logischerweise in GBA-Grafik gehalten. Höchstens neue, funktionierende Konzepte landen noch auf dem GBA, so zum Beispiel Polarium. Jetzt kann man sich hier hin und her streiten ob dieses Spiel nun unnütz umgesetzt wird, oder dass es aufgrund der Spielmechanik von Beginn an für den GBA und nicht den DS hätte erscheinen sollen.
Vor lauter Verlegenheit wanderte ich zu Sony: In der PSP-Abteilung ließ ich meine Blicke schweifen. Fifa 2006, ____: Liberty City Stories und ein Haufen Rennspiele lachten mir mit ansprechenden Verpackungen entgegen. Als ich mir die Spiele genauer ansah, merkte ich: „Hey, das kennst du doch alles von der PS2!“. Lauter bekannte Marken füllen das PSP-Regal. Marken, die alle schon mal irgendwie bei mir zu Hause in der Konsole lagen, egal ob Pro Evolution Soccer oder Ridge Racer. Kopfschüttelnd wand ich mich auch hier ab, denn spätestens bei „dem Kartenspiel-Gemetzel mit Solid Snake“ hatte ich überhaupt keine Lust mehr Geld auszugeben.
Ich wollte mich damit nicht begnügen und schaute zu Hause einmal genauer im Internet nach. Als gefestigter Nintendo-Spieler begann ich meine Suche in den bekannten Territorien.
Seit dem NES zu Beginn der 80er gibt es eine unzählige Anzahl an Spielen, in denen „Mario“ auftaucht. Es geht in die dreistelligen Bereiche. Besonders auf dem Nintendo 64 wurde ein Trend bei Nintendo deutlich: In allen Spielkonzepten ihre Trademarks zu integrieren. Was auf dem NES Früchte trug, führt das japanische Traditionsunternehmen durch jede Konsolengeneration. Tradition? Japp! Seit dem N64 gibt es auf jedem Nintendo-System ein Kart-, Tennis- und Golf-Spiel mit Mario. Jetzt sagen sicher einige „Hey, was ist mit dem DS, da gibt’s noch kein Mario Tennis?!“. Ich sage: „Kommt noch, die Karts hatten wir ja schneller als wir „Lizenzausschlachtung“ schreien konnten!“. Und darauf verwette ich meine Spielesammlung! Ebenfalls auffällig: Neben Mario ziehen sich drei Charaktere durch die Konsolen-Ära von Nintendo: Link, Samus Aran und Donkey Kong. Ebenso zu erwähnen sind die mittlerweile weit über 350 existierenden Pokémon. Doch Pokémon ist eine Geschichte für sich, die jeder kennt und die ich hier nicht neu ausrollen möchte, da sie die Kapazität dieser Kolumne sprengen würde.
Ziehen wir hier also ein Fazit: Nintendo führt seit dem Super Nintendo alle erdenklichen Serien weiter, die auf ihrem Mist gewachsen sind. F-Zero, ____, Zelda, Mario, Donkey Kong und einen Haufen Weitere. Jetzt kann man sagen „Oooh, Nintendo DS und Revolution sind ja sooo innovativ!“, aber dann sage ich: „…Wird das nicht langweilig?“. Aufwachen, liebe Fanboys. Vielleicht werden Spiele innovativer bei Nintendo, das hilft aber nichts, wenn zum tausendsten Male Mario über den Bildschirm hüpft. Und noch dazu sei gesagt: Es nimmt ja auch kein Ende. Mittlerweile sind wir bei Mario Party Teil 7 angelangt. Ich habe nicht die Motivation zum siebten Mal ein Partyspiel zu kaufen, nur weil es ein paar neue Features und Minigames hat und so ein doofes Mikrofon benutzt. Jetzt mal ehrlich, wir wünschen uns doch von Nintendo alle den gleichen Satz: „Guten Tag, dies ist unsere neue Konsole und dies der Mario-freie USK18-Shooter, den wir zum Launch heraus bringen werden!“.
Zum Glück bin ich schon lange runter vom Fanboy-Trip. Schauen wir also mal was Sony so mit seinen Marken anstellt. Fakt ist hier: Sony hat längst nicht so bekannte und etablierte Marken wie Nintendo, welche seit dem NES bekannt gemacht wurden. Einen Trick, den Sony stattdessen gerne verwendet: Image und Geld. Durch die große Konsolenbasis und den Erfolg der PSone war diese Konsole für die Entwickler erste Wahl. Jetzt baut Sony darauf auf und klebt überall den Namen „Playstation“ drauf. Dieser Name hat inzwischen mindestens genau so viel Aussagekraft wie das Label „Game Boy“. Bei Spielen ist dies übrigens nicht anders, oder warum denkt ihr, ist Entwickler Square-Enix bei „Final Fantasy“ schon bei Teil 12 (Spin-Offs nicht mitgerechnet!) angelangt.
Nun ist es kein Geheimnis, dass Sony gerne mal ein paar Schmiergelder verteilt. Zum Beispiel an Rockstar, damit das aktuelle ____ noch ein Weilchen PS2-Exklusiv bleibt. Allerdings kommen bei Sony einige Faktoren dazu, die sich mit der Zeit ergeben haben und die inzwischen jedoch auch schamlos ausgenutzt werden. Zum Beispiel der gute alte Monopolist. Sony hat die größte Hardwarebasis an Konsolen weltweit mit der PS2. Für die Entwickler also erste Wahl, wenn sie möglichst viele Spiele absetzen wollen. Wahl? Nein, das sind Vorgaben. Hier kommen die Publisher ins Spiel. Sie achten nicht mehr großartig auf Innovationen eines Titels sondern lediglich auf Image und Hardware-Basis der Konsolen. Welche Käufergruppe besitzt welche Konsole? Auf welcher Konsole können wir die meisten Spiele absetzen? Wo besteht die größte Hardware-Basis? Hier sei Nintendo mit dem Begriff „Kiddie-Image“ als Beispiel gebracht.
Kommen wir aber noch einmal zurück zu Sony, diesmal mit einem anderen Faktor: Der Technik. Sony schießt ja gerne mal über das Ziel hinaus. Nehmen wir zum Beispiel die technischen Spezifikationen der PS3. Aber das nur am Rande, denn das Beispiel „PSP“ ist weitaus eindeutiger. Von den technischen Möglichkeiten her kann man sagen: „Ein PS2-Spiel ließe sich ganz gut auf der PSP umsetzen.“ Und für die Publisher heißt das übersetzt:
Einfach = Günstig = Gut = Machen wir!
Folge: Auf der PSP werden wir mit Umsetzungen überhäuft. Ach wie toll, dass Codemasters „DTM Race Driver“ bringt und dann auch noch von Magazinen gelobt wird „Wie wenig Abzüge im Vergleich zur PS2-Version gemacht wurden!“. Einige Entwickler gehen noch dreister vor: Zum Beispiel Rockstar mit „____: Liberty City Stories“. Das Spielgeschehen findet sich in „Liberty City“, der Stadt aus „____“ wieder. Na, wer hat’s gemerkt? Jetzt bekommen wir das gleiche Spiel unter neuem Namen erneut serviert! Halt, Moment, das neue ____ hat doch neue Missionen! Äh, wie bitte? Mir soll keiner erzählen, dass es nach „____“, „____“ und „____“ noch Ableger dieser Serie gibt, die von sich behaupten können, sie hätten 100% neue und vor allem nie da gewesene Missionen zu bieten. Sicher mögen die Spiele (mitunter) sehr fesselnde Story-Verläufe bieten, doch im Endeffekt sind die Haupthandlungen denen der Spieler in den ____-Spielen nachgeht recht identisch. Natürlich wird noch mal einer draufgesetzt: Erst als PSP-Exklusiv angekündigt, erscheint „____: Liberty City Stories“ bald auch für PS2. Natürlich als Vollpreis-Spiel. 60€. Die habe ich dann zwar vor einigen Jahren schon für "____“ ausgegeben, aber das interessiert die Publisher ja nicht. Bin ich also 120€ ärmer und habe zwei Spiele mit dem selben (grafischen) Inhalt.
Für die PSP gibt es aber noch einige andere Beispiele die auch ganz besondere „Anwendung“ finden: Das sind zum einen generelle Serienableger wie „Crash Team Racing“ oder „Prince of Persia“, die die Publisher einfach auf den Markt werfen – Hauptsache sie sind präsent. Ich kann mir kein Videospielsystem mehr vorstellen, auf dem Ubi Soft es versäumen würde einen Ableger von „Prince of Persia“ oder „____“ zu bringen. Ebenfalls erwähnenswert: UMD-Filme. Diese bieten nur die Möglichkeit unterwegs einen Film zu sehen. Jetzt kann ich mir sagen „Ok, darauf verzichtest du und schaust die Filme zu Hause am Fernseher auf der DVD, die preis-/leistungsmäßig weitaus Besseres bietet als eine UMD auf der PSP.“. Allerdings gibt es die UMD-Filme trotzdem. Warum? Weil auch die Filmstudios wissen: „Wir haben einen Film. Wir haben die PSP. Da ist ein neuer Markt, und da können wir Geld machen.“. Wenn ich nun also meinen Liebling „Fluch der Karibik“ auch mal unterwegs ansehen möchte, dann muss ich den Film zweimal kaufen. Einmal auf DVD, und einmal auf UMD. Schließlich ist es ja illegal eine kopiergeschützte DVD zu rippen, um diese dann auf der PSP anzusehen.
Und noch mal am Rande: Auf der PSP erschien ____ im November. Ideal fürs Weihnachtsgeschäft. Auch dies ist ein – wenn auch sehr zweifelhafter - Punkt. Ich will Sony nicht unterstellen, dass sie horrende Summen zahlen, damit Rockstar eben schnell ein ____ für die PSP auf den Markt wirft, damit dieses sich zu Weihnachten gut verkauft, doch zutrauen würde ich Konsolenherstellern oder auch Publishern alles. Schließlich sind Lizenzspiele ja auch pünktlich zum Start des Kinofilms auf dem Markt.
Mal im Ernst: Irgendwie werden wir hier zur Musikindustrie. Den Publishern fällt dann bald nichts Neues ein, die Absätze sinken und sie fangen an, sich zu beschweren, dass alle Welt raubkopiert. Aber was erwarten sie von den Käufern, wenn diese zum zehnten Mal dasselbe Spiel in veränderter Form vorgesetzt bekommen und dann auch noch den Vollpreis zahlen sollen?
Eine Zukunft mit Mainstream-Spielen und Remake-Aufgüssen? Ohne mich! Ich habe schon mein SNES rausgesucht. Zu der Zeit war die Videospielwelt noch in Ordnung. Aber keine Sorge, wer kein SNES hat, der braucht nicht gleich verzweifeln: Es gibt wirklich noch gute Spiele auf dem Markt. Ich denke da zum Beispiel an jüngste Erscheinungen wie „Animal Crossing: Wild World“, wo man mit den WiFi-Optionen viele neue Möglichkeiten hat. Auf dem GBA kann man Abwägen, was man von den Remakes halten soll, denn aktuelle Remakes wie „Tales of Phantasia“ oder „Final Fantasy IV“ erschienen zu den echten SNES-Zeiten nicht in Europa. Auch die PSP hat ja gute Seiten. Die Entwickler Guerilla machen sich ja offenbar richtig Gedanken zu ihrem PSP-____, damit es eine gute – und nicht lieblose – Markenumsetzung wird.
Quelle: http://www.planetds.de













