Re: Killer die 17 - Ivan Klasnic !
von Stone Cold Steve Austin am 26.11.2007, 10:24
Bericht von Björn Knips, Sportredakteur der Kreiszeitung Syke
"Dem Wunder sollen Tore folgen !!!"
Typisch Klasnic: Nach seinem sensationellen Comeback hat der Werder-Profi schon den nächsten Traum
Welcher Fußballer kennt sie nicht, die Wunder von der Weser? Da wurden schier aussichtslos erscheinende Ergebnisse noch umgebogen. Wirklich schöne Geschichten, die natürlich in keiner Chronik von Werder Bremen fehlen dürfen. Doch das alles verblasst seit Samstag: Denn da gab’s das echte Bremer Wunder, das Comeback von Ivan Klasnic, dem ersten Fußball-Profi weltweit mit einer Spenderniere.
Der "Killer", wie der 27-jährige Torjäger in Bremen ehrfurchtsvoll genannt wird, ist zurück. Doch nach dem Traum ist vor der Traum. So denkt zumindest Klasnic und setzte sich nach seinem 64-minütigen Bundesliga-Comeback beim 2:0-Erfolg in Cottbus gleich wieder unter Druck: "Also, es soll nicht so weitergehen, dass ich keine Tore schieße . . ."
Ja ist denn dieser Ivan Klasnic niemals zufrieden? 342 Tage hatte er auf sein 136. Bundesliga-Spiel warten müssen. Eine ganz bittere Zeit. Denn gleich zweimal musste sich der Kroate einer Nierentransplantation unterziehen. Der erste Versuch mit dem Organ seiner Mutter misslang. Die Hoffnung schwand, ein höchst eingeschränktes Leben an der Dialyse drohte. Doch die nächste Transplantation mit einer Niere seines Vaters hatte Erfolg - und Klasnic dachte nur noch an eines: "Ich komme zurück."
Diese Einschätzung hatte er ziemlich exklusiv. Kaum jemand traute ihm das zu. Doch Klasnic suchte sich Vorbilder - und fand sie in dem US-Basketball-Star Alonso Morning und dem neuseeländischen Rugby-Profi Jonah Lomu. Die hatten es schließlich auch geschafft.
Jetzt fühlt er sich selbst als Vorbild: "Man kann so etwas erreichen, wenn der Wille vorhanden ist." Der Stolz, der in seiner Stimme mitklingt, ist nicht zu überhören. Er hat es allen gezeigt und auch gegen sich selbst gewonnen. Denn die Zeit war nicht leicht. "Ivan hat unglaublich gelitten", erinnert sich Sportchef Klaus Allofs: "Denn Fußball ist ein ganz wichtiger Bestandteil seines Lebens."
Bei der Frage, ob er vor seiner Bundesliga-Rückkehr auch etwas Angst gehabt hätte, kann Klasnic nur müde lächeln: "Ich habe in den elf Monaten so viele Qualen gehabt, da ist so ein Spiel das kleinste Problem." Sein in der Leistengegend eingesetztes Spenderorgan sieht er durch einen speziellen Schutzgurt aus Fieberglas bestens geschützt. Von Zurückhaltung auf dem Platz war bei ihm gegen Cottbus deshalb nichts zu sehen. Klasnic ging voll zur Sache. Und schnell waren auch bei den Vereinsverantwortlichen letzte Bedenken verschwunden. "Natürlich habe ich gedacht, dass man bei Zweikämpfen von Ivan zusammenschreckt, aber das wird sehr schnell Normalität", meint Allofs.
Und wie gehen die Gegner mit einem Spieler wie Klasnic um? "Ich kann keine Rücksicht auf ihn nehmen", sagt Cottbus‘ Keeper Gerhard Tremmel: "Wenn die Ärzte grünes Licht geben, dann muss es doch okay sein, dass er spielt."
In der Champions League steht die Ampel für Klasnic dagegen auf Rot. Allerdings nur, weil ihn Werder im August für die Königsklasse verständlicherweise nicht gemeldet hatte. Ohnehin muss sich der Stürmer in Zukunft wohl in Geduld üben. "Es gibt nur das eine Ziel: Ihn an seine alte Leistungsstärke heranzuführen. Das kann so aussehen wie in Cottbus, kann aber auch bedeuten, dass wir die Geschichte noch einmal zurückschrauben", stellt Allofs klar. Klasnic scheint das, bei allem Antrieb und Kampfgeist, verstanden zu haben. "Ich muss mich in der Mannschaft wieder etablieren und muss auch Gas geben, wenn ich weniger spielen sollte."
Töne, die das nicht immer einfache Verhältnis zwischen Verein und Spieler weiter verbessern werden. Eine Fortsetzung des im Sommer eigentlich endenden Arbeitsverhältnisses scheint möglich. "Wir haben den Wunsch, aber es ist auch Ivans Entscheidung", sagt Allofs. Natürlich müsse die weitere sportliche Entwicklung abgewartet werden - aber der aktuelle Eindruck ist mehr als positiv: "Ich fand’s toll. Ivan hat gezeigt, dass er unserem Spiel gut tut", urteilt Allofs und wundert sich: "Auf diesem Niveau ist das wirkliche eine positive Überraschung." Ein wahres Wunder eben . . .
...and that's the bottom line - because Stone Cold said so!