Münchener tz von heute:
Wir können nicht alle wegfegen!
Finanzen, Stars und Euphorie - Manager Hoeneß redet Klartext
Nach dem Spiel gegen Schalke verschwand Bayern- Manager Uli Hoeneß kommentarlos. Gestern dann stellte er sich den Fragen, sprach über den bisherigen Saisonverlauf, den anstehenden Uefa- Cup-Beginn und den Zauber- Fußball in der Allianz Arena.
Herr Hoeneß, auf drei Bayern- Siege folgten zwei Unentschieden. Die Rückkehr zur Normalität?
Hoeneß: Dieses hochjazzen haben nicht wir begonnen. Die Bayern-Führung hat nie von einer Übermannschaft gesprochen oder davon, dass wir davonziehen. Wir werden auch nicht alles in Grund und Boden spielen. Jetzt haben wir das eine und andere Unentschieden. Wir sind auf Platz eins, und unsere großen Konkurrenten sind vier Punkte dahinter. Jetzt beginnt die Champions League. Jetzt muss die Konkurrenz mit ihren kleineren Kadern reisen, die schwierigen Spiele machen und Kraft lassen.
Folgt am Donnerstag gegen Belenenses das dritte Unentschieden in Folge?
Hoeneß: Wir müssen diese Runde überstehen. Wie, ist mir egal. Ich gehe davon aus, dass wir gewinnen. Belenenses ist ein nicht zu unterschätzender Gegner. Die können auch kicken. Es wird auch im Uefa-Pokal keine leichten Gegner geben. Deswegen sind alle gut beraten, uns nicht einreden zu lassen, Belenenses sei leicht zu schlagen.
Auch die Verfolger in der Bundesliga sind nicht gerade furchteinflößend. Bielefeld, Frankfurt…
Hoeneß: Natürlich finde ich es toll für die Kultur der Bundesliga, wenn Bielefeld, Frankfurt und Berlin kurz hinter Bayern stehen. Am Ende, da bin ich sicher, werden die Gegner aber Stuttgart, Schalke, Bremen sein. Vor allem Schalke. Die haben mir sehr gut gefallen.
Nach der letzten Saison wurde die Einkaufs-Politik geändert. Sind Sie bisher zufrieden?
Hoeneß: Ich kann nur sagen, dass ich mit dem Status Quo der Mannschaft zufrieden bin. Die Situation des Vereins ist total stabil. Die Lage ist besser als vermutet. Es sieht jetzt schon so aus, dass wir das wirtschaftlich schwierige Jahr in den Griff kriegen. Möglicherweise sogar mit einem Gewinn abschließen können. Wir haben elf Punkte nach fünf Spielen, kein Spiel verloren und ein fantastisches Torverhältnis. Die Zuschauer waren auch am Samstag sehr zufrieden. Wir haben gegen Schalke gespielt. Zehn Mann von uns waren in der Welt mit der Nationalmannschaft unterwegs und wir haben speziell in der ersten halben Stunde toll gespielt.
Wäre eine von den vielen Chancen drin gewesen, wäre es anders gelaufen. Das könnten auch die Schalker behaupten…
Hoeneß: Schalke hat fantastisch gekontert, und wir haben ein tolles Spiel gesehen. Wir sollten alle aufhören zu denken, dass wir jetzt die Gegner nur noch aus dem Stadion fegen. Wir wollten den Zuschauer tollen Fußball bieten. Und in allen drei Heimspielen haben wir das meiner Meinung nach geboten. Wir tun alle gut daran, nicht arrogant zu werden.
Wie sehen Sie Schweinsteigers Entwicklung?
Hoeneß: Zu einzelnen Spielern gebe ich in der Öffentlichkeit nie eine Antwort. Aber eines ist klar. Das Spiel am Samstag hat gezeigt: Schalke ist nicht Wales.
Gibt es eine Mannschaft, die den Bayern Paroli bieten kann?
Hoeneß: Die Dinge funktionieren Schritt für Schritt. Ich glaube, die Bundesliga ist sehr stark. Ich hoffe, dass man das auch international sehen wird. Es wird für den FC Bayern kein Honigschlecken, Meister zu werden. Es ist unser klares Ziel, keine Frage. Aber auf dem Weg dahin wird es Rückschläge geben. In unserer großen Zeit mit Franz Beckenbauer gab es auch mal Niederlagen. So lange es so bleibt wie in Hamburg und gegen Schalke, sind wir zufrieden. Die Mannschaft hat Spaß und das Publikum auch.
Ribery hat großen Anteil daran, oder?
Hoeneß: Da ist schon genug darüber gesprochen worden. Wir wollen ihn jetzt wieder im Rechteck beobachten und nicht Geschichten über ihn lesen. Er ist 24 und aus Marseille nicht gewöhnt, was da gerade mit ihm passiert. Der Erfolg ist nicht ausschließlich mit ihm verbunden. Man sollte nicht alles an einer Person festmachen. Klose hat vier Tore geschossen. Toni ist sehr wichtig. Man tut den anderen Spielern unrecht, wenn man alles nur an Ribery festmacht. Heute beginnt die Champions League.
Mit welchen Gefühlen beobachten Sie das – und wie wichtig ist der Uefa-Cup?
Hoeneß: Ich finde es extrem schade, dass wir nicht mitspielen. Wir haben uns die Suppe selbst eingebrockt und dürfen deshalb nicht lamentieren. Das ist eine sportliche Niederlage gewesen. Es wird ein Intermezzo für ein Jahr. Nächstes Jahr werden wir wieder dabei sein.
Wie hoch ist die finanzielle Einbuße?
Hoeneß: Das kann ich am Ende des Jahres sagen. Wenn wir ganz gut sind, werden wir trotzdem Geld verdienen.
Wie sehen Sie derzeit die Schiedsrichter-Leistungen in der Bundesliga?
Hoeneß: Es ist schön zu sehen, dass nicht nur wir uns damit beschäftigt haben. Dass das Thema diskutiert wird, zeigt, dass wir Recht hatten. Die Entwicklung beweist, dass da was im Argen ist. Wenn wir weiter guten Fußball sehen wollen, dann müssen wir alle guten Spieler schützen. Das gilt für Diego und für jeden, der bereit ist, Fußball zu spielen. Unser Vorwurf ging nicht an die Schiedsrichter, sondern an die Spieler.
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