"Vom Fremdeln und vom Eigentümeln"
Interview mit Barbara Frischmuth
"Lasst uns streiten!"
Ein Plädoyer für die kontinuierliche Beschäftigung miteinander: Die österreichische Schriftstellerin Barbara Frischmuth über Orient und Okzident, Islambilder und Vorurteile und das Eigene im Fremden.
In Ihrem neuen Essayband "Vom Fremdeln und vom Eigentümeln" schreiben Sie an einer Stelle zum empfohlenen Umgang zwischen Europa und der Türkei: "Lasst uns zu streiten beginnen!" Was ist damit gemeint?
Ehrliche Diskussionen, nicht immer Stellvertreterkriege, in denen es um Islam und Christentum oder Ost und West geht: Welche Probleme gibt es mit Migranten, welche mit dem Rechtssystem der Türkei? Und bitte nicht die Attitüde "Wir, der wunderbare Westen" und "Was habt ihr denn zu bieten?" Diese Art von Kritik ist, wie der iranische Schriftsteller Navid Kermani sagt, immer affirmativ der eigenen Kultur und dem eigenen Stil gegenüber. Das muss man sich abgewöhnen. Zu einem Streit, wie ich ihn meine, gehören zwei informierte Partner.
Was ist denn die beste Informationsquelle über die Türkei?
Sehr viel geht schon allein über die Literatur. Sie ist am besten geeignet, dieses "von gleich zu gleich" herzustellen. Die Menschen sind nun einmal sehr ähnlich gemacht, und das, was uns unterscheidet, ist fast immer Kultur - und über die kann man reden. Da ist nichts Angeborenes dabei.
Wie sind Sie denn Ende der 50er Jahre aufs Türkisch-Studium gekommen?
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/ ... 41a6c31721

