Istanbul – Adana – Konya – Istanbul: Eine kurze Rundreise in vier Tagen und Nächten....
Jochen Klingner
(Istanbul, 7. Juli 2007)
Klingt vielleicht ein wenig verrückt, in so kurzer Zeit so viele Kilometer (ca. 1300 km) hintersichzulassen, dabei noch zwei unbekannte Städte “mitzunehmen”... aber ich wollte unterwegs sein, vor allem im Zug, die Landschaften an mir vorbei ziehen lassen und dabei “Land und Leute” kennenlernen. “Land und Leute” kenne ich jetzt schon seit etwa einem Jahr, ich lebe und arbeite als
Deutsch-Lehrer an einem türkischen Gymnasium (Anadolu Lisesi) in Istanbul und kann mich über Abwechslung und Überraschungen nicht beklagen. Den dadurch gewonnenen Schwung wollte ich auch mit auf die Reise nehmen...
Natürlich musste es die legendäre “Bagdad-Bahn” sein. Kann mensch sich zwei Jahre in der Türkei aufhalten, ohne diese Strecke gefahren zu sein? “Wohl kaum”, dachte ich vor der Reise, “unmöglich”, weiß ich nach der Reise. Wer die Zeit dafür hat und sie sich dann nicht nimmt, ist selbst schuld...
Als “gelernter Deutscher” musste ich die Fahrt selbstverständlich planen. Also rein ins Internet, die Seiten der “Türkiye Cumhuriyeti Devlet Demiryolları (TCDD)” waren schnell gefunden, alles schön und übersichtlich gemacht, nur stellte sich dann leider heraus, dass die Züge den größten Teil der Zeit nachts unterwegs sind. Für “Normalreisende” ja auch sinnvoll, wollen sie doch nur von A nach B kommen, möglichst viel Gepäck mitnehmen und möglichst wenig Geld ausgeben. All dies bietet die Bahn im Gegensatz zum Bus und erst recht zum Flugzeug. Mit anderen Worten: Die Bahn ist in der Türkei wohl eher das Transportmittel der ärmeren Menschen. Nach längerem Suchen fand ich schließlich die Lösung: Abends um 18.00 Uhr mit dem Icanadolu Mavi Treni von Haydar Pasa Bahnhof in Istanbul nach Adana, dort Ankunft um 14.00, am nächsten Tag um dieselbe Zeit zurück bis nach Konya, Ankunft 21.00, am übernächsten Tag zurück mit dem Bus. So hatte ich fast die ge-samte Strecke bei Tageslicht...ich war zufrieden. Und aufgeregt, je näher der Zeitpunkt der Abreise heranrückte.
Es ist so viel geschrieben worden über diese berühmte “Bagdad-Bahn” und den Startbahnhof im asiatischen Teil Istanbuls, Haydar-Pasa, dass die Erwartungen immer größer werden, je mehr mensch liest, ...das soll der große Bahnhof sein...das die Halle...das der Zug...? Plötzlich kommt die Realität doch recht prosaisch daher und mensch ertappt sich bei einer gelungenen Selbsttäuschung...
Natürlich ist der Bahnhof groß und vom Bosporus aus wirkt er imposant, aber doch nicht herausragender als die vielen anderen Gebäude, die seinerzeit errichtet wurden...aber, denke ich, zum Glück sind zwar die Großmachtpläne des Deutschen Reiches, die mit dem Bau der Bahn verbunden waren, gescheitert, aber die Bahnstrecke gibt es noch...
http://www.istanbulpost.net/07/12/03/jochen.htm

