Allah schaut nicht in seine Mailbox
Findige Web-Unternehmer bieten Muslimen an, Suren des Koran per Email zu ihrem Gott zu senden. Die Praxis hat besorgte Religionshüter auf den Plan gerufen. In einer Fatwa stellen sie fest, dass ein Versand der heiligen Verse nicht das Gebet ersetzt. Stattdessen empfehlen sie ein traditionelles Vorgehen.
Allah reagiert offenbar nicht auf E-Mails. Das legt jedenfalls eine Fatwa des türkischen Religionsamtes nahe, die im aktuellen Mitteilungsblatt der Behörde veröffentlicht wurde. Per Mausklick versandte Gebete oder Koran-Suren, wie sie in der Türkei verschiedene Internet-Dienste anbieten, werden demnach nicht erhört. Das soll natürlich nicht bedeuten, dass Allah oder der Islam technikfeindlich sind, sondern bringt zum Ausdruck, dass vom Gläubigen auch ein gewisser Einsatz erwartet wird.
"Wer eine Koran-Sure lesen will, der muss sie persönlich vortragen und die Wörter aussprechen", befanden die Islam-Gelehrten des Religionsamtes in ihrem Rechtsgutachten. Sie wandten sich damit gegen Webdienste, die Nutzern anbieten, per Mausklick eine segenbringende Sure aus dem Koran als Gebet zu verschicken.
Eine Fatwa, die Türken sagen "Fetwa", ist ein religiöses Gutachten, das jedoch bei der überwiegenden Mehrheit der Muslime, den Sunniten, nicht bindend ist. In der jüngeren Vergangenheit gab es mehrfach Expertisen von Gelehrten Muslimen, die sich mit modernen Kommunikationsmitteln auseinandersetzen. So ist beispielsweise in Abrede gestellt worden, dass eine Scheidung per SMS nach islamischem Recht gültig ist.
http://www.welt.de/politik/article14053 ... ilbox.html

