"Istanbul riecht nach Europa"
Geert Mak destilliert aus Orten Geschichte. Im März bekommt der niederländische Schriftsteller den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung
DIE WELT:
Herr Mak, vor vier Jahren veröffentlichten Sie "In Europa", Ihr neues Buch kreist um die Galata-Brücke in Istanbul. Liegt Istanbul in Europa?
Geert Mak:
Istanbul ist Teil der vergessenen Vergangenheit Europas. Jahrhunderte hindurch war diese Stadt nicht nur eine europäische Stadt, sondern sogar die wichtigste Stadt Europas: Konstantinopel. Das Mittelmeer war ein mitteleuropäisches Meer. Später bewegte sich Europa nach Westen und Norden. Nach dem Zweiten Weltkrieg glaubten wir sogar, Europa bestehe nur aus dem Westen und Norden. Jetzt bewegen wir uns wieder nach Osten und Süden. Und da treffen wir auf diese Brückenstadt Istanbul. Wenn man aus dem Nahen Osten kommt, riecht die Stadt nach Europa. Denn paradoxerweise sieht gerade die asiatische Seite Istanbuls aus wie irgendeine südeuropäische Stadt, sagen wir Neapel. Kommt man aus Europa, riecht die Stadt nach dem Orient.
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