Bayerischer Ex-Pfarrer gesteht Kindesmissbrauch
Der frühere Pfarrer im ostbayerischen Riekofen hat gestanden, einen Ministranten etwa 40 Mal sexuell missbraucht zu haben. Der Anwalt des 40-jährigen Geistlichen verlas zu Prozessbeginn in Regensburg eine schriftliche Erklärung, in der der Angeklagte alle Vorwürfe vollständig einräumte und sich entschuldigte. Der Mann verging sich laut Anklageschrift über Jahre hinweg an dem minderjährigen Ministranten, der zu Beginn der Übergriffe erst elf Jahre alt war.
Der Pfarrer war bereits wegen Sexualdelikten vorbestraft, bekam aber dennoch im September 2004 die Leitung der Pfarrgemeinden Riekofen und Schönach übertragen. Bereits ab 2001, während seiner Bewährungszeit, war er aushilfsweise in diesen Gemeinden als Seelsorger tätig und betreute auch Jugendgruppen. Die Anklage wirft dem Geistlichen vor, zu einer "Vielzahl" von Ministranten einen gezielten Kontakt aufgebaut zu haben.
Der Mann gestand ein, sich spätestens ab dem elften Lebensjahr bis zum 14. Geburtstag des Ministranten 22 Mal sexuell an dem Kind vergangen zu haben. Auch nach dem 14. Geburtstag habe es regelmäßige Übergriffe gegeben, die erst im Sommer 2006 ein Ende gefunden hätten. Der Pfarrer wurde im August 2007 festgenommen, derzeit befindet er sich in einer Nervenklinik.
Der Pfarrer war bereits im Jahr 2000 wegen sexuellen Missbrauchs vom Amtsgericht Viechtach zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Monaten verurteilt worden, die allerdings zur Bewährung ausgesetzt worden war. Als Auflage musste er sich damals in eine ambulante nervenärztliche Behandlung begeben und durfte für die Dauer der Bewährungszeit nicht mehr als Jugendseelsorger arbeiten. Nach Angaben des Gerichts wurde ihm diese Strafe Ende Juli 2003 erlassen.
Vor dem Gerichtsgebäude hielten mehrere Demonstranten eine Mahnwache ab, um gegen das Verhalten des Regensburger Bischofs Gerhard Ludwig Müller zu protestieren. Müller war bereits nach Bekanntwerden des Skandals bundesweit kritisiert worden. Er hatte den Pfarrer im Jahr 2004 wieder eingesetzt, obwohl die Deutsche Bischofskonferenz wenige Monate zuvor Richtlinien erlassen hatte, wonach pädophile Priester nicht mehr an Stellen arbeiten dürfen, an denen sie mit Kindern oder Jugendlichen in Kontakt kommen. Der Bischof berief sich dagegen auf gerichtliche und medizinische Gutachten, wonach bei dem Mann keine "pädophile Fixierung" vorliege
Quelle:
http://de.news.yahoo.com/afp/20080313/t ... 673_2.html