Sechs Jahre Haft für 80-jährigen Rentnerddp
Wegen des sexuellen Missbrauchs seiner Enkeltochter ist ein 80-jähriger Rentner am Freitag vom Landgericht Bayreuth zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. «Er hat als Großvater in nicht zu überbietender Weise seine Vertrauensstellung missbraucht», sagte der Vorsitzende Richter Michael Eckstein. Das heute 26 Jahre alte Missbrauchsopfer hatte die teilweise mehr als 20 Jahre zurückliegenden Taten erst angezeigt, nachdem ihr Großvater im vergangenen Oktober auch seine eigene Tochter sexuell genötigt hatte.
Der Angeklagte habe immer die Zeiten ausgenutzt, wenn seine Frau nicht daheim gewesen sei, um sich an dem Kind zu vergehen, befand die Kammer. Er habe mindestens viermal den Geschlechtsverkehr mit dem wehrlosen Mädchen vollzogen. «Wir haben nicht den Hauch eines Zweifels, dass sie uns die Wahrheit gesagt hat», sagte Richter Eckstein. Ihre Schilderungen vor Gericht hätten die verheerenden Folgen von Kindesmissbrauch anschaulich werden lassen. Aus Angst, Schande über die Familie zu bringen, habe sie jahrzehntelang geschwiegen.
Der Angeklagte bestritt bis zum Schluss die Taten und sprach von einem Komplott seiner Verwandten. «Sie wollen an mein Haus und an das Pflegegeld für meine Frau», sagte der ehemalige Kraftfahrer. «Die gehören an meiner Stelle in Handschellen vorgeführt», ergänzte er. Die Anschuldigungen seien alles Lügen. Die Kammer zeigte sich indes nach der viertägigen Hauptverhandlung davon überzeugt, dass der Angeklagte gelogen habe. Die vielen Details hätten sich die Zeuginnen nicht ausdenken können, sagte der Richter.
Die Staatsanwaltschaft hatte sieben Jahre Haft gefordert, die Verteidigung auf Freispruch plädiert. «Es bleiben Zweifel», sagte Anwalt Jörg Stingel. Die Kammer lehnte es ab, den Haftbefehl außer Vollzug zu setzen. Der Angeklagte sei noch rüstig, es bestehe die Gefahr, dass er sich dem Vollzug der Haftstrafe durch Flucht entziehe. Eindringlich wies Richter Eckstein in seiner Urteilsbegründung darauf hin, dass die verurteilten Taten nur die «Spitze des Eisberges» darstellten. Der Rentner habe selbst zugestanden, dass er niemals «ein Kind von Traurigkeit» gewesen sei.
(ddp)
Quelle:
http://de.news.yahoo.com/ddp/20080125/t ... 590_1.html