Nili hat geschrieben:
Caro hat geschrieben:
5. Würden JAs Helden heute noch ihre Berechtigung als männliche Helden eines modernen Romanes haben, mit gleichbleibendem Charakter? Und wenn ja, warum? Was zeichnet sie aus, dass ihnen über zwei Jahrhunderte hinweg der gleiche Wert beigemessen wird?
Ich denke schon, dass die männlichen Charaktere noch heute einen Helden in einem modernen Roman geben könnten. Es wird glaub ich keine Frau geben, die keinen "Gentleman" mag. Zwar sind wir nun alle (glauben wir) sehr emanzipiert. Wir sind stolz einen Job zu haben, auf eigenen Beinen zu stehen, nicht erst bei der Hochzeit auszuziehen, sich den Mann selbst raussuchen zu müssen, nicht mehr aus Geldgründen sondern aus Liebe heiraten zu können usw. Und dennoch finden wir es doch toll, wenn der Mann uns die Tür aufhält, uns den Stuhl zurecht rückt und uns ab und zu schick zum Essen ausführt.
Ja, wobei zu JAs Zeit "Gentleman" weniger eine Charakterbezeichnung war, sondern eher Symbol für eine bestimmte Gesellschaftsschicht. Ein Gentleman war (meistens jedenfalls) so begütert, dass er von Pachterträgen und/oder Zinsen leben konnte, also keiner ordentlichen Beschäftigung nachgehen musste, wobei das Kirchenmänner, Politiker, Armee-und Marineoffiziere mit einschloss.
Allerdings hat JA ihre Helden schon so beschrieben, dass wir zumindest vermuten, dass sie auch in unserer Zeit noch Gentlemen im charakterlichen Sinne wären.
Also Männer auf die wir uns verlassen können, denen wir unbedarft unser Leben anvertrauen würden? Von denen wir glauben, dass sie uns nie enttäuschen würden?
Oder ist es etwas anderes, das sie überall auf der Welt auch heute noch so faszinierend macht?
Wobei JA ja eine Zeit vergessen schien, und sich erst seit einigen Jahrzehnten wieder wachsender Beliebtheit erfreut. Ist es also so, dass wir vom heutigen Mann allgemein enttäuscht sind, uns die echte Emanzipation aber so schwer fällt, einen solchen Kampf im Alltag darstellt, dass wir uns insgeheim die Zeit zurückwünschen, als wir alles "schwere" und "böse" ruhig ihm überlassen konnten?
Ich meine, tolle Emanzipation wenn die Frau am gleichen Arbeitsplatz weniger verdient als ein Mann, weil ER gesellschaftlich ja immer noch als der Ernährer gilt, und deshalb mehr verdienen muss? Lohnt es sich, zu kämpfen, sich in einer männerdominierten Arbeitswelt durchzusetzen, wenn wir kaum einen Schritt weitergekommen sind, die Entscheidungspositionen immer noch mehrheitlich von Männern besetzt sind, die für die gleiche Leistung auch noch besser entlohnt werden?
Oder haben wir in Wahrheit das Kämpfen verlernt, aufgegeben, weil Frau es in einem patriarchischen System ohenhin nicht schaffen wird jemals völlig gleichberechtigt neben dem Mann zu stehen?