Zur Kenntnisnahme, TG Claudia
02.12.2008WIE PASST DENN DAS ZUSAMMEN?
Tierschützer verkaufen Pelze
Es geht um Mäntel aus Erbschaften / Angebote auch bei Ebay
STEPHANIE LAMPRECHT
Nerzmäntel, Fuchsjacken und Mützen aus Persianer - im Keller des Tierheims Süderstraße lagern seit Jahren Berge von Pelzen. Die einst teuren Stücke stammen aus den Hinterlassenschaften von pelztragenden "Tierfreunden". Nun versucht der neue Vorstand des Hamburger Tierschutzvereins, die ungeliebten Tierqual-Erbschaften zu Geld zu machen, etwa über Ebay.
"Ja, wir haben über die Jahre mehr als 30 Pelze geerbt", sagt Vereinschefin Gabriele Waniorek-Goerke, "und wir hätten die einfach im Keller verschimmeln lassen können, haben uns aber entschieden, ein paar Euro damit zu verdienen".
Beim "Tag der offenen Tür" im Tierheim wollte man den Tierfreunden die haarigen Erbschaften lieber nicht anbieten, schrieb stattdessen die großen Pelzhandelsfirmen an. "Die haben aber nicht mal geantwortet", so Waniorek-Goerke.
Etwas erfolgreicher lief das Geschäft mit kleineren Händlern: "Wir hatten rund 500 Euro Erlös für zehn Mäntel", so Waniorek-Goerke. Von drei Pelzen, die über das Internet-Auktionshaus Ebay angeboten wurden, ging nur einer für 50 Euro weg, die beiden anderen fanden keinen Käufer.
Einen Widerspruch zu den Anti-Pelz-Kampagnen, die der Hamburger Tierschutzverein in den vergangnen Jahren finanziell unterstützte, sieht die Vereinsvorsitzende nicht: "Natürlich sind wir weiterhin gegen Pelz, aber diese Mäntel sind uralt, die Tiere sind lange tot und wir haben damit rund 500 Euro verdient, für Tiere, die jetzt leben. Dazu stehe ich."
Darf man als Tierschützer überhaupt Geld mit Pelz verdienen, diesem Symbol grausamster Tierquälerei? Thomas Schröder, Sprecher des Deutschen Tierschutzbundes: "Wenn wir Pelze erben, nutzen wir diese für Demonstrationen gegen die Pelztierhaltung."
Thomas Pietsch, Kampagnenleiter bei "Vier Pfoten", sieht den Pelzhandel durch Tierschützer kritisch: "Wir würden das nicht machen, weil jeder Pelz, der verkauft wird, zur Akzeptanz beiträgt." Auch die Tierschutzorganisation "Peta" erhält regelmäßig Pelze aus Erbschaften: "Die Erben reichen uns die Mäntel weiter, weil sie wollen, dass wir damit Aufklärung betreiben", so Peta-Sprecher Harald Ullmann, "verkaufen würden wir die Pelze aber nie."
Was mit dem unverkäuflichen Rest der Tierheim-Pelze geschieht? Gabriele Waniorek-Goerke: "Wenn die jemand für eine Anti-Pelz-Aktion haben will, kann er sich gerne melden. Sonst nimmt das Rote Kreuz die mit nach Osteuropa."
(MOPO vom 02.12.2008 / SEITE 6-7)