Geldern
Aufregung um Schwanenjagd
VON MARC CATTELAENS
Geldern (RP) Die Schwäne sind der Stolz der Nachbarschaft auf der Boeckelt. Trotzdem dürfen sie von Jägern zu bestimmten Zeiten geschossen werden. Eine Leserin berichtet von Szenen einer Treibjagd.
Der Höckerschwan kreist über den Torfkuhlen, plötzlich fällt ein Schuss. Das Tier wird nicht voll getroffen, ist lediglich am rechten Flügel verletzt und taumelt gen Boden. Daraufhin stürzt sich ein Jagdhund auf das angeschossene Federvieh und beißt es zu Tode – 15 Minuten lang. Die Jäger stehen im Abstand von 25 bis 50 Metern daneben und schauen zu. So schildert RP-Leserin Claudia Fleurkes Szenen einer Treibjagd, die sich am Samstag abgespielt haben sollen.
„Was ich da gesehen habe, finde ich grausam“, schildert Fleurkes ihre Empfindungen. Der Schwan habe sich seit vier Wochen auf den Torfkuhlen befunden und die ganze Nachbarschaft hoffte, so Fleurkes, im nächsten Jahr dort endlich auch Jungschwäne beobachten zu können. „Ich kann nicht begreifen, dass am Schloss Haag sieben Jungtiere gehegt und gepflegt und 1000 Meter weiter die Altschwäne abgeschossen werden.“
Besonders schlimm sei es, dass die Jäger nicht eingegriffen hätten und der Todeskampf des sich gegen den Hund wehrenden Tieres eine Viertelstunde gedauert habe. Fleurkes wandte sich auch an die Polizei. Die habe ihr gesagt, dass der Abschuss der Höckerschwäne zu dieser Jahreszeit erlaubt sei. Gerhard Thomas, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Kleve, verweist auf das Jagdgesetz, wonach angeschossene Tiere so schnell wie möglich erlegt werden müssen. „Das kann durch einen Schuss oder durch den Jagdhund geschehen“, so Thomas. Schwäne seien durchaus Jagdtiere.
Trotzdem sind viele nicht damit einverstanden, dass Schwäne hier in Geldern zum Abschuss frei gegeben werden. Katja Gräfin Hoensbroech, Gutsherrin auf dem benachbarten Schloss Haag, kann nicht verstehen, warum jemand einen Schwan erlegt. „Die Schwäne werden doch nicht gegessen, also macht es keinen Sinn, sie zu töten.“ Hermann-Josef Windeln vom Beirat des Nabu, Kreisverband Kleve, findet, dass es unnötig sei, Schwäne zu schießen. „Davon haben wir schließlich nicht so viele.“ Dieser Ansicht ist auch Claudia Fleurkes: „Die Tiere sind doch eine super Werbung. Die Touristen genießen die schöne Natur an den Torfkuhlen. Und dann werden hier Schwäne geschossen.“ Fleurkes hat den Fall auch der Unteren Jagdbehörde des Kreises Kleve vorgetragen. Sie will nun prüfen, ob die Jäger sich falsch verhalten haben.