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 Betreff des Beitrags: Staatlich geprüfte Imame PRO ISLAMUNTERRICHT
BeitragVerfasst: Montag 13. November 2006, 08:20 
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PRO ISLAMUNTERRICHTDer Islamwissenschaftler Michael Kiefer plädiert dafür, die Muslime rechtlich den anderen Religionsgemeinschaften gleichzustellen

Muslimische Verbände fordern seit langem Islamunterricht an öffentlichen Schulen. Bundespräsident Köhler unterstützte dies in seiner Berliner Rede vergangene Woche. Auch die Islamkonferenz, initiiert von Bundesinnenminister Schäuble, diskutierte nun das Thema Islamunterricht als ordentliches Lehrfach. Was spricht für, was gegen diese Forderung?

FREITAG: Brauchen wir in Deutschland ein flächendeckendes Angebot für Islamunterricht an öffentlichen Schulen?
MICHAEL KIEFER: Ja, damit die muslimische Religionsgemeinschaft in den Schulen den anderen Religionsgemeinschaften faktisch gleichgestellt wird. Das ist ihr gutes Recht. Protestanten, Katholiken, Juden oder Orthodoxe haben im Geltungsbereich des Grundgesetzes Artikel 7, Absatz 3 einen ordentlichen Religionsunterricht, der fester Bestandteil der Stundentafel ist, und den Muslimen sollte man perspektivisch auch ein solches Recht einräumen.

Über die Frage Islamunterricht wird schon seit vielen Jahren diskutiert. Weshalb kommt man so schwer weiter?
Zum einen gibt es keinen klaren Ansprechpartner, mit dem sich Unterrichtsinhalte abstimmen lassen. Wir haben zwar mehrere Verbände, die als Ansprechpartner auftreten, es bestehen jedoch Zweifel bezüglich ihrer Repräsentativität und ihrer Ausrichtung. Der türkische Dachverband DITIB, der Zentralrat der Muslime, der Islamrat und der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) vertreten vielleicht zehn bis 15 Prozent der Muslime in Deutschland. Die allermeisten Muslime sind nicht organisiert und können so auch nicht ihre Interessen bei den Ländern vertreten. Ein anderes Problem ist die Ausrichtung einiger Verbandsmitglieder, wie zum Beispiel beim Islamrat die islamische Gemeinschaft Milli Görüs, die ja vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Ob es nun mit dem Gremium Deutsche Islamkonferenz gelingt, einen verbindlichen Ansprechpartner zu finden, wird sich erst noch zeigen.

Wer sollte Ihrer Ansicht nach islamischen Religionsunterricht erteilen?
Es sollten möglichst an staatlichen Hochschulen ausgebildete ordentliche Islamlehrer sein. Davon sind wir derzeit noch weit entfernt, weil wir lediglich in Münster einen Erweiterungsstudiengang für das Fach haben. Perspektivisch sollte es aber so sein, dass islamische Theologie ebenso wie katholische Theologie oder ähnliche Fächer auch an deutschen Universitäten studiert werden kann.

Wäre das dann ein "deutscher Islam", wie ihn offenbar das Bundesinnenministerium anstrebt?
Der Formulierung kann ich offen gestanden wenig abgewinnen. Die Menschen praktizieren ja ihre Religion, die sie größtenteils aus ihren Heimatländern mitgebracht haben. Zunächst sollte man erreichen, dass das Personal in den Moscheen von hier kommt, dass also der so genannte "Imam-Import" aufhört. Diese Praxis führt dazu, dass der Islam hier nicht heimisch werden kann, da dieses Personal des Deutschen nicht mächtig ist. Bei DITIB beispielsweise sind die Imame türkische Beamte, die nach vier oder fünf Jahren wieder zurückgehen und durch neue Leute ersetzt werden, die dann wieder die gleichen Sprachprobleme haben. Erst wenn das Personal in den Moscheen auch mit der Umgebung kommunizieren kann, gibt es eine Grundlage für einen Dialog im Umfeld der Moscheegemeinden.

Würde der staatliche Islamunterricht die Unterweisungen in den Koranschulen ersetzen?
Nein, man muss unterscheiden zwischen der Gemeindeerziehung und der schulischen Erziehung. Die Gemeindeerziehung "hin zum Glauben" wird auch in Zukunft in den Moscheegemeinden stattfinden und nicht in der Schule. Der schulische Islamunterricht ist anders strukturiert als der Gemeindeunterricht. Wir brauchen aber in beiden Bereichen qualifizierte Fachkräfte, die hiesigen Standards entsprechen. Das ist im Moment noch nicht der Fall.

Kritiker sagen, der Islam habe einen politischen Anspruch, sei daher ungeeignet für staatlichen religiösen Unterricht.
Das kann man so nicht sagen. Es gibt selbstverständlich viele muslimische Organisationen, die eine politische Ausrichtung haben, aber es gibt ebenso viele oder sogar noch mehr Muslime, die einfach ihren religiösen Handlungen nachgehen und keine politischen Interessen verfolgen.

Wenn schon eine gesetzliche Verpflichtung zum Religionsunterricht besteht, wäre es nicht besser, diesen interreligiös zu erteilen?
In der Sache sinnvoller wäre das sicherlich, aber die Rechtslage gibt eine solche Unterrichtsform momentan nicht her. Ich persönlich halte sehr viel von dem Hamburger Konzept "Religion für alle". Katholiken, Protestanten, Juden und Muslime werden in diesem Unterricht gemeinsam unterrichtet. Die sonstige religiöse Erziehung ist Privatsache und findet außerschulisch statt. Aber Hamburg ist ein Sonderfall und zum Beispiel auf Nordrhein-Westfalen nicht einfach übertragbar. Ich sehe auch nicht, dass sich das ändert, denn die Kirchen sind sehr stark und werden darauf drängen, dass sie ihre Rechte beibehalten dürfen.

Das Gespräch führte Connie Uschtrin.



Islamunterricht an Schulen

Bereits seit 1984 gibt es für regulären Islamunterricht an staatlichen Schulen das Einverständnis der Kultusministerkonferenz. Doch mit der Umsetzung tun sich die Länder schwer. Die Muslimverbände beklagen, es fehle am politischen Willen, die Politik wiederum behauptet, die Muslimverbände seien sich untereinander nicht einig. Einige Bundesländer setzen derzeit Modellversuche um. Nordrhein-Westfalen bietet seit 1999 islamischen Religionsunterricht auf Deutsch an, Niedersachsen startete 2003 und Baden-Württemberg zum neuen Schuljahr 2006 Modellversuche. In Berlin ist bekenntnisorientierter Religionsunterricht freiwillig und seit dem neuen Schuljahr das Wertefach Ethik verbindlich. Seit 2001 erteilt die Islamische Föderation in Berlin islamischen Religionsunterricht an 37 staatlichen Schulen, nachdem sie sich zuvor auf dem Rechtsweg eingeklagt hatte. Dieser Organisation werden vom Verfassungsschutz Kontakte zu der islamistischen Organisation Milli Görüs unterstellt.




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CONTRA ISLAMUNTERRICHT: KEINE STAATLICHE AUFGABEReligion ist ein florierendes Geschäft - auf Kosten der Steuerzahler

Muslimische Verbände fordern seit langem Islamunterricht an öffentlichen Schulen. Bundespräsident Köhler unterstützte dies in seiner Berliner Rede vergangene Woche. Auch die Islamkonferenz, initiiert von Bundesinnenminister Schäuble, diskutierte nun das Thema Islamunterricht als ordentliches Lehrfach. Was spricht für, was gegen diese Forderung?

Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich, so das Grundgesetz, jedoch scheinen einige Menschen gleicher zu sein: die Christen. Auch die Muslime fordern diese Gleichheit. Auf der Deutschen Islam-Konferenz in Berlin forderten sogenannte Islamvertreter die Einführung von islamischem Religionsunterricht und die Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts. Nicht ohne Grund. Religion ist ein florierendes Geschäft, und die Pseudo-Islamvertreter, die gar nicht legitimiert sind, für alle Muslime zu sprechen, würden so nicht nur Einfluss auf die religiöse Erziehung erhalten, sie kämen auch zu vollen Kassen. Nicht zu vergessen die Vertretung in öffentlichen Aufsichtsgremien wie WDR, ZDF, usw. Doch was soll der Religionsunterricht in den Schulen bewirken? Und wie will ein pseudo-säkularer und christlich orientierter Staat wie die Bundesrepublik den islamischen Unterricht kontrollieren?

Niemand darf wegen seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden, sagt das Grundgesetz. Gleichzeitig bedient der Staat die Kirche aus der Steuerkasse mit Geld, das er auch nicht-christlichen Bürgern aus der Tasche nimmt. Denn der Staat bildet die Religionslehrer aus, bezahlt die theologischen Hochschulen; kirchlich geführte Kindergärten, Krankenhäuser und Altenheime werden bis zu 80 Prozent subventioniert. Warum? Hatten doch die Großkirchen zum Beispiel im Jahr 2004 knapp acht Milliarden Euro Einnahmen aus Kirchensteuern. Davon gaben sie nur circa zehn Prozent für öffentliche soziale Zwecke aus.

Um diese ungleiche Behandlung der Kirchen mit anderen Religionsgemeinschaften nicht in Frage stellen zu müssen, unterstützen christliche Politiker die Beteiligung der Muslime. Die Tatsache, dass es staatlich finanzierte theologische Hochschulen gibt, obwohl Religion keine Wissenschaft ist, legitimiert die Forderung aller anderen Religionen nach Hochschulen und der Ausbildung ihrer Lehrer vom Staat. Dabei wäre ein weltanschaulich neutraler Staat, der kein Bekenntnis privilegiert und keine staatskirchlichen Rechtsformen hat, der bessere Weg.

Den Islam über Religionsunterricht staatlich zu unterstützen, ist problematisch, denn der Koran gilt im Gegensatz zur Bibel als das Grundgesetz der Gläubigen, er stellt Anspruch auf die politische Macht. Müsste dann Islamunterricht nicht zugleich als politischer Unterricht gelten, ähnlich einer parteipolitischen Schulung? Oder wollen die Religionsvertreter dem deutschen Staat versichern, dass sie den Anspruch des Korans revidieren?

Wie geht man damit um, wenn im Islamunterricht Vers 28, Al-Imran, gelehrt wird, in dem die Freundschaft mit Ungläubigen (also auch Christen) untersagt wird: "Die Gläubigen sollen sich nicht die Ungläubigen anstatt der Gläubigen zu Freunden nehmen ..." In Vers 144 der An-Nisa wird die Freundschaft mit Ungläubigen sogar gleichgesetzt mit Sich-gegen-Gott-stellen. Es gibt im Koran viele Verse gegen das friedliche Zusammenleben von Christen, Juden und Muslimen. Werden sie verschwiegen? Oder wird der Koran für Deutschland neu geschrieben?

Die religiösen Vereine zu Gesprächspartnern des Staates zu machen, heißt auch, dass sie mehr Einfluss auf Muslime bekommen. Nicht-religiöse Migranten-Organisationen sind nie so ernst genommen worden. Mit dieser Politik spaltet Innenminister Schäuble, der zur Islamkonferenz eingeladen hat, mehr als er integriert, denn die Muslimorganisationen wollen für alle Migranten aus muslimischen Ländern sprechen, obwohl sie nur einen kleinen Teil repräsentieren. Man muss sich fragen, ob sie nun auch bald muslimische Krankenhäuser fordern, Halbmond statt Rotkreuz, eigene Schulen und vieles mehr. Die christlichen Großkirchen haben den Staat verpflichtet, auch den übrigen Unterricht "in christlichem Geiste" zu erteilen. Was, wenn die Muslime auch das fordern? Nicht auszudenken, was dann zur Schöpfung im Biologieunterricht erzählt werden soll!

Die Kirche ist teuer genug, als Steuerzahlerin habe ich kein Interesse daran, weitere Projekte von Männerorganisationen zu finanzieren, die ihre Mythen auf Staatskosten pflegen wollen. Zumal Saudi-Arabien und Iran sie zur Genüge unterstützen. Besser und nicht zuletzt auch billiger wäre der laizistische Weg - eine konsequente Trennung von Religion und Staat.

Die Kinder sollten durch die Schule Selbstbewusstsein, kritisches Denken, Toleranz und Kompromissbereitschaft erlernen. Der kategorische Imperativ ist nützlicher und die Liebe ist wichtiger, um ein Kind zu erziehen als jede Religion. Wir brauchen einen aufgeklärten Weltanschauungsunterricht in öffentlichen Schulen, darunter Religionskunde statt eines konfessionellen Religionsunterrichts. Ich wünschte, es hätte auch eine Konferenz mit säkularisierten und atheistischen Migranten stattgefunden.

Arzu Toker ist Autorin und politische Journalistin.









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