Der Menschensohn ist nicht gekommen,
um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele. (Mk 10, 45)
Er wird deshalb gleichgesetzt mit dem zerschlagenen Knecht, von dem die Lesung aus dem Buch Jesaia gesprochen hat. Dieser Text vom Gottesknecht hat seinen festen Platz in der Liturgie des Karfreitags, wenn die Kirche den Höhepunkt des Wirkens ihres Herrn feiert.
Größe durch Dienen – das ist deshalb das unterscheidend Christliche.
Diese Botschaft hören wir heute am Sonntag der Weltmission, der in diesem Jahr
unseren Blick in besonderer Weise auf die Christen und ihre Gemeinden in Ostafrika richtet.
Allein im vergangenen Jahr sind zwei Millionen Menschen durch die Immunschwäche-Krankheit gestorben. In manchen Ländern hat die Seuche eine ganze Elterngeneration ausgelöscht. Wer nimmt sich der Kinder an? Wer kommt für ihr Schulgeld auf? Wer nimmt sich der Großeltern-Generation an? Wer sorgt sich um die Frauen, die durch den eigenen Mann Aids-infiziert wurden und mit seinem Tod auch allen Besitz verloren haben?
Die Gemeinden und Christen in Ostafrika stellen sich mutig den Herausforderungen der Aids-Pandemie. Sie grenzen die Betroffen nicht aus, sondern begleiten sie und stehen ihnen zur Seite. Sie verstehen das Wort Jesu für sich als persönlichen Auftrag.
Sie bezeugen mit ihrem Einsatz, dass unser Gott ein Gott des Lebens für alle Menschen ist.
Er drückt nicht nieder, sondern befreit. Er richtet gerade die auf, die gebeugt und gekränkt sind.
Nicht das Unangenehme ausblenden, sondern es sehen und sich ihm stellen. Deutlich machen, dass gerade da die biblische Zusage gilt: ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht! (Jos 1,5)
Diese Zusage „ich lassen dich nicht fallen und verlasse dich nicht“ hatte Gott dem Josua, dem Nachfolger des Mose gegeben in einer Zeit voller Zukunftsängste.
Israel stand damals an einer Schwelle; vor dem Übergang über den Jordan.
Das Volk erwartete Lebensmöglichkeit und endlich Heimat.
Was aber wird sie erwarten? Welche Hindernisse werden sich ihnen in den Weg stellen?
Welche Schwierigkeiten werden sie meistern müssen?
Josua braucht Ermutigung.
In diesem Moment erfährt er, dass er sich auf Gott verlassen kann.
Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht!
Überall wo Christen dies tun und zu tun versuchen, wird der Glaube an Gott, der die Liebe ist, konkret. Eine Gemeinschaft sein, in der wir einander dienen, das ist und bleibt die wichtigste und überzeugende Ausdrucksform der Kirche, nicht nur in Afrika, sondern auch hier bei uns.
Gerade in einer Zeit, in der viele soziale Sicherungen bröckeln, gilt es, einem kalten Kosten-Nutzen-Rechnen entgegen zu halten.
Da ist es umso wichtiger, dass wir Christen es als unsere Mission sehen, keinen fallen zu lassen, sondern einander aufzubauen und einzutreten für die Frohbotschaft der Freiheit und der Würde des Menschen. Geben wir so unserem Glauben Gewicht und Leben.
(Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael)
http://www.sanktmichael.de/index.php?id=386