Strandliese hat geschrieben:
unsere Nachbarn (bereits wieder nach Ostdeutschland zurück) sind damals 3 Wochen vor der Grenzöffnug geflüchtet. Ich habe sie als sehr undankbar in Erinnerung. Sie waren nur unzufrieden mit Argumenten, denen ich nie folgen konnte.
Beispiele:
Wieso müssen wir so hoch Miete bezahlen (400€ für ein neues Haus, 120qm), wo die Vermieterin 4 Häuser hat?
Meine Kinder müssen vom Staat einen Ausbildungsplatz gesucht bekommen! (Alle 3 Kinder haben sich keinen Ausbildungsplatz gesucht und hängen rum)
Ich hatte um Bretter beim Vermieter gebeten, bekommen und meinen Boden ausgelegt und kann ihn so nutzen. Die Nachbarn haben mir das 12 Jahre vorgeworfen das ich das nur als Wessi erhalten hätte, die Ossis würden immer wie das Letzte behandelt werden. Sie waren zu stolz um nachzufragen, sie wollten es automatisch geliefert bekommen.
Die Frau ging nie einkaufen, das Angebot war ihr zu groß, da findet man nichts. (kann ich ja fast noch verstehen)
Bei einer Nachbarschaftsfeier draußen am Hof hat ein Mann bei denem im Garten am Baum gepinkelt, es war am nächsten, aber sie haben nie wieder eine Feier mitgemacht, da sie ja nicht von uns geachtet werden würden.
Wurden sie mal zu einer Feier im Lokal mit eingeladen, sind sie nicht gekommen, sie wüßten ja nicht, wer alles kommen würde und als ossi hätten sie keine gute Chance
Also Lieschen, dazu kann ich nur sagen, das waren Leute, die auch hier im Osten neben der Strecke standen. Gibt es ja überall. Manche haben wirklich geglaubt, sie fahren ins Schlaraffenland. Können sich einen Bauch anfuttern und bloß faulenzen. Nein, das waren und sind wir nicht.
Jedenfalls nicht die normale Bevölkerungsschicht. Ich finde, wir sind auch keine anderen Menschen. Wir haben hier so nach unseren Möglichkeiten gelebt und das war keinesfalls "unnormal". Wenn ich von mir ausgehe, ich habe gut gelebt, war zufrieden mit dem was ich hatte. Was hat mir denn gefehlt, habe meine Arbeit gehabt, war vollstens sozial abgesichert, keine finanziellen Schwierigkeiten, also ich habe ruhig und sicher gelebt. Ins Ausland wollte ich gar nicht, habe ja die schönste Insel vor der Tür.
Wenn in meinem Beisein einer über Hunger oder sonstwas jammert hier in der DDR-Zeit, der lügt. Politisch Verfolgte schließe ich mal aus, da ging es doch etwas anders her. Aber sonst hat man kein Grund zum ewigen jammern gehabt. - Ich jedenfalls überhaupt nicht. Nicht immer alles glauben. Wir reden noch oft von den Zeiten, vor allem, wenn wieder ein Arzttermin ansteht. So etwas unmenschliches hat es hier nicht gegeben.
Hau - ich habe gesprochen
