Millionen missbraucht, Tausende getötet
Gewalt gegen Kinder ist in vielen Staaten gesetzlich gestattet. In reicheren Ländern findet der Missbrauch im Stillen statt.
Ausbeutung und Missbrauch von Kindern ist nicht auf arme Länder beschränkt.
Gewalt gegen Kinder steht in vielen Ländern auf der Tagesordnung: In 31 Staaten sind immer noch körperliche Strafen wie Auspeitschen und Amputationen erlaubt. Jährlich werden mehr als 220 Millionen Mädchen und Buben unter 18 Jahren sexuell missbraucht oder zum Geschlechtsverkehr gezwungen. Über 50.000 Kinder und Jugendliche fallen jedes Jahr Morden zum Opfer.
Dies geht aus der ersten UN-Studie zu Gewalt gegen Kinder hervor, die das UN-Kinderhilfswerk UNICEF am Freitag präsentierte. Darin wird unter anderem ein gesetzliches Verbot jeglicher Gewalt gegen Kinder und eine bessere Überwachung entsprechender Vorschriften gefordert.
Das tatsächliche Ausmaß der Gewalttaten an Kindern und Jugendlichen werde noch immer verdrängt, warnen die Autoren der Untersuchung. Lediglich in 102 von über 200 Staaten sind körperliche Disziplinierungsmaßnahmen in Schulen verboten. Zugleich werde die Einhaltung gesetzlicher Verbote nur unzureichend kontrolliert.
So ging in den Industriestaaten die Zahl der Todesfälle durch Misshandlung und Vernachlässigung in den vergangenen Jahrzehnten zurück. Doch immer noch sterben der Studie zufolge etwa in Deutschland pro Woche zwei Kinder an der Folge von Schlägen und fehlender Fürsorge; in Frankreich sind es drei Kinder, in Japan vier, in den USA sogar 27.
Nach Erkenntnissen der UN-Forscher sind zudem weltweit mehr als eine Million Kinder in Gefängnissen eingesperrt - weil sie von zu Hause weggelaufen sind oder wegen Bettelns und kleinerer Diebstähle. Gerade in ärmeren Ländern herrschen in den Gefängnissen oft katastrophale hygienische Bedingungen. Außerdem hätten die Heranwachsenden meist keine Möglichkeit, sich zu beschweren; dabei würden viele monate- oder gar jahrelang ohne Anklage festgehalten.
Die Studie behandelt auch das Problem der Kinderarbeit: Weltweit arbeiten rund 218 Millionen Kinder unter 15 Jahren, um das Überleben ihrer Familien zu sichern.
Quelle: Kurier