von Helgolandrunner » 08.07.2006, 18:31
Fallrückzieher statt Kichererbsen
Berlin - In Anwesenheit von UN-Generalsekretär Kofi Annan ist am Freitag im Rahmen einer Show bestehend aus Tanz und Musik im Berliner Tempodrom das Logo für die Fußball-WM 2010 in Südafrika enthüllt worden.
Es zeigt einen abstrakten, dunkelhäutigen Fußballspieler im Ansatz zu einem Fallrückzieher. Grüne, gelbe, rote und blaue Streifen dahinter verleihen dem Bild viel Dynamik. "Wir wollen den Fußball nutzen, um die Wunden des Krieges zu heilen", sagte Annan und plädierte zugleich für mehr Gerechtigkeit weltweit.
Mit großen Ankündigungen von Südafrikas Präsident Thabo Mbeki hatte die Veranstaltung zuvor begonnen. "Wir haben unser Versprechen eingelöst und die Apartheid besiegt und werden uns auch an das Versprechen halten, 2010 die erfolgreichste WM der Geschichte zu veranstalten", sagte der Staatschef.
2010 werde für Afrika, was 1954 der WM-Sieg für Deutschland gewesen sei. Zugleich kündigte er an, den WM-Pokal in vier Jahren in Afrika behalten zu wollen.
"Eine afrikanische WM"
Unterstützung für Südafrika, das als erstes afrikanisches Land eine WM ausrichtet, sagte FIFA-Präsident Joseph Blatter zu: "Die ganze Welt vertraut ihnen. Die FIFA-Familie mit mehr als einer einer Milliarde Menschen steht hinter Südafrika." Deutschland und die FIFA würden die positiven Emotionen weitertragen, die es bei den Fanfesten gegeben habe.
Es werde aber eine ganz andere WM als in Deutschland. "Es wird eine afrikanische WM", sagte Blatter.
Hilfsabkommen für Afrika
Parallel zur inoffiziellen WM-Staffelübergabe in der deutschen Hauptstadt gab die Europäische Kommission in Brüssel ein Abkommen mit der FIFA zur Stärkung laufender und neuer Hilfsprogramme für den gesamten Kontinent der WM-Gastgeber von 2010 bekannt.
"Der Einfluss des Fußballs in Afrika ist so groß, dass er die Durchführung von Projekten in den Bereichen Erziehung, Kinderhilfe, Gesundheit, Anti-Rassismus sowie Infrastruktur und im Kampf gegen AIDS unterstützen kann", erklärte Kommissions-Sprecher Amadeu Altafaj ohne Angaben zur Höhe des finanziellen Engagements von FIFA und Kommission zu machen. Die Vereinbarung soll am Sonntag zum Abschluss der laufenden WM unterzeichnet werden.
"Deutschland hat schon gewonnen"
Die Entwicklung des Südafrika-Logos dauerte ein Jahr. Es stehe für Dynamik, Energie und solle zeigen, das Afrika ein Kontinent des Schmerzes sei, der Musik und des Tanzes, hieß es.
In seiner Rede lobte UN-Generalsekretär Annan zugleich die WM 2006: "Auch wenn Deutschland nicht im Finale steht, hat es schon gewonnen, denn es hat die beste WM aller Zeiten ausgerichtet und die Nation in dieser Anstrengung vereint."
Absage wegen Unwetter
Wegen eines Unwetters abgesagt werden musste indes am Abend die auf der Fanmeile geplante öffentliche Veranstaltung mit dem Titel "Fußball für eine bessere Welt - von Deutschland nach Südafrika".
Die Show auf der Bühne mit zahlreichen ausländischen Künstlern sowie dem deutschen Soul- und Pop-Musiker Xavier Naidoo, der Gruppe Wir sind Helden und den Fantastischen Vier vor dem Brandenburger Tor sollte in 120 Länder übertragen werden.
Kofi Annan und Bundeskanzlerin Angela Merkel hatten ebenfalls ihr Kommen zugesagt.
Über eine Milliarde an Zuschüssen
Vier Jahre vor Beginn der WM sind die Probleme in Südafrika allerdings noch groß. Sorgen bereitet vor allem der Stadionbau. Vier der seit März benannten zehn Arenen müssen neu gebaut werden, dafür ist der erste Spatenstich aber noch immer nicht erfolgt. Die restlichen Arenen benötigen umfassende Renovierungsarbeiten.
Fest steht schon jetzt, dass die FIFA für das Experiment in Afrika wohl tief in die Tasche greifen muss. Nach jüngsten Schätzungen wird der Zuschuss des Verbandes auf eine Milliarde US-Dollar anwachsen.
Wichtigster Geldgeber ist indes die Regierung, die für den Transport der 500.000 erwarteten Fußball-Touristen die Flughäfen und Straßen ausbauen lassen will. Rund 1,6 Milliarden Euro sollen in Infrastruktur-Maßnahmen fließen.
Keine Wettkämpfe mehr in 2008!
Liebe Grüße
Oke