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Rezession dämpft Spiellust – Konzern dementiert Gerüchte um Personalabbau.
wien. 2008 hat vielversprechend begonnen: Die neue einheitliche Struktur von Casinos Austria und Lotterien (an ihnen halten die Casinos 68 Prozent), die anfangs genauso für Wirbel gesorgt hat wie die geplante Übersiedlung der Casinos-Zentrale vom Karl-Lueger-Ring in der Wiener Innenstadt zu den Lotterien am Rennweg, wird zügig realisiert. Die gefürchtete Totalfusion, die auch einen Personalabbau zur Folge gehabt hätte, ist vorerst vom Tisch – stattdessen wird die „neue Einigkeit“ im Glücksspielkonzern beschworen.
Jetzt sorgt die infolge der Finanzkrise drohende Rezession für neue Unruhe im Glücksspielreich. Der unmittelbare Anlass ist eine Vorstandsklausur am Mittwoch und Donnerstag. Dort sollen sich Konzernchef Karl Stoss und seine Vorstandskollegen nicht nur über die Strategie 2009 – und die Vorbereitung auf die 2012 fällige Neuvergabe der zwölf heimischen Casinolizenzen – den Kopf zerbrochen haben. Es soll auch um Einsparungen gegangen sein.
Es gilt als offenes Geheimnis, dass die Menschen sparen statt spielen. Wenn sie überhaupt Geld fürs Zocken haben, dann geben sie es eher im Internet als in Spielbanken aus. Dazu kommt, dass etwa in Deutschland (die Casinos besitzen zehn Spielbanken in Niedersachsen) das Rauchverbot zu empfindlichen Besucherrückgängen führt. Im ersten Halbjahr sank der Umsatz der Casinos Austria International, in der alle Auslandsaktivitäten gebündelt sind, von 117,9 auf 107,5 Mio. Euro, der Gewinn fiel von 8,4 auf 6,8 Mio. Euro.
Gewinnrückgang im Halbjahr Für Österreich wurden keine Halbjahreszahlen bekannt. Die Kugel soll jedoch auf Rot gefallen sein. Weshalb sich hartnäckig Gerüchte halten, wonach die Casinos Austria im Gesamtjahr einen Verlust von rund sechs Mio. Euro erwarten. Konzernsprecher Martin Himmelbauer dementiert dies gegenüber der „Presse“: „Wir schreiben heuer keine Verluste – weder im In- noch im Ausland.“ Im Vorjahr stagnierte das Konzernergebnis bei 41,3 Mio. Euro, im Inland wurden 8,2 Mio. Euro verdient. Verluste gab es schon 2005.
Himmelbauer stellt auch Gerüchte, wonach in der Vorstandssitzung ein Abbau von bis zu 300 Mitarbeitern mittels einer zweiten Welle von „Golden Handshakes“ diskutiert worden sei, in Abrede. „Das war eine reguläre Vorstandsklausur, wie sie jedes Jahr um diese Zeit stattfindet, in der Personalmaßnahmen kein Thema waren“, so der Casinos-Sprecher.
2005 startete Casinos Austria ein über zwei Jahre laufendes Personalabbauprogramm, das rund 400 Beschäftigte – doppelt so viele wie geplant – angenommen haben. Diese Mitarbeiter wurden zum Teil durch jüngere, billigere Arbeitskräfte ersetzt.
Ein Faktum ist hingegen, dass Stoss beim Sponsoring den Sparstift ansetzt. Konkret wurde die finanzielle Unterstützung des „Fests der Pferde“ durch die Casinos gestrichen, jene durch die Lotterien halbiert. Dazu Himmelbauer: „Wir hinterfragen unser Sponsoring immer wieder. Im Licht der aktuellen Finanzkrise und ihrer noch nicht absehbaren Auswirkungen auf die Realwirtschaft müssen wir, wie alle anderen Unternehmen, diesmal besonders genau prüfen.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2008)
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