cantilene hat geschrieben:
Im Grunde weiss ich ja schon, welchen Typ ich will. Die Frage ist nur, ob ich den auch jemals KANN.......
Hallo cantilene, da hast Du einerseits das Problem und gibst Dir doch gleichzeitig die Antwort ...
Wenn es bei der Ausbildung der Stimme nur darum ginge, das zu sein, was man WILL - ich weiss nicht. Ich will das jetzt nicht missverstanden wissen, denn natuerlich sollte man hundertprozentig hinter dem stehen, was man tut und das vor allem GERNE.
Aber die Stimme gehorcht natuerlichen Gesetzmaessigkeiten - und wenn ich tausendmal eine grosse Lyrische sein will, wenn ich es nicht bin, bin ich es icht. Damit muss ich mich abfinden und dann das Beste aus dem machen, was mein Material hergibt. Und auch das kann doch sehr befriedigend sein, auch, wenn ich damit vielleicht auf einen bestimmten Rollentypus abonniert bin (zumindest fuer eine Zeit, denn reifen und "sich setzen" tut die Stimme ja sowieso).
Es geht ja in der Oper nicht darum, als man selbst mit den "privaten" Charaktereigenschaften auf der Buehne zu stehen. Wenn man so an die Sache heranginge, waere man sicherlich dauerhaft entaeuscht. Natuerlich reizt es auch erstmal mehr, eine Violetta zu geben als eine Adele, vielleicht gerade, weil man sich typmaessig eher in der einen denn in der anderen Rolle sieht. Gerade diesen Ansatz halte ich aber fuer gefaehrlich, denn es geht ja nun mal nicht darum, als man selbst auf der Buehne zu stehen, sondern um die Verkoerperung einer Rolle. Wir hatten das schon mal in einer anderen Diskussion, dass die zu starke innerliche Naehe zu einer Figur auch hinderlich sein kann.
Wenn man typmaessig z.B. eine Soubrette ist, kann ich natuerlich durchaus verstehen, dass man das erstmal nicht so prickelnd findet und auch gerne Rollen mit "Tiefgang" haette. Es liegt dann aber doch letztlich auch an einem selbst, wie man diese Rolle ausfuellt, ob man vielleicht sogar in der Lage ist, Nuancen aufzuzeigen, die man in anderen Darstellungen noch nicht gesehen hat. Auch das kann doch sehr befriedigend sein. Und nicht zuletzt: Komisches Talent ist was sehr Rares, ich finde es wesentlich schwieriger, sowas zu spielen als die tragische Liebhaberin zu geben und traenenschwer am Rande der Verzweiflung zu wandeln ... ;-)
Langer Rede kurzer Sinn: Man kann an jedem Typus auch was Positives finden. Das passiert aber erst, wenn man mit sich und seiner Stimme im Reinen ist und nicht mehr nach dem schielt, was einem vielleicht reizvoller erscheint. Material ist Material, und es diktiert einem, was geht und was nicht. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Von Schubladendenken halte ich nach wie vor nichts, ich finde den Kloiber auch nach wie vor ganz furchtbar. Es geht mir mehr um meine natuerlichen Moeglichkeiten, und die bewegen sich nun mal in einem bestimmten Rahmen. Daran schliesst sich (leider) an, dass bestimmte Stimmen und Typen eben gerne auf bestimmte Rollen gesetzt werden, und da schliesst sich eben der Kreis. Wir haetten es alle leichter, wenn Verdi auch mal eine tragische Heldin mit einer ganz leichten Soubrette besetzt haette oder die tiefen Stimmen auch mal aus der "dunklen Ecke" herauskaemen - ist aber leider halt eher selten der Fall ;-)
Natuerlich kann es sein, dass die Stimme mal gar nicht zum sonstigen Typ passt - ich finde, das kommt aber eher selten vor, selbst bei den grossen Saengern nicht.
Und wenn ich z.B. nur die eigenen Reihen betrachte (also Belcanto), finde ich dort eigentlich niemanden, egal auf welchem Ausbildungsstand, bei dem die Stimme nicht auch irgendwie zum Gesamttypus passt. Ich kenne aber natuerlich noch nicht alle, daher liege ich vielleicht auch falsch ...