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Stimmbildung im Chor von Claudia Rübben-Laux, Chordirektorin FDB, Dozentin für Stimmbildung und Mitglied des Musikausschusses des Sängerbundes NRW, Sopranistin. Diese Beitragsserie ist entnommen aus "Chor live", Fachzeitschrift für das Singen, Chor Verband NRW
Ein wenig Akustik für Sänger
Es gibt auf der Welt keine zwei gleichen Stimmen. Auch die Klangfarbe einer Stimme ist individuell verschieden und ein charakteristisches Erkennungsmerkmal eines jeden Menschen. Und trotzdem kann man alle Vokale von Mensch zu Mensch eindeutig identifizieren. Woran liegt das? Vokale sind physikalisch gesehen Klänge. Alle Schwingungen für den Vokalklang entstammen dem Kehlkopf. Die einen Vokal kennzeichnende Schwingung wird mit „Formant“ bezeichnet, weil sie den Vokal formt und erkennbar macht. (Vgl. hierzu „Schumannsche Formantengesetze“) Die Formatenbereiche jedes Vokals liegen in jeweils für ihn bestimmten Frequenzgebieten. Wir sehen also, dass die Vokale i und u und die Vokale e und o im selben Frequenzbereich angesiedelt sind. Die Obergrenze des Vokales a (800-1200 Hz) wird von der weiblichen Singstimme nur ganz selten überschnitten, weil sie über c‘‘‘ liegt. In der sängerischen Praxis verlieren deshalb die Vokale i und u ab 400 Hz (a‘), die Vokale e und o ab 600 Hz (e‘‘) allmählich ihre Identität. Daraus resultier, dass sich die Klangfarbe nach und nach verändern muss, wenn die Grundtonhöhe die genannten Formantenbereiche überschreitet. Die Textverständlichkeit nimmt dann ab. Da diese Situation also frühestens bei einer Frequenz ab etwa 400 Hz beginnt, befinden wir uns etwa bei der Tonhöhe a‘, also für den Tenor beim sogenannten „hohen a‘‘. Das „hohe c‘‘, demnach das c‘‘, liegt mit seiner Frequenz von 523 Hz noch nicht so sehr im kritischen Bereich, als dass eine Vokalfarbenveränderung merkbar wäre. Nach der Tiefe zu gibt es für die menschliche Stimme keine Begrenzung in der Formung der Vokale. Das Problem der Vokalgestaltung tritt also erst in der zweigestrichenen Oktave auf und ist somit ein Problem der hohen Frauenstimme und der noch nicht mutierten Kinderstimme. In dem ihm zugeordneten Formantgebiet braucht jeder Vokal allerdings noch die resonatorische Ausformung. Dies geschieht unter Mithilfe der Sprachbildungs- und Artikulationsorgane, Unterkiefer, Zunge, Lippen. Die verschiedenartige Gestalt des Mundraumes ist es also, die Formantbereich den jeweils charakteristischen Vokalklang bestimmt.
_________________ musika belcanto-ensemble
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