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Auszug aus meiner Diplomarbeit in Beimerologie:
Einer der subversivsten Bewohner der Lindenstraße ist zweifelsohne Hans Beimer. Schwer zu sagen, was dieser arrogante Fatzke eigentlich macht!
Meist lungert er in der Gegend herum, versucht - häufig unter Zuhilfenahme plumper Vorwände - die Aufmerksamkeit aller auf sich zu lenken. Ob Bürgerbüro-Aushilfstätigkeit oder Teilnahme am Volkslauf - Hans Beimer will den Eindruck erwecken, er wäre ein Alleskönner, der auf jedem Terrain zuhause ist. Hierbei muss er scheitern, denn seine Mittelmäßigkeit tritt bei diesem Geckentum herbe zutage.
Wenn man sich Hans Beimer anschaut, weiß man, dass sich das Fallgitter der Egozentrik vor diesem vermeintlichen Tausendsassa für immer geschlossen hat. Er ist alleiniger Hauptdarsteller auf einem Jahrmarkt der Eitelkeiten, ein fürchterlich deplaziert wirkender Popanz, dessen Intelligenz und Originalität in keinerlei Verhältnis stehen zu der Extravaganz seiner Prätention.
Wenn Hans Beimer auftaucht, weiß man gleich, dass die Szene zu Ende ist, noch bevor sie überhaupt begonnen hat, denn dieser Aufmerksamkeits-Staubsauger wird die emotionale Beteiligung der Zuschauer aufsaugen wie ein Burgschauspieler, wird sie in den Eisenhütten seiner Selbstbezogenheit in billigen Treibstoff für sein arrogantes Wesen ummünzen und als Abfallstoff die kläglichen Rudimente einer Szene wieder auswürgen, sehr zum Missfallen des Publikums.
Und Hans Beimer sieht bestenfalls aus wie eine Null. Mit einem vor Missgunst und Eitelkeit gelb geschwolllenen Gesicht benutzt er Grellheit, wo echte Substanz gefragt wäre. Mit schütterem grauen Haar, welches vielleicht eine (illusorische) kernige Männlichkeit andeuten soll, tritt er erbarmungslos in jedes denkbare Fettnäpfchen. Auch seine Augen heischen panisch nach einer Bestätigung seiner neurotischen Persönlichkeit; ihre krampfhafte Starrheit legt, bei aller Grelle des Verhaltens, die Verwendung gewisser leicht erhältlicher Modedrogen nahe.
Aber man sollte die Physiognomie eines Menschen nicht zur Basis einer moralischen Anklage machen, selbst wenn sie so dümmlich ist wie die Hans Beimers.
Da wäre auch sein Gebarren. Wenn Hans Beimer auftritt, dann tut er dies selten allein. Meist schwimmt er im Fahrwasser seiner zweiten Frau Anna, die ihn im fälschlichen Gefühl der Sicherheit wiegt, seine schäbige Existenz wäre etwa erwünscht.
Während also seine Mimik naturbedingt starr ist (und so auch einen Hinweis auf seine innere Hohlheit gibt), verrät seine exaltierte Gestik den neurotischen Nervenbold, der seine kranke Seele mit der Wucht einer Dampframme in die Umwelt absondert. Dass diese Umwelt häufig auch noch gewillt erscheint, diese seelischen Schorfkrümel in sich hineinzufressen, macht betroffen: Geißendörfer entwirft hier das Bild einer roboterhaft konditionierten Schar von Fernsehzombies, denen es völlig egal ist, welcher geklonte Suppenkasper ihnen heute die gefürchtete Freizeit stiehlt.
Kurz und gut: Es gibt nichts Positives, was sich für dieses narzisstische Geschwür ins Feld führen ließe. Seine Verdammungswürdigkeit ist vollkommen. Seine Adepten sind unter uns. Er ist die schwärende Pocke auf dem Antlitz des modernen Verkabelungswahnsinns.
Ein hanswurstiger Katalysator für die Todessehnsucht als gesellschaftliche Massenentwicklung.
Irgendwann, wird er seine Zerstörung anerkennen müssen. Bis dahin müssen wir ihn ertragen.
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