"Ich muss noch nichts gravierend ändern"
Patrick Owomoyela und der Weg aus der Sackgasse
Von unserem Redakteur
Thorsten Waterkamp
Foto: Stoss
BREMEN. Patrick Owomoyela ist ein Mann, der mit dem Ball umzugehen weiß. Ansonsten wäre er nicht Fußball-Profi geworden. Patrick Owomoyela ist aber auch ein Mann, der mit dem Wort umzugehen weiß - was in der kickenden Branche (ohne jemandem zu nahe treten zu wollen) in der Regel von begrenzter Häufigkeit ist. Gestern, nach dem Training, war Redezeit für den 26-Jährigen. Es ging nicht nur um die entglittenen Worte von Schalke.Denn Patrick Owomoyela steckt in einer sportlichen Sackgasse.
Bis zur vergangenen Saison noch las sich seine Vita, als wäre er auf einer Hochgeschwindigkeits-Einbahnstraße unterwegs. Immer vorwärts, immer höher, von der Regionalliga binnen 18 Monate in die Nationalmannschaft. Doch der Lebenslauf weist inzwischen Brüche auf, Sollbruchstellen, mutmaßen nicht wenige, die dem gebürtigen Hamburger das internationale Niveau nicht zutrauen, das er erreicht zu haben schien. Der erste Bruch hatte sich langsam angekündigt und kam dennoch überraschend. Bundestrainer Jürgen Klinsmann verzichtete zur WM auf den Nationalspieler Owomoyela.
Allerdings hatte in den Wochen zuvor der Vereinsspieler Owomoyela bei Werder selten überzeugt. Jetzt ist Patrick Owomoyela auch bei Werder nur noch zweite Wahl. Im Ligapokal-Finale durfte er noch ran, in den drei Liga-Spielen aber gab’s keine Minute Einsatzzeit. Clemens Fritz, der Neue aus Leverkusen, hat sich an ihm vorbei auf die Rechtsverteidigerposition geschoben, hat ihn von seinem angestammten Platz verdrängt. Eine neue, eine ungewohnte Situation.
"Sicherlich bin ich damit unzufrieden", sagt Owomoyela. Natürlich, aber das sind auch andere. Denn der 26-Jährige befindet sich auf der Bremer Bank in guter Gesellschaft - Schlussmann Andreas Reinke sitzt da, als Nummer zwei hinter Tim Wiese, was zwar bei Reinke für Unmut sorgte, aber ansonsten niemanden wirklich aufgeregt hat. Und dort sitzt Owomoyelas Defensivkollege Christian Schulz, was als am wenigsten überraschend gilt. Schließlich hat ihm die sportliche Leitung mit Pierre Womé einen international erfahrenen Kontrahenten vor die Nase gesetzt, der bislang bei Trainer Thomas Schaaf die besseren Karten besitzt.
Patrick Owomoyela aber traf der Verweis auf den Platz in der zweiten Reihe unvermittelter als die beiden Dauer-Kollegen aus der vorjährigen Stammelf. Er ist zurzeit der Verlierer unter dem härteren Konkurrenzdruck, der bei Werder zu dieser Saison Einzug gehalten hat.Allein: Seine Worte von Schalke, als er Teamkollegen lauthals vorwarf, sich beim Kistenschleppen "zu verpissen", will Owomoyela nicht in Verbindung gebracht sehen mit persönlichem Frust aus der sportlichen Misere.
"Ich lasse meine Unzufriedenheit nicht mit solchen Spitzen raus", betont er. Das verlorene Spiel gegen Schalke und "darüber hinaus, dass ich die Kisten nicht immer alleine tragen möchte", hätten für die wütenden Worte gesorgt. "War natürlich unclever, das in der Mixed-Zone zu sagen - aber das war keine große Sache. Ich habe auch keinen persönlich angegriffen."
So oder so: Leichter hat es sich Owomoyela nicht gemacht mit der Äußerung, auch wenn er sagt, das Vorgefallene sei "irrelevant" für seine sportliche Perspektive. Er müsse jetzt Argumente liefern im Training, um ins Team zurückzukehren. Wie diese Argumente aussehen könnten, vertrat der Verteidiger, am Ende der gestrigen Redezeit, selbstbewusst offensiv: "Ich sehe jetzt noch nicht, dass ich gravierend etwas ändern muss."
Dazu passend der heutige Bericht aus der Weser-Kurier:
http://www.weser-kurier.de/20060829/bta ... ern%22%0A&